JVo 2.
Mittwoch 5. Januar 19(2
51 Jahrgang.
* Tuldaer W Zeitung *
2. Blatt.
druck na* Verlag dir Salten Aktle«dri«lere' ia $ii6o.
feine Schießkunst am Silvesterabmd auszuprobieren. Er durchzog mit andern jungen Leuten die Straßen. Am Macktplatz angelangt, gab er in der Nähe der Bäckerei von Maus einen Schuß ab. In demselben Augenblick stürzte ein junges Mädchen, welches in der Bäckerei bedienstet war, Imitte zusammen. Sie befand sich mit einigen Freundinnen vor der Haustür, um zu gratulieren, und um dem Treiben zuzusehen. Eine Kugel war in den Hinterkops hineingedrungen und in der Nähe der Nase wieder herausgekommen. Sie gab noch Lebenszeichen von sich, und der herbeigeholte Arzt ordnete sofort die Uebcrfüh- rung der Schwerverletzten in die Klinik nach Mar- bug an. Dort starb das Mädchen. Die Unglückliche stammt ebenfalls aus Burgholz.
* Schweinsbrrg, 29. Dez. 1911. Heute fand eine Treibjagd der Frhrl. Schenk zu Schweinsbergschen Jagdgesellschaft in den Gemarkungen Schweinsberg und Rüdigheim statt. Geschossen wurden 78 Hasen, das sind bedeutend weniger wie früher.
vermischtes.
* Karnevalspolitik in Köln. Mit dem Neujahrs- iage begannen in Köln die karnevalistischen Veranstaltungen, die durchweg guten Besuch auswiesen. In den „politischen" Reden gab der »Marokkos-Vertrag, vornehmlich das Verhalten Englands Deutschland gegenüber, den Rednern Anlaß zu derben Seitenhieben'
* Verbrannt ist aus einem Gute bei Merseburg ein fünfjähriges Mädchen, das beim Feuer«- anmach en Petroleum gebrauchte.
♦ Ein harter Schädel. Bei einer Hochzeitsfeier in einem Wirtshaus in München schlug ein Taglöhner einem zweiten mit einem Halbliterglas so wuchtig auf den Kopf, daß das Glas zersprang. Der Verletzte nahm erst lange danach ärztliche Hilfe in Anspmch.
* Aus Furcht vor Arbeitslosigkeit. Die 50jäh» rige Haushälterin eines alten Herrn in Elberfeld äußerte, daß sie nicht wisse, was sie anfangen solle, wenn ibc hochbetagter Arbeitgeber sterben würde. Donnerstag fand man die Haushälterin tot in einem Brunnen. Sie hatte sich ertränkt.
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Rut cdtt ort der Hammer-Schutzmarke, überall erhältlich.
nommen, die das geräumige Gotteshaus bis auf dm
Wer ist dieser Signor Campanelli? Seine persöw
Schon nach kurzer Zeit fliegen Zeitungen und Briefe jeder Art in das kleine stille Haus in Fräs-' rati — ein Zeichen, daß die Welt da draußen das Versteck des jungen Paares kennt.
Orlando ist stolz auf seine Frau, die durch ihren Geist und ihr Talent einen Platz in der Oeffentlich- keit neben den großen Staatsmännern und Gelehrten einzunehmen beginnt.
Richt so Sonja. Jbr ist der Ruhm gleichgiltig. Wenn sie es nicht täte, um Gevd zu verdienen, würde sie überhaupt nicht schreiben. — Soll das ruhige, wunschlose Glück, der stille Frieden ihres Heims, das kaum begonnene Vergessen der Vergangcnheijj, so bald ein Ende finden? —
Gleich Gespenster steigen ihr Großvater und die Lungos vor ihrem geistigen Äuge auf . .
