«rfcheint tSgkichmit Ausnahme der Sonu- Mnb Feiertage, viertel- jährlicher vezugsptti, »hne vrtirgerlohn «nd VesteLgel) >a Zuldaso- wie auswärts 1.50 Dk.
verantw. Redakteur:
-arl Schütte;
für di« Suzeigei,:
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R»tati»»,dr«- . tu Verlag der Kuldaer Letieudr»ckerei i-Zulda Lerulvrecher Ur. 9.
tS 9
Erstes Blatt
Fulda, Mittwoch den 3. Januar 1912.
39. Jahrgang.
Veuttchez Nerch.
** Berlln, 2. Jan. 1912. Der Kaiser folgte heute einet Einladung des Staatssekretärs v. Tir- pitz zur Frühstückstafel. In seiner Begleitung beiand stch Prinz Heinrich von Preußen. — Die Erkältung des Kronprinzen war ernsthafter, als vorher zugegeben wurde. Auch der Berliner Neu. jahrSfeier hat er fern bleiben müssen. Erst DienS- tag abend hat er sich mit dem Nachtschnellzug von Danzig nach Berlin begeben. — Der srühere lang« jährige preuß. Zentrums ab geordnete August Meyer in Riemsloh ist im 86. Lebensjahre ge- storben
# Die Befitzfirueru, bie in der letzt« groß« NeichSfiuanzreform in einer Höhe von 110 — und nimmt man die erhöht« Ma- trikularbriträge hinzu, in einer Höhe von 135 — Millionen Mark geschaffen worden sind, sollen keine Besitzsteuem fein. So behauptet es wenigstens die liberal-sozialdemokratische Wahlagitation. Sollte dem- gegenüber aber nicht die Tatsache zu denken geben, M der Hansabuud gerade in dem Augenblick gegründet wurde, wo die ReichStagsmehrhM sich auschickte, bat kapitalistischen Gewinn zu besteuern, den Gewinn ber Leute die aus der neue, sten Wirtschaftsenrwicklung Deutschlands den Höch» sten Nutzen ziehen, und damtt eine neue Quelle für eine zeitgemäße Besteuerung an erschließen?
* Merkt'« Euch, Wähler!
,Jn der Kirchen- und Schulpolitik waren dem Liberalismus die 8 Hauptaufgaben gestellt:
Die Macht der katholischen Kirch« etnzu- schränken, der evangel. LandeSkirch« eine ihrem Wesen entsprechende Verfaflung zu geben und bi« Volksschule auf rein weltliche Grundlage zu stellen.
So zu lesen in dem von Liberalen heraus- gegebenen neuesten Buch: Geschichte d«S LiberaliS« ntuS^l 91 l^Fortschrittl. Buchverlag Hilfe, Berlin,
y. Kan« ein Bürger des Mittelstandes sozial- demokratisch wählen?
Am 1. Februar 1907 sagte der freisinnige Abg. Müller-Meiningen in einer Wählerversammlung:
.Bier Jahre, elf Monate und vier Tage hört man bie Sozialdemokratie sprechen von der veirotteten bürgerlichen Gesellschaft; sie verkündet, baß sie die Schmarotzer vertilgen, die Handwerker vernichten wolle, nennt die Bauernschaft einen rücksichtslosen, bornierten Menschenschlag, wünscht nicht die Erhaltung des Mittelstandes. Dana kommen die Neuwahlen, und 14 Tage hört man kein Wörtchen mehr davon. Dann drapiert man sich mit dem liberal-demokratischen Mantel, spricht aber nichts mehr von Klassenfragen und Zukunstsstaat. Die Stände, die man vorher nicht genug schmähen konnte, sind nun gut genug, um der Sozialdemokratie in den Sattel zu helfen. »Nieder mit dem Mittelstand!", das ist die Parole der sozialdemokratischen Mittelstandsretter."
