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* Twldaer M Zeitung

2. Blatt.

vruck im» Verlag der Mdaer ActieadruSerei in Znlda.

veuttches Neich.

trag kündigen muffen. Sie taten aber keines von

demokraten, 'die Aussicht auf einen Profit hatte sie

eine

Parteisache gemacht.

Ans -em Nachbargebrete

des

unterricht n, und außerordentliche kirchliche Feiern werden von der Erlaubnis der Staatsgewalt ab­hängig gemacht.

Wird das katholische bayerische Volk sich diese Behandlung gefallen lassen?

heiteren Inhalts wurden am vergangenen Sonntage iederholt. Ter Beülch war jedesm il sehr zusrieden- ’’*eflciib. Tie Spieler verstanden es ausgezeichnet, ihre Rollen wiederzngeben. Der Reinertrag der

die Mittel dazu habe. Noch niemals ist eine Partei so grundsatzlos umoesallen als die Speyerer Sozial­demokraten, alles Würste hinfällig, so schreibt die Pfalz. Ztg. Nr. 351, als der Profit winkte. So wurde am 23 Dezember Dr. Hertrich gewählt. Die

Zentrumspartei darf sich das Zeugnis geben, daß sie die Angelegenheit rein sachlich behandelt hat, die Liberalen haben aber aus der Angelegenheit t'....

aA Steinbach, 1. Jan. I9!2. Die seitens bkfiien Gesangvereins am zweiten Weihnachtsfeier' tage veranstalteten Theaterausführrmgen ernsten und

Veranstaltungen soll zum Neu- resp. Umbau zwecks Vergrößerung der hiesigenPfarr- kirche verwandt werden.

* Frankfurt a M., 30. Dez. 1911. Gestern nach­mittag wurde vor dem Hauptpostamte stcm Kaffen­boten einer Offenbacher Firma eine Handtasche mit 1 830 Mark und ein Scheck über 5972 Mack geraubt Gleichfalls vor der Hauptpost wurde heute abend einem Rentner, der einen Postscheck von 2000 Mark eingelöst und die erhaltenen Scheine in die Tasche gefteefr hatte, diese Summe geraubt. Die Täter find in beiden Fällen entkommen. — Auf dem Schillerplatz in Mainz wurde, wie berichtet, am Freitag vor Weihnachten die Frau des dort domi­zilierenden Zigarrenhändlers Liebing von einem Un­bekannten mir einem stumpfen Instrument niederge­schlagen. Nur durch das hinzugekommene Dienst­mädchen wurde sie vor weiteren Mißhandlungen de!» Angreifers bewahrt. Der Täter hatte es auf eine Beraubung der Ladenkaffe abgesehen. In der letzten Nacht wurde der Urheber des Raubmordversuchs, der Schneidergeselle Ignaz Deschmann (alias Bur- ler), hier in einem Logis in der Friedberger Land­straße verhaftet.

* Weilburg, 1. Jan. 1912. Die Stadtverord >e- ten-Versammlung beschloß mit einem Kostenaufwrnd von 112 (XX) Mk. ein Elektrizitätswerk zu bauen.

* Mainz, 1. Jan. 1912. Nach dem Bericht des Oberbürgermeisters Dr. Götlelmann hat Mainz rund 111000 Einwohner, davon 8800 ak'.ives Militär, 64485 Katholiken, 41802 Evangelische, 2926 Israeliten.

♦ Erfurt, 1. Jan. 1912. Ein angesehener Bürger der Stadt Erfurt, ein Fleischermeister, der über eir Vermögen von mehr als einer Million Marl verfügt, hatte kürzlich vom Erfurter Schlachthaus einige Haken, die zum Aushängen von Schweinen dienen, mit nach Hause genommen. Er wurde wegen Diebstahls zur Anzeige gebracht. Die Sache erregte in Erfurt das größte Aussehen; der Gerichlssaa'l war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Gerichtshof erkannte auf eine Gefängnis« strafe von einem Monat.