Doch wetzhalb ängstigt sie sich eigentlich? Der cckte Mann wird sich hüten, je wieder nach Italien zu kommen. Und welchen Anspruch können die Lungos an sie rrhchen? Richt sie war es, die einen Pakt mit ihnen schloß, sondern der Großvater; sie schuldet chnen also nichts. Die Leute wissen nicht einmal, daß sie an jenem schrecklichen Tage die Helferin ihres Großvaters war. — Und trotzdem überrieselt sie stets ein kalter Schauer, sobald sie an jene schreÄiche Zeit denkt. —
Der zu dieser Jahreszeit oft herrschende Schirokko wirkt ebenfalls auf chre Nerven. Feuchtheiß schnaubt er ums Haus und peitscht die. zarten Blü- tenkelche, daß sie matt und schlaff die Köpfchen hängen lassen — ein wehmüfiges Bild brutaler Naturgewalt.
Orlandos urgesundr kräftige Natur leidet nicht unter dem glühenden SBinb. Ja, er freut sich sogar, daß sie bei der drückenden Hitze mehr aufs Zimmer angewiesen sind, weil dadurch die Arbeit rascher vorwärts kommen ivtrb.
.Heute abend wenn c3 dunkelt, setzen wir uns zusammen vorS Haus in unfern Blumengarten, und du erzählst mir von deiner Jugend, von deinen Elter« und vor allem von der Ursache eurer Verbannung. Ich kann dann über die Einleitung zur Buch» auSgabr Nachdenkens
* Kassel, 2. Jan. 1912. Am Sonntag abend kam die 11jährige Tochter eines hiesigen Einwohners dem brennenden Ehrt st bäume zu nahe, sodaß die Kleider des Kindes im Ru in Mammen standen. Trotzdem auf die Hilferufe deS Kindes die Eltern dfort herbeieilten, hatte das arme Kind doch so chwere Brandwunden erlitten, daß es seinen Verletzungen erlag.
* Aschaffenburg, 2. Jan. 1912. Den Tod im Main gesucht hat am Silvestermorgen eine 82jährige Zugführerswttwe. Die Ursache ist Verfolgungswahn. — In Heinrichstal erstach der Bauernbursche Schramm den Bauernburschen Heeg bei einem Streit um ein Mädchen. Der Täter wurde verhaftet.
Sonjas Herz erbebt.
„Jetzt schon?" fragt sic angstvoll.
„Je früher, desto besser."
„Wenn du cs wünschest —'
Ein wildes Thaa? von Gedanken und Entschlüssen wirbelt durch ihr Hirn. — Was soll sie tun? Soll sie Orlando in dem (Stauben lassen, sie sei die Prinzessin Orlofs, deren Familie wegen politischer Umtriebe verbannt wurde? — Dann erschiene auch dieser Name m dem Buch mitsamt all den falschen Angaben und Verhältnissen. Und wird nicht die russische Regierung, sobald sic Kenntnis von dem Buch erhält, den ganzen Betrug aufdecken? — Wenn sie ihm aber ihren wirklichen Namen nennt und auch den Grund, weshalb sie verbannt wurden? —
Sie schaudert. Nein, nein — alles, nur das nicht. — Vielleicht findet sich noch ein anderer Ausweg! -- .
Während des ganzen Tages ist Sonja auffallend still. Sie weicht öfters Orlandos Blicken aus — sie, deren Augen sonst stets seinen Blick suchten.
„Der böse Schirokko quält sie", denkt er und beunruhigt sich nicht weiter.
Die Abendpoft bringt wie gewöhnlich eine Anzahl Briefe und Zeitungen. Jedes Wort des Lobes freut ihn, als gelte es ihm selbst.
Freilich fehlt es auch nicht an absprechenden, ja gehässigen Urteilen.
Äuch heute hält er ein solches Elaborat in den Hemden, das ihm von einem „gutcn Freunde' übermittelt wurde. Nachdenklich überliest er einen ge°
er der Sohn des Marchese Silvio Campanelli ist. Eines kann man ihm nicht absprechen: er war mit Erfolg bemüht, sich eine Stelle in der römi- schen Gesellschaft zu erobern; denn außer dem Sohn eines Parlamentsmitgliedes ist er jetzt auch noch der Mann einer bedeutenden und sicher bald berühmten Frau.