Ihre ganze Agitalionsarbeit läuft darauf hinaus, ein Heer von unzufriedenen Revo- lutionögeseilen zu schaffen, die ihre Reihen vermehren. Bei diesem Bestreben ist ihnen ein zu- friedener, seßhafter Mittelstand tm Wege. Daher muß der Mittelstand vernichtet werden. So sagte .Genosse' Peuß im Jahre 1910:
«Wenn das Kleinbürgertum nicht mehr existieren kann und eS gar nicht uiehr geht, können wir ihm nur raten: Mögen sie dann Arbeiter werden, wir wir sind.*
»Genosse' Bock sagte 1908 sogar:
»Uns kann der Untergang des sogen. Mittelstandes gleichgilttg fein; im Gegenteil, j« eher er verschwindet, desto besser ist es!'
Merkt's euch, Mittelsiandsleute! „Genosse" Ledebour sagte 1903:
»Die Sozialdemokratie hat mit dem Mittelstand absolut nichts gemein und wird sich niemals dazu hergeden, Interessen des Mittelstandes, d. h. der Handwerker, Ladenbesitzer, Kleinindustriellen usw. zu vertreten.--Es wird gerade da« Bestreben
der Svzialiremokratie sein, die Bazare, Großgeschäfte gegen den Mittelstand zu unterstützen!"
Die Quittung für die Mittelstandsfreundlichkeit erhalten die Sozialde-rokraicn am 12. Januar! Kein Handwerker, kein Krein gewerblicher, kein Kaufmann, kein Detailhäadler kann am Wahltage der Sozialdemokratie seine Stimme geben!
Eine neue Heeresvorlage? Eine Berliner Nachrichtenstelle will erfahren haben, daß dem neuen Reichstage eine Heeresvorlage unterbreitet werden wird und zwar tn der Form, daß die Friedenspräsenzstärke nicht erhöht, aber doch neue Trup- penkörper geschaffen werden sollen. Dies werde in der Weise durchgeführt weiden, daß die Etats der Einheiten noch stärker herabgesetzt würden, al? fie schon find. ES besteht die Absicht, die Stärle der Infanterie-Kompagnien noch zu verringern, dafür jedoch neue Kompagnien auszustellen, aus denen dann Halb-Bataillone und eventuell Regimenter gebildet werden sollen. Die,Tägl. Rundschau' de- merkt hierzu, daß die Einzelheiten dieser Meldung durchaus nicht zuträfen, daß aber in der Tat ähnliches in dieser Richtung geplant sei.
+ BollstreckungSverjährung. Als ein Uebelstanb ist bereits mehrfach hervorgehoben worben, baß in der Praxis von der Befugnis, den Lauf der Straf- versolgungs- unb der Vollstreckungsverjährung zu unterbrechen, ein zu weitgehender Gebrauch gemacht worbe, baß cs sogar für eine Pflicht der Strafbe- hörben gehalten worben sei, in allen erheblichen Fällen rechtzeitig für eine Unterbrechung der Verjährung zu sorgen unb so diese praktisch nahezu zu beseitigen. Der preußische Juflizminister weist daher in einem Erlaß vom 24. Dezember darauf hin, daß eine wahllose Unterbrechung mit dem Grundgedanken der Verjährung unvereinbar fein unb auch dem allgemeinen Rechtsempfinden widersprechen würde. Es sei vielmehr Aufgabe der Strafrechtspflege. in jedem einzelnen Falle sorgfältig zu prüfen, ob es nach den obwaltenden Umständen angezeigt sei, den Eintritt der Verjähmng durch eigens hierauf gerichtete Handlungen zu unterbrechen. Von der Ausstellung ins einzelne gehender Grundsätze sieht der Minister ab, da bie Frage sich nut auf Grund von (Sinylfäffen beurteilen lasse. Dagegen richtete et an bie Ersten Staatsanwälte das Ersuchen, die Handhabung der Verjährungsunterbtechung für ihren Geschäftsbereich, insbesondere bei der Strafverfol- guty von Verbrechen und Vergehen, durch geeignete Maßnahmen besonders zu überwachen. Desglächen ersucht er die Landgerichtspräsidenten, der Handhabung der Vorfährungsunterbrechung seitens der mit der Strafvollstreckung betrauten Amtsrichter bei den GeschäflSrevifionen ihye Aufmerhsamkait zuzu- toenben. Als selbstverständlich bezeichnet es der Mi-'
totales.