6 Sitze. Am 29. schloffen Zentrum und National- liberale einen Vertrag mit dem Inhalte: beide Par­teien wollen feie Frage des Berufsbürgermeisters gemeinsam lösen; das Vorschlagsrecht erhalten die Nationalliberalen, dem Zentrum wird ein Eirk- spruchsrecht gewährt, „sofern der präsentierte Kan­didat nach Vorleben, Qualifikation und Charakter nicht die Gewähr bietet, die Verwaltung der Stadt objektiv zu führen.' Die Liberalen präsentierten erst den rechtskunstigen Bürgermeister einer mittel« fränkischen Stadt, das Zentrum lehnte biefen ab, weil er bei der Reichstagswahl 1907 in Lindau als nationalliberaler Hauptagitator öffentlich das Zen­trum schwer beleidigt hatte. 11. a. hatte er gesagt, das Zentrum habe Lug und Trug als Kampfmittel verwendet. Die Liberalm erkannten die Bercchti- guug dieses Protestes an, ließen stiesen Herrn fallen und präfentierten- nun dm städtischen Rechtsrat Dr. H e r t r i ch von Karlsruhe. Dieser hatte wohl die badische, aber nicht die bayerische juristische Staats- prüftmg gemacht und war daher nicht wählbar. In einem Schreiben vom 17. Juli teilte das Zentrum diese Auffassung sten Liberalm mit. Trotzdem hiel- tm diese an der Wahl Dr. Hertrichs fest und mach­ten cs dadurch unmöglich, eine gemeinsame Wahl vorzunehmen. Das Zentrum wendete sich daher dem Bewerber zu, der unbestritten weitaus der beste von allen war: ein bayerischer Bezirksamts ass efsor, be­stens empfohlen, politisch niemals hervorgetreten, aber katholisch! Die Liberalen und ihre Presse reden bei jeder Gelegenheit mit großen Sprüchen von der Gleichberechtigung der Konfessionen und daß selbst­verständlich stets nur der beste gewählt werden müsse. Wenn es aber zum Klappen kommt, wird der Katholik regelmäßig als unbrauchbar bei Seite geschoben. So war es auch hier. Es liegt hier ein Schulfaü libe­raler Unduldsamkeit vor Zwei Wahlgänge am 13. und 21. Juli verliefen ohne Ergebnis Die Libera­len stimmten für ihren Kandidaten, dem die gesetz­lichen Voraussetzungen zur Wahl fehlten, die Zen­trumspartei infolgedessen für den oben erwähnten bayerischen Verwaltunqsbeamten. Die Sozialdemo­kraten lehnten einen Berufsbürgermeister grundsätz­lich ab. Zunächst machten die Liberalm in der üb­lichen Entrüstung gegen das Zentrum, warfen ihm Treulosigkeit und Woribmch vor. Nach einigen Wo­chen erkannten die Juristen in der nationalliberalen Partei, daß das Zentrum Recht hatte, daß ihrem Kandidaten Dr. Hertrich die gesetzliche Voraussetzung zur Stelle eines rechtkundigen Bürgermeisters fehle. Nach dem Vertrage, dm sie mit dem Zentrum abge­schlossen hatten, hätten sie jetzt einen andern einwand­freien Kandidaten präsentieren ober auch den 53er’’

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 1. Jan. 1911. Die hiesige evange­lische Konfessionsschule wurde in &en Jahren 1908/09 von 30 Schülern (14 Knaben, 16 Mädchen), 1909/10 von 33 Schülern (16 : 17) und 1910/11 von 34 Schülern (15:19) besucht. Die Kinder wurden von einem Lehrer unterrichtet. Be­soldungen waren in diesem Zeitraum 3490 Mk. auf­zubringen.

* Stadtlengsfeld, 29. Dez. 1911. Eine Ersatz­wahl zum Gemeinderat anstelle des von hier verzogenen Prokurfftm der Porzellanfabrck, Herrn Btoser, fand gestern statt. Auf die Zeit bis 31. De­zember 1913 wurde Kaufmann Hugo Schild ach gewählt.

:1 [: Buttlar, 29. Dez. 1911. Am 27. Dezember wurde in dem Winter'schen Saale eine gut besuchte Versammlung des katbolischen Volksver­eins abgehalten. Nachdem der Ortspsarree ein Hoch auf die geistliche und weltliche Obrigkeit ausge­bracht hatte, hielt derselbe einen Vortrag über hie Aufgaben des VoMvereins als Abwehrorgcmisation gegen die sozialdemokmiischen Irrtümer. Sodann entwarf Herr Denefiziar Krieg, der unermüdliche Redner im Volksverein, mit volkstümlichen, packen'- ben Worten ein anschaulich.'S Bild von den verschie­denen Packeirichtungen im deutschen Vaterlande, über Heren Grundsätze und Versprechungen. Insbesondere machte der Redner interessante Ausführungen über die freie, die sogenannte gelbe und die christliche Ge- weckschast. Von den zahlreich Versammelten wurde einstimmig der Wunsch geäußeck, Herr Beyefiziat Krieg möge bald wieder nach Buttlar kommen. 5 neue Mitglieder wurden dem Verein geronnen.

♦ Oechsen, 1. Jan. 1911. Der Schacht Hei- ligenmühlehat jetzt bald eine T iefe v on 300 Metern erreicht. Der Buntsandstein ist durchschla­gen jetzt begingen die Arbeiten in dem weicheren Lettenstein.

* Aus Thüringen, 1. Jan. 1912. Der Gerichts­assessor Gregor Dauck in Eisenach wurde vom 1. Januar 1912 ab als Amtsrichter bei dem Großher­

des p. Aschenbrenner tat Dom hat auch Kultus- minifter Dr. v. Wehner besucht.