Der Erfolg berauscht bekanntlich.. Signor Campanelli hat seine junge Gatfin der Gesellschaft entzogen und sie nach Frascati entführt. Jeder alltägliche junge Mann ist in der ersten Zeit seiner Ehe furchtbar eifersüchtig. Weshalb sollte Signor Campanelli eine Ausnahme der Regel bilden? Immerhin sollte der Sohn eines Parlamentsmitgliedes etwas weniger kurzsichtig sein. Im Orient kann der Mann seine Frau absperren; bei uns ist es der sicherste Wey, sie zu verlieren. Wir sind neugierig zu sehen, wie eine Dame von dem Temperament der jetzigen Marchesa Campanelli, deren Schönheit und Geist die Salons entzückten, wie diese Dame einen Winter in der Einsamkeit Fras- catis aushalten wird, wenn die Winde um das baufällige Dach ihrer dörflichen Idylle blasen und tiefe Pfützen ihr den Weg zur menschlichen Kultur gbschneiden — als einzige Entschädigung die Gesellschaft Signor Campanellis! Allerdings hat sie bereits Sibirien hinter sich; doch glauben wir daß manche Leute Sibirien ihrem jetzigen Aufenthalte
Aus Oberheffen u. den heff. Aemtern.
* Niederwalgern, 1. Jan. 1911. Der Dicnst- magd Christine Böth aus Niederwalgern, welche 40 Jahre bei der Familie Lauer zu Niederwalgern im Dienste war, wurde ein goldenes Kreuz mit der Widmung .40 Jahre treuer Dienste' überreicht.
* Kirchhain, 2. Jan. 1911. Zu dem Unglü cks- fall in der Neujahrsnacht, der gestern bereits gemeldet wurde, erfahren wir noch: Ein juw ger Bäckergeselle aus Burgholz, hier in Stellung, hatte sich am Freitag einen Revolver zugelvzt, um
* Von den li-Zügen. Auf Anordnung" des Eisenbahnministers sind soeben die Spucknäpfe aus allen D-Zugwagen entfernt worden, sie nahmen viel Platz weg und ließen sich nicht gänzlich unter die Sitze schieben. Nur in den Äbovrenj Schlaf- und Salonwagen der D-Züge werden die Spuchläpfe belassen. Ai allen Abteilen werden dagegen Schilder angebracht, auf denen ersucht wird, nicht in bi« Wagen zu spucken.
F. Eine internationale Darmverwertungsgesellschaft (G. m. b. H.) hat sich hier in Fulda gebildet und ist dieser Tage in das Handelsregister eingetragen worden. Die Darmverwertungsanstalt, die seither im kleineren Maßstab am Zieherserweg betrieben wurde, wird in die Räume der ehemaligen Brauerei am Leipzigerhof verlegt. Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung und der Verkauf künstlicher Därme, insbesondere die Fabrikation und der Vertrieb derjenigen Gegenstände, welche durch die bereits erteilten und nachge- suchten Patente des Herrn Anton Schwarz in Fulda geschützt sind und noch geschützt werden sollen. Das Grundkapital beträgt 20 000 <jft. Zu Geschäfts- führern wurden ernannt Kaufmann Liebmann Bär in Gießen und Kaufmann Jonas Eschwege in Fulda.
Aus dem NachbarselMe.
;; Oberbimbach, 2. Jan. 1912. Ein euchari«- stis ch e s Triduum hat in hiesiger Pfarrei am 30. und .31. Dezember 1911 und am 1. Januar 1912 stattgefunden. Es wurde abgehalten vom hochw. Herrn P Bernardin 0. F. M „Dein sind wir, Herr, Dein wollen wir auch bleiben', so hat zum. Jahres- ichluß die ganze Pfarrei dem eucharistischen Heiland zugerufen und sie hat es gelobt für das neue Jahr. Und sie hat es schon durch die Tat bewiesen. Die 9 Predigten wurden von einer Zuhörerschar aufge-
vorziehen würden.' , „ . ...