Fulda, den 3 Januar 1912.
(*) Die Fest Versammlung deS KranziSkanermisfionS- Vereins wird, wie alljährlich, am nächsten Sonntag nachmittag 2 Uhr in der Klosterkirche auf dem Frauenberge abgehalten werden.
n Der Titel .Professor* wurde dem Oberlehrer BauwenS, früher in Fulda, jetzt in Biedenkopf, verliehen.
'ÖF PostpersonaUm. Vom L Januar ab find die Postschaffner Bonifaz Herber, Aug. Günther und Frz. Erb zu Oberpostschaffnern ernannt worden, nachdem sie im vergangenen Iah« bie vorgeschriebene Prüfung mit Erfolg bestanden hatten.
*J* Tir Feritnotdmntg für die höheren Schu« len der Provinz Heffen-Nastau, btt für Fuldck
Aus Kirche und Schule.
* Die neue Brevier-Reform. Die letzte Nummer der Acta Apostolicae Sedis veröffentlicht die Bulle Divino afflatu, welche die schon mehrfach ange- kündigten Aenderungen deS B«vierS enthält. Pflichtmäßig muß das neue Stundengebet verrichtet werden vom 1. Januar 1913 ab, doch kann eS auch schon früher an Stelle deS seitherigen gebetet werden. Die Aenderungen bestehen in der Hauptsache darin, daß daS ganze Pjalterium mit seinen 150 Psalmen allwöchentlich einmal ganz gebetet werden muß, auch die Psalmen der kleinen Horen und der Complet find nur am gleichen Wochentage dieselben. Nur die Feste des Herrn, der seligsten Jungfrau, die der Engel und der Apostel, das Fest des hl. Johannes Baptista und alle Feiertage primae et secundae classis haben feststehende Psalmen; die duplicia primae unb secundae classis werden von jetzt an auch nur allein noch transferiert, während die Feste mit duplex rnains-Cha- rakter unb bie der Doktoren Occurrem nur einfach kvmmemoriert werden. — Auch ist bie Pflicht aufgehoben, im Chor an gereiften Tagen das Offizium B. M. V. oder das Totenoffizium zu rezitieren oder die Gradual« und Pönitentialpsalmen zu beten. Die wichtigste Aenderung trifft das Sonntagsoffizium. Hier tritt eine bedeutende Verkürzung ein. S as find bie hauptsächlichsten Anweisungen der Rubriken, die der Bulle beigegeben sind, doch enthalten dies« noch viele Einzelbestimmungen. ES wirb auch eigens hervorgehoben in der Bulle, daß diese gegenwärtige Aenderung nur als ein erster Schritt zur vollen, schon lange gewünschten, noch durchgreifenderen Reform von Brevier und Miflale betrachtet werdeit will.
** Graf PvssdewSk, im Wahlkampfe. Graf Posadowsky hat ans mehrfache Anfragen von Jnteressentengruppen eine Erklärung veröffentlicht, in der er eS ablehnt, stch auf .so eingehende Wahlprogramme einzelner Jnteressentengruppen" festzulegen. »Wer sich in dieser Weise bindet, ist kein Volksvertreter mehr, sondern nur der Agent einzelner Gruppen. Rach Artikel 29 der ReichSver- fafstmg sind die Abgeordneten aber Vertreter d«S gesamten Volkes unb an Aufträge unb Instruktionen nicht gebunden. Es ist mir umsomehr oer- agt, mich auf derartige Sonberprogramme festzulegen, als stch vier verschiedene Parteien auf memt Kanbidatvr geeinigt haben."