Entgegen seiner Gewohnheit liest Orlando biefen gistdurchdrüngteck Passus mehrere Male. D'- Beleidigungen seiner Person, die ebenso gut n
Das sind in diesen Gnadentagen 2238 Kommunionen bei 800 Kommunikanten. Wohl alle sind gekommen. Fürwahr ein Ersolz, der das ernste Streben zeigt: „Ich will Dich lieben, meine Stärke". Ein inniger Zug der Andacht lag über dem 2. Tag der Feier: dem Tag der ewigen Anbetung. Während des ganzen Tages war der Besuch des göttlichen Heilandes überaus rege. Zur feierlichen Schlußandacht war alles aufgeboten, um dem Heiland nochmals in würdiger Weise zu huldigen. Das Tabernakel war umkränzt von farbigem Licht. Hoch« barübet hinaus ragte eine Pyramide in vielfarbiger Beleuchtung, gekrönt mit einem hellstrahlenden Kreuz. Der ganze Altar war von Licht umflossen. Und vor dem Altar kniete die Unschuld im Schmuck des Erstkommuniontages, die brennende Kerze in der Hand, mit ihrem herrlichen Gesang eine lebendige, ergreifende Aufforderung an die Pfarrei. „Auf zum Schwur mit Herz und Mund. Hebt die Hand zum hl. Bund' Und sie haben es gelobt, die Gläubigen, wie sie da knieten, anbetend den Herrn, ihn preisend mit Jubel: „Auf, Sion, preise Deinen König'. Die helle Begxisterung flang ans dem wirklich hinreißenden Gesang des Volkes all die Tage hindurch, und es sang hinauf zum Himmel, daß es die Gnade solcher Tage zu würdigen verstehe und daß es dafür dankbar sei; es sang seine ganze aufflammende Liebe und Dankbarkeit hinauf zum Himmel in geweihter Abendstunde: „Großer Gott, wir toben Dich'. Gebe Gott zu der Pflanzung Wachstum und Gedeihen!
Zur grsl. Kenntnisnahme!!
vom 1 Zanuar 1412 ab berechnen wir Anzeigen in der „Fuldaer Zeitung" und im „vonisatiurboten" nicht mehr nach der llaumhöbe einer Petitzeile, sondern nach aoloitel = auf 10 Sellen 1 Seile mehr.
Der Seilenpreir, lo Pfg ffir hiesige und 15 Pfg. für auswärtige Inserenten in der Fuldaer Seitung und 20 Pfg. im Bonifatiasboten bleibt unverändert.
Der seitherige günstige Rabatt-Tarif bleibt ebenfalls unverändert.
von einer Erhöhung de; Bezugspreise, für unsere (Organe haben wir im Interesse der Bezieher und Inserenten abgesehen.
Zuldaer Attiendruckerei
«n!ag her „Fuldaer Wun»" und de; „BssWiiMikn".
Amt Geisa und Umgebung.
]•[ Geisa, 1. Jan. 1912. Am Sylvesterabend gab der hiesige Zitherklud im Saale des Gasthauses „Zur Lmde' ein Zitherkonzert, verbunden mit theatralischen Aufführungen. Die gute Besetzung des Saales war ein Zeichen von großem Interesse, das dem Zitherklub entgegengebracht wird. Die Vorführungen verliefen zur vollsten Zufriedenheit der Anwesenden. Es wäre wünschenswert, wenn für die Folge häufiger Zitherkonzerte abgehalten würden.
* Vacha, 2. Jan. 1912. Zu dem schon gemeldeten Brandunglück in Vacha sei noch ergänzend mitgeteilt, daß das Feuer in dem Gasthause von Ruppel, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, auf die Fahrlässigkeit eines Gastes, des bei Ruppel logierenden Gelegenheitsarbeiters Franz Ritzscher aus Leipzig, zurückzuführen ist. Dieser hatte die Petroleumlampe des Fremdenzimmers aus dem Hängegestell herausgenommen und auf dem Erdboden damit herumgeleuchtet, um heruntergefallenes Geld zu suchen. Dabei hat er in feiner Angetrunkenheit die Lampe nicht richtig gefaßt, sodaß diese hinfiel. Dem Behälter muß dabei wohl Petroleum entflossen sein, denn im Nu schlugen auch schon die Flammen unter dem Tisch hoch, die sich auch schnell über das ganze Zimmer ausbreiteten, in dem sich eine ganze Anzahl Gäste, zume'st durchreisende Handwerksburschen, befanden. Sämtliches Mobiliar, sowie einige hundert Mark Geld sind mit verbrannt. Beide Leichen tonnten geborgen werden, sie warcn schercklich verkohlt. Zwei Mietsparteien verloren ihre ganze Habe. Auch Durchreisende kamen um ihre Kleider, Üeberzieher, Wäsche und dergleichen. Es herrschte Wassermangel.
* Wolfratshausen i. d. Rhön, 1. Jan. 1912. Ter Gürtler Georg Braun aus Bochha^cufilz ging im vergangenen Frühjahre wegen einer ilm Körperverletzung zuertannten eil jährigen Gesängnis- strase nach Amerika flüchtig. Am Weih nach tcheste kam er zur größten Freude seiner Familie wieder zurück. Nach kaum ein findigem Beisammensein wurde der Heimgekehrte von der Gendarmerie in Halt Genommen.
* Aus Thüringen, 2. Jan. 1912. In K o b u hat sich die Rentnerin Hofrnter aus Gram über den Tod ihres Mannes, her vor vierzehn Tagen nach kurzer Ehe gestorben ist, mit Zyankali vergiftet. — I Bei der Inventur in dem Geschäft von Ostweiler in Weimar wurden umfangreiche Diebstähle aufge- deckt. In einem Laden fehlten für etwa 10 000 Mk. Warcn. Es wurde festgestcllt, daß der in dem Geschäft angestellte Kaufmann Behr über 30mal in den Laden eingedrungen ist, die Waren beseitigt und an einen anderen hiesigen Geschäftsinhaber verkauft hatte. Der Stehler wurde samt seinen Hehlern verhaftet.
M Tochiki te Verbannten.
841 Roman von Adele Böttcher.
Rach und nach wird die Tatsache, daß Orlando Campanelli die „Prinzessin Orlofs" geheiratet hat, in Rom bekannt. Doch da über dieser Heirat ein gewisses Dunkel schwebt, da keine Vermahlungsanzeigen verschickt to inten, da besonders der Marchese Silvio .darüber eisige-? Stillschweigen bewahrt — so über« läßt man das junge Paar sich selbst — zu seiner großen Freude.
Die beide»! empsinden eine fast kindliche Furcht, daß jemand ihre selbstzewählte Etnsamkeir stören ■rönne und lugen bei ihren Spaziergängen unter So« Aen und Recken stets scharf nach allen Seiten aus, Am sofort in einen Seitenpfad einzubiegen oder im Waldesdunkel zu verschwinden, sobald sie irgendwo rin bekanntes Gesicht erspäht haben.
Als nun erst das gemeinsame Arbeiten losgeht, Als die beiden nicht nur im Tändeln auf der Ober« lächc des Lebens, sondern im Denken und Handeln .ich eins füllen — da blüht eine große, allumfassende i Siebe zwischen ihnen auf. Das Zusammenarbeiten Erscheint ihnen schön wie ein Traum. Jetzt erst er* jennen sie das Wesen wohin Glücks: völliges Auf- Pehen in einem anderen Herzen, Hinüberschmelzen in Jin anderes Ick — die vollkommene Vereinigung zwischen zwei Menschen, die ihr ganzes Innerstes miteinander teilen.
Doch mit der herrlichen Einsamkeit ist es bald Vorbei, als die erste Nummer der Neuen Horizonte ^ftheint, mit dem Anfang der anffehenerregenden
Unsere Flucht aus Sibirien.
Von Sonja Campanelli.