X Roch eint Kandidatur Dernburg. ®me national- liberale Wählerversammltmg stellte für den Wahlkreis Adenau-Cochem-Zell den Staatssekretär a. D. Dem bürg als Kandidaten für bie Reichs- tagSwahl auf.
* Die ^dgelehute Erbschaftssteuer" bildet noch immer baS Steckenpferd, auf dem die sozialdemokratische Wahlagitation gegen das Zentrum herumreitet. Das Zentrum hat aus wohlerwogenen wirtschaftlichen unb sozialen Gründen die Erbschaftssteuer abgelehnt und dafür durch andere B e sitz- steuern dar Kapital viel kräftiger herange- zogen, als es durch bie Erbschaftssteuer geschehen wäre. Aber hat denn bie Scytaldemokratie ein Recht, dem Zentrum einen Vorwurf zu machen wegen einer Tat, bie, wäre es zur brüten Lesung bet Echschasts- stetter gekommen, die Sozialbemokratte selbst begangen hätte! Sie hätte bann nämlich ebenfalls gegen bie Erbschaftssteuer gestimmt. DaS hat der häusliche Krakehl auf dem soziakdemokrattz- scheu Parteitage Leipzig 1909 herausgebracht. Der offizielle Berichterstatter Abg. Lebrbour rief hier den Revisionisten zu: .Sie haben systemattsch darauf hingearbeitei, im Lande den Eindruck zu erwecken, als ob Sie eigentlich mit Ihrer Anficht, endgültig für die Erbschaftssteuer zu stimmen, bie Mehrheit hinter lich hätten. Die Beschlüsse der Frakfion stehen dem entgegen." (.Leipziger Volkszeitung" Nr. 213, 1909.) Also toegen einer Tat, die die Sozialbemokratte nach einigen Tagen selbst begangen hätte, macht fie dem Zentrum jetzt unausgesetzt Vorwürfe.
Helfershelfer daS Baterlaub führen. Hof- sentlich trägt der halbamtliche Walhaufruf dazu bei, den Wählern die jchwe« Gefahr deS GrvßblocksportS klar zu machen.
WahttreU Kukda. SerSftkd - Schlüchtern.
XX* «ine liberale Kandidatur? Im,GerS- selber KreiSblatt' lesen wir:
Di« Fortschrittliche BolkSpartei bat den Aba. Alb. Träger aI8 Zählk-mdidaten tat Wahlkreise Fulda- GerSfeld-Schlüchtern aufgestellt
Der 81 Iah« alle Berliner Justizrat Träger kandidiert tm oldenburgischen Wahlkreise Varel- Jever, den er bisher im Reichstage vertrat. Di« offizielle Leitung der BolkSpartei weiß von einer Zählkandidatur Träger» in unserem Wahlkreise anscheinend nichts. In der von dem offiziellen Parteiorgan, der ,Freis. Ztg.', heule veröffentlichten Kandidatenliste ist die Kandidatur nicht verzeichnet.
Wahlkreis Hersselb-Hünfeld-Roienburg.
= Die Rationallibetale Partei veröffentlicht einen SBatyaufruf, bet unter Hinweis auf ein Wahl-Abkommen zwischen bett liberalen Parteien für Knr- heffrn, bie Nationalliberalen im Wahlkreise Hersfelb- Hünselb-Rotenburg auffordert, dem fortschrittlichen Kanbibaten Fiebler-Gießen weitgehenb- ste (sic) Unterstützung zu leihen.
Wahlkreis Kassel-Melsungen.