Die neue Monatsschrift ist überall zu scheu. Alle jkagesgeilungen bringen Artikel darüber; die Wo- menschriften nehmen davon Notiz und die Blätter for Gesellschaft und Literatur knüpfen daran Bemerkungen über das Privatleben der Autorin.
macht werden, »vas manchen Geschäftsleuten Veranlassung geben dürfte, die für sie ankommenden Sendungen am Bahnhokspostaml abhoten zu lassen.
Tie Zahl der Poftbeamten — sind e» doch zeitweise 8 bis 10 Mann —, welche unter den jetzigen Verhältnissen tagtäglich mehrmals den Weg vom Postamt nach dem Bahnhof und zurück machen müssen, tonnte eine wesentliche Minderung erfahren und zum Teil sonst zweckdienlicher verwendet werden.
Auch die Bahnhofsfuhren würden eine bedeutende Einschränkung erfahren, weil ein Teil der Sendungen am Bahnhofspostamt auf geliefert und abgeholt würden, und jene Bahnhostsuhren ganz in Wegfall kämen, welche durch die Beförderung der mit den Abendzügen ankommenden, nach der Rhön und nach Oberhessen bestimmten Postsendungen vom Bahnhof nach dem Postamt und vom Postamt wieder nach dem Bahnhof, jetzt unvermeidlich sind.
Das neue Postamt käme auch in ein Stadtviertel zu liegen, da? die meiste Ausdehnungsmöglichkeil bietet.
An der Platzsrage brauchte die Angelegenheit nicht zu scheitern, da die Stadl Fulda dem Bahnhofsgebäude gegenüber einen Bauplatz besitzt, wie man sich ihn für diesen Zweck gcn nicht geeigneter wünsche» kann, und der von der Stadl Fulda im allgemeinen Berkehrs- intereffe dem Postfiskus sicherlich nicht allzu teuer zur Bersüguug gestellt werden dürfle.
Tas Bahnhossempsangsgebäude wird in nächster Z.it erneuert und der Postfiskus gezwungen werden, die Ueberleitur.g der Posttadungen durch unterirdische .Gänge (Tunnel) vorzunehmen. Diese unterirdischen Gänge brauchten nur einige Meter verlängert angelegt
zu werden, um eine direkte Verbindung mit dem zu errichtenden Postamt zu ermöglichen, wodurch eine erhebliche Vereinfachung in der Ueberleitung und damit verbundene pekuniäre Vorteste erzielt würden.
Zur Zeit ist der Postfiskus gezwungen, einige dem BahnhossfiskuS gehörige Räume in Benutzung zu nehmen; die hierfür zu zahlende Miete würde in Wegfall kommen.
Auch für das zu Erweiterungsbauten angekaufte Haus dürste sich zu entsprechendem Preis wieder ein Käufer finden, und der Erlös dafür für den Neubau frei werden.
Lokaler.
Fulda, den 3. Januar 1912, ]:[ Wie die Frage ker Erweiterung des kaiserlichen Postgebäudcs zn lösen wate.
Von geschätzter Seite erhielten wir folgende Zuschrift:
Als im Jahre 1880 das damals neu erbaute hiesige Postgebäude feiner Bestimmung übergeben wurde, hatte Fulda 11 498 Einwohner. Seit jener Zeit ist die Zahl auf rund 23000 angewachsen, sie hat fick also gegen damals verdoppelt. Viele neue Fa« tuten und andere Betriebe sind entstanden und die !Iten haben eine größere Ausdehnung erfahren, wie iä; auch das Weichbild der Stadt selbst, entsprechend ff Bevölkcrungszunahme, nicht unbedeutend erwei- ert hat.
Für die dadurch bedingte Zunahme des Postverkehrs, der durch die Einführung des Telefons noch eine weit v» Steigerung erfahren hatte, mußten die vorhandenen Räume bald als nicht ausreichend erscheinen. Posibchördlicherfeits war man ja bestrebt, durch Verlegung deS Paketschalters und andere baulichen Ver- ändeiungen und Einrichtungen den veränderten 93er» hä!usissen Rechnung zu tragen. Trotzdem aber ist täg- l ;u konstatieren, daß in dem kleinen Schalterraum eine geradezu beängstigende Ansammlung von Menschen zutage tritt, zu deren Abfertigung die vorhandenen Zvenigen Schalter offensichtlich nicht ausreichen. Hier Wandel zu schaffen, ist unbedingt nötig. Dieses ist chlch von der Postbehörde, die deshalb schon ein Haus zur Erweiterung angekaust hat, anerkannt worden.