(i) Kassel, 3. Jan. 1912. Der Ausschuß der Kasseler Innungen, der bekanntlich zur größten Unzufriedenheit weiterer Kreise deS Kasseler Handwerks im Fahrwasser des Hansabundes steuert, hat Ki den energischen Widerspruch mehrerer Mit-
er beschlossen, an der Stelle des deutsch-sozialeu Kandidaten Lattmann den liberalen Kandidaten Schröder den Handwerkern zur Wahl zu empfehlen. Obgleich diese Empfehlung doch einen sehr fraglichen Wert hat, ba bie Handwerker sicherlich bei der Wahlentscheidung ihren eigenen Verstaub gebrauchen werben, ist die liberale ,Eis. Tagespost' über daS Ereignis so außer Fassung geraten, daß sie Lattmann bereits als politisch toten Mann erklärt und in unqualifizierbarer Weise ihre Notiz mit den Worten schließt: »Friede seiner Gusche!"
* Frankfurt, 8. Jan. 1912. 36 000 sozial- demokratische Flugblätter wurden am Sonntag in Frankfurt verteilt. Diese Papierverschwen- dung ist wirklich nicht zu überbieten.
* Kaiserslautern, 2. Jan. 1912. Tas Zentrum hat feine Reichstagskandidatur im Wahlkreise Homburg-Kusel zugunsten des Kandidaten der Wirtschaftlichen Vereinigung, Gebhard, zurückgezogen.
* Kreuznach, 31. Dez. 1911. Die ZentrumS- partei richtete an den Abg. Paa sch e einen offenen Brief, worin er ersucht wird, seine Aeußenmg im Reichstag, hier sei in einer ZentrumS- oerfoiKtiihntg der Ruf getan worden: „Rieder mit dem Protestantismus", endlich zurückzunehmen. Diese Aufforderung ist zwar häufiger an die Adresse des Herrn Paasche gerichtet worden, bis jetzt aber ohne Erfolg.
v Cm Wahlaufruf der Regierung.
, Tie „Nocdd. Allg. Zeitung" veröffentlicht an .hervorragender Stelle, an dem sonst die hochoffiziösen Knnvgebungeir zu stehen pflegen, einen Artikel zur Neuwahl des Reichstags, m der fie lebhaft bedauert, daß noch heute ein Teil unseres Volkes unter der Botmäßigkeit bft Sozialdemokratie stehe. Das Regte- rungsorgan schließt mit folgender
Wahlparole:
Wir brauchen einen Reichstag, der bereit ist, unsere hiSherige Wirtschaftspolitik, bie Politik btt Handelsverträge und deS Schutzes der nationalen Arbeit, weiterjuführen.
Wir brauchen einen Reichstag, der bereit ist, unfew Sozialpolitik, die Bürgschaft einer friedlichen Ent« Wicklung im Innern, ruhig und besonnen sortzusetzen.
Wir brauchen einen Reichstag, der bereit ist, Heer sind Flotte dauernd int Zustand höchster Leistungsfähigkeit zu erhalten und Lücken in unserer Rüstung zu schließen.
Bei der Lösung aller dieser Aufgaben pflegt die Sozialdemokratie ihre Mitarbeit zu ver« agen. Darum ist di« endliche Ueberreindung fieser Partei, deren Bestehen eine Gefahr bedeutet ür ui« nationale Geschlossenheit unseres Volke- wie ür Li« Erhattung des poiitischen, geistigen und sittlichen Kbes unserer Väter, eiueLebensfrag« für unser Vaterland.
, Wer sich da- alles vor Augen hält, wird stch klar darüber sein, daß kein pflichtbewußter deutscher Mann Hm 12. Januar an der Wahlurne fehlen darf. Er Cann auch nicht im Zweifel darüber sein, -egen wen er Front zu nehmen hat.
U Die Front gegen Links! Das ist die Parole im kommenden Wahlkampfe. Die Front neaen die Sozialdemokratie. Kampf gegen fie unbedingt und unter allen Umständen! Die Front über auch gegen die offenen unirverdeckten Freunde der Sozialdemokratie. Kamps gegen den Freisinn ünd den der Sozialdemokratie verbündeten Rationallrberalismus!
■ Schabe, daß bie Regierung diese vernünfiigen Leitzatze nicht schon früher veröffentlicht hat. Viel» leichl hätten dann die Aergernisse bei den Ersatzwahlen im verflossenen Jahre sich einschrän- zen lassen. Wenigstens wären gewisse Beamte, bte sich von beit liberalen Hetzern zur Begünstigung sozialdemokratischer Kandidaturen haben verleiten Men, durch einen rechtzettigen Hinweis auf die Mmeingefährlichkeit der Umsturzpartei vor einer Mbirrnng vom Wege der Pflicht zu bewahren ge- tve^en.
Ausland.
♦♦ Die Brüsseler Zuckerkommission wirb am 29 Januar wieder zusammen treten.
• Ein Bischof alS sranzöfifchet Kammerkandidat. Eine Gxuppe hervorragender Katholiken des Wahl- kreifes im Departement Finistbr«, der kürzlich durch den Tod des Abbö Gayraud seinen Vertreter in der Kammer verlor, bot Bischof Touch et von Orleans das Mandat an. Der Bischof hat noch keine bestimmte Zusage erteilt. Im Grunde scheint er jedoch nicht abgeneigt zu sein, zu kandidieren.
** England mobilisiert! D. h. tmfreiwillig. Durch die unklare Form einer neuen Armeeverordnung wurde um die Jah«sw«nde eint regelrechte Mo« bilisierungSpanik in England verursacht. Die neue Verordnung betrifft die Mobilisierung im Kriegsfälle. Der Tteutlichkeit halber wurden der Verordnung eine Anweisung für ein« Eisenbahrkart« und für drei Mark Spesen anqefügt, allerdings mit dem deutlichen Aufdruck, daß die Verfügung nur im Falle einer Mobilisierung giltig sei. Die Form dieses Vermerks muß jedoch nicht besonders deutlich gereefen fein, denn eine große Anzahl von Reservisten aus allen Teilen deS L-ndes kassierten ihre drei Mark ein, nahmen ihr Eisendahnbillet und reisten Hals über Kopf nach ihren Gestellungsorten. Dort erst wurde der Irrtum in den Kasernen aufqellär'. Nun hat sich daS Kriegsministerium gezwungen gesehen, ein energisches Dementi gegen bie Annahme zu erlassen, daß eine Mobilisierung geplant gewesen sei.
, "Spät kommt ihr, doch ihr kommt". Auch die tzmll-che Auflläning über die guten Wirkungen der Finauzreform kam schon recht spät. Hoffen wir, baß der Mahnruf in der allerletzten Stunde noch den heillosen Großbkockbestrebungen noch etwas Abbruch tut!
£ In dem dreigüederigen Programm, das wir im vorstehenden wiedergegeben, nimmt bte erste Aelle die Schu tz z o l l f r a g e ein. Man barf darin Wohl Amen Hinweis erblicken aus die entscheidende Bedeutung, welche diese Frage für den Bestand des künftigen Reichstags haben wird. Wenn sich eine leistungsfähige Mehrheit für einen wirksamen Zollschütz und zur Begründung brauchbarer Handelsverträge nicht ergeben sollte, so würde Zweifel- ,los bald eine neue Befragung der Wähler not- wendig werden.