Allerdings werden die Um- und Erweiterungsbauten, wenn sie in Voraussicht ans spätere weitere Ausdehnung des Postverlehrs hergestellt werden, nicht unbedeutende Mittel erfordern, wobei es immer noch fraglich bleiben dürfte, ob sie dem Zweck auch wirklich ausreichend dienen können, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, die dem Architekten gegenüber« treten, um dem Ganzen ohne besonderen Mehraufwand ein schönes Ansehen nach außen zu geben.
Sollte es unter diesen Umständen nicht eher zu empfehlen fein, von einem Um» und Erweiterungsbau des jetzigen Postgebändes ganz abzusehen und dafür am Bahnhof ein zweites Postamtsgebäude zu errichten, wodurch das im Innern der Stadt gelegene Postamt wesentlich entlastet würde und dadurch in feiner jetzigen Größe noch für lange Zeit genügen könnte?
Abgesehen davon, daß die mit einem Um- und Erweiterungsbau unvermeidlichen Störungen des Postdienstes vermieden wären, würde auch die Postverwal- iung durch die Errichtung eines Bahnhofspostamts
manche postalische und pekuniäre Vorteile haben. nommen, die das geräumige Gotteshaus bis auf den
Ein nicht unbedeutender Teil des Publikums mürbe! letzten Platz füllte. Mit williaem Herzen lauschte ruf dem Bahnhosepostamt abliefern, und zwar nicht i man den begeisternden, ernsten Worten. Sie gingen nur dasjenige der rächstgelegenen Sladlteile sondern auf ein 3ieI: Häufige Kommunion. Und dies Ziel S,,6 | d-- tt-uen WmwWri» ^»4 angestrebt:
Sie rechtzeitige Beförderung ausgeschlossen ist, während Schon der 1. Tag brachte 508 Kommunionen, der 2. eine spätere Auslieferung am Bahnhosspostamt die s Tag 712, der 3. Tag 718. Am Tag nach dem Tn- rechtzellige Abfertigung noch ermöglich,. Anderseits ! duum wurde zum Trost der armen Seelen nochmals könnten ankommende Sendungen, soweit sie am Bahn-■ von 300 Gläubigen die hl. Kommunion empfangen, hojspostaml zur Abliejerung kommen, erheblich früher ■ als im jetzigen Postamt dem Publ'.lum zugänglich ge
wissen Passus zum zweitenmal. -r-,- -, ■
Außergewöhnliche Menschen pflegen auch Vater gelten, berühren ihn nicht, er 1» außergewöhnlich zu handeln. Es wundert uns über den Mangel an Takt und Anstand, der aus o weniger, daß die Prinzessin Orloff obenerwähnten Zeilen spricht. , . b
«rtitet geschrieben hat — denn wer entsinnt sich Was em Echo in seinem Herzen weckt, ist nicht d« geistvollen jungen Russin, die vor wenigen Hauch des Mitleids, der das Gmrze durchweht. Monaren plötzlich gleich einem Meteor am römi- Auch ihm kommt plötzlich der Gedanke, °b ^onl'.S scheu Gesellsckaftshimmel auftauchte? — als daß Naturell sich zur Emsmntou ergwet ob ihreLiebe sie Signor Orlando Campanelli geheiratet hat. zu ihm sie nicht vielleicht em Opfer bringen W- Wer ist dieser Signor Campanelli? Seine persön- Langsam wendet er den Kopf nach dem lichen Vorzüge kennen wir nicht; doch soviel ist wo Sonja mit dem Beantworten vm Briefen be- stcher — man weiß über ihn nichts weiter, als daß fchäftigt.ist., (Forts, folgt.)