Zu dem dritten Programmpunkt (Tüchtigkeit ion H e r r und Flotte) liefert der halbamtliche lttikel in seinem ersten Teil noch eine besondere tegründung, die auf die Krisis vom letzten Sommer Bezug nimmt. Die zeitweilige schwierige Weltlage, so wird ausgeführt, habe uns im jjtergongmn Jahre gezeigt, daß die eigene Betätigung einer friedliebenden Gesinnung nicht genüge, um der Welt den Frieden zu erhalten. Deutschland sei ein wirtschaftl. aufstrebendes Volk, in dem alle Pölker der Welt in steigendem Maße einen Konkurrenten ihres Handels und ihrer Industrie erstehen sehen. Ein solches Volk sei des Friedens, den eS zu ft nter wirtschaftlichen Entwicklung gebrauche, nur sicher, so lauge sein Heer und ferne Flotte genügen, um. te*ne Grenzen und seine Seeinteressen wirksam
Wenn hier die wirtschaftliche Effersucht »'tL der hoch Pot Nischen Spannung hm-
9e^r;; so Paßt das bekanntlich vor allem auf das Verhalt W zwischen England und Deutsch- land. Es laßt sich Nicht leugnen, daß die Erfahrungen bom letzten Sommer die Hoffnung auf Friedens- gerikü'e und Abrüstung weithin zurückgedrängt und hie ^'otwendigkeit einer starken Wehrmacht in helles Licht gesetzt haben. Doch haben uns die Erfahrungen Zugleich gezeigt, daß in dem kritischen Zeitpunkt die Wehrfähigkeit Deutschlands groß genug war, um die Gegner von dem Angriff abzuhalten. Daher glauben wir nicht, daß die Bemerkung über die Lücken in der Rüstung, die noch zu schließen wären, auf überraschend hohe Mehrforderungen für Heer und Flotte zu deuten sind. Vermutlich wird hie Vervollkommnung unserer Wehrkräfte in dem über! icferten" besonnenen Tempo fortgesetzt cherden, sodaß auch das Zentrum sich über das Notwendige mit der Regierung verständigen kann.
. Die Wähler werden nicht vergessen dürfen, daß ^ heilsame Respekt des Auslandes vor der deutschen b^^Nähigkeit nicht bloß von der Zahl der Soldaten Mv der Schiffskanonen abhängt, sondern auch von
G'fden Finanzen und der inneren Ge- 1 - . H e 11 6 e i t der Nation. Innenpolitische Kri- [e,L..uns unter den gegenwärtigen hoch« Polngchen Verhältnissen erst recht nicht gestatten. In eine schwere Krisis würde aber der W a h l« sieg der Sozialdemokratie und ihrer
mster daß während schwebenden ErmittlungS- ober Hauptvrrfahrms auf rechtzeitige Unterbrechung der Verjährung Bebacht genommen werden müsse, nament- lich wenn kürzere VerjährungSftisten zu berücksichtigen feien.
(*) Die deutschen Zivilflieger hu Dienst der Heeresverwaltung. Wie Berliner Blätter melden, ist anzunehmen, daß die große Zahl der deutschen Zivilflieger auch für daS deutsche Heer nutzbar gemacht werde. Es bcheht der Plan, Zivilflieger, wenn sie bienen müssen, durchgehends als Militär- fliegen zu verwenden. Bisher ist beretts ein Ein- jähriger, der über ein Flugzeug verfügte, als Militärflieger verwendet worben. Deutlchlanb verfügt augenblicklich über rund 135 Zivllflieger und diese Zahl wirb sich im nächsten Jahre ganz beträchtlich vermehren. Es wirb barum eine für den augenblicklichen Stanb des Militärflugwesens immerhin erhebliche Anzahl von Fliegern für militärisch« Zwecke in Betracht kommen. Auch bei den Reserveübungen ist die Verwendung von Reserveoffizieren, die als Flieger tätig sind, m Aussicht genommen.
)( Die Besetzung deS Psjener MschofsstuhIeS. Tie Zeitung ,Jtalie' hatte gemeldet, der Papst habe an den Deutschen Kaiser ein Schreiben gerichtet, um ihm zu verstehen zu geben, daß eS Zeit sei zu einer Lösung bei Frage der Ernennung eines Erzbischofs von Posen-Gnefen zu gelangen. Dazu erfährt ,Osservator« Romano' aus sicherer Quelle, daß ein solches Schreiben nicht existiere; die In- formationen der,Italic' entbehrten jederBegründung.