Aller aber wird übertroffen durch die Neuste- lebung der Ministerialverordnung von 1851, wonach außerordentliche kirchliche Feiern den Bezirksämtern anzuzeigen sind. So etwas in einem Lande, das ein katholisches Fürsten­haus und eine überwiegend katholische Bevölkerung hat! Man vergleiche damit die Freiheit des Vereinswesens, bei der den Behörden jeb° wede Kontrolle der inneren Vereinstätigkeit unmög- llch gemacht ist. Di katholische Kirche in Bayern aber soll außerordentliche kirchliche Feiern, die sich in der Oeffentlichkeit abwickeln, der Staatsgewalt unterstellm.

Das Vorgehen des Kultusministers v. Wehner ist um so „unglaublicher', als fein Vorgänger Frhr. v. Lutz, der gewiß kein Jesuitensreund war, am 11. Januar 1888 tu der Kammer erklärte:

.Was außer der speziell benannte« Abhaltung von Missionen als OrdenStätigkeit zu betrachten sei, trt weder im BundeSratsbeschlnß, noch in den bayerischen BollzugSanordnungen näher bestimmt, und es läßt sich nicht leugnen, daß über die Auslegung dieses Begriffes Meinungsverschickienheiten entstehen können.'

Herr v. Wehner hat also durch eine ergänzende Auslegung die Meinungsverschiedenheiten einfach zu llngunsten der Jesuiten beseitigt. Das bedeutet nichts weniger als eine Auffrischung kultur- kämpferischer Maßregeln und zeigt, was den bayerischen Katholiken von der angeblich so zentrums- srommen Regierung bevorstände, wenn der Block der „Nichtultramontanen', wie ihn Dr. Casselmann genannt hat, bei ben bevorstehenden Wahlen siegen sollte.

Das katholische Volk in Bayern wird am Wahl­tag auf diese Wiederaufnahme des Kultur­kampfes eine energische Antwort geben. Eine wirlsamere Wahlparole konnte dem katholischen Volke wirklich nicht gegeben werden. Unglaube und Sittenlosigkeit dürfen ungestört öffentlich propagiert werden; entartete Weiber dürfen in München vor einem „ausgewählten' Publikum schamlose Tänze aufführen — aber Jesuiten bürfen bas christliche Volk in Kirchen nicht in der christliche» Lehre

Der neue Kulturkampf in Bayern

cT München, 30. Dez. 1911.

Die Bemerkungen der Zentrumspresse über tut« turkämpferischo Betätigung der baye­rischen Regierung auf dem Gebrete be$ Ordens« wesens (bergt ,Fuldaer. Zeitung/ Nr. 298) werden von der ,Kölnischen Heftung' als „schier unglaubliche Verdächtigung' der Regierung bezeichnet. Dieses ungläubige Verhalten liberaler Organe sehen wir als eine sehr bezeichnende Kritik der Staats« rettetet der Regierung an. Das, was wir ange­deutet hatten, stimmt nämlich durchaus. Den Jesuiten sollen nämlich in Bayern Predigten und Vorträge als Ordenstätigkeit ausgelegt und so unmöglich gemacht werden, ebenso die Teilnahme au „außerordentlichen Gottesdiensten'.

Der,Bayer. Kurier' vom 30. Dezember veröffent­licht zum Beweis folgenden Erlaß des KultuS« Ministeriums vom 4. August.

Hinsichtlich der Frage, welche Grenzen der Tätig­keit der Gesellschaft Jesu durch Ziffer 1 der Bundesrats-Bekanntmachung vom 5. Juli 1872 gezogen sind, wurde bisher in Bayern tu Uebereinftünmung mit der Praxis der übrigen größeren Bundesstaaten stets davon ausgegangen, daß lediglich das Lesen einer stillen Messe und die Abhaltung von wiffen- schastlichen oder leligiösen Vorträgen außerhalb kirchlicher Räume als erlaubt anzusehen sind, daß deswegen — von Notfällen abgesehen — jede seel­sorgerische Tätigkeit namentlich auch die Ab­haltung von Exerzitien (vergleiche hierzu Ministerial- entschlreßung vom 10. Juni 1873 Nr. 7791 bezüglich der damals als jesnilenverwandt belrachteten Kongre­gation der Redenrplortsten, Weber, Band 9, Seite 533) und die Nebernahme religiöser Vorträge in Kirchen in das Gebiet der verbotenen OrdenStäligkeit fallen, gez. Dr. von Wehner.

Die Mitteilung deS kultnsmtntsteriellen Erlaffes geschah mit folgendem Begleitschreiben:

Betreff: Vollzug deS JesuitengesetzeS: „Umstehend bringe ich einen Auszug der Entschließung d«S König!, bayerischen Kultusministeriums vom 4. August 1911 Mr Kenntnis, und ersuche, zulünstig dieser Enlschließung entsprechend handeln zu wollen. Zugleich mache ich auf die KultuSministerialentjchließung vom 20. Juni 1851 aufmerksam, wonach außerordentliche kirchliche Feierlichkeiten anmzeigen sind."

* Rang- und Titelverleihungen an Postbeamte. wiegen W«- iar«i aorr u«. In den Rang-, Titel- und Austellunqsvlrhältnffsen beiden sondern b r ach en d enBe r tra g[ unb öer» ■ ■ -- a~ — - 1 v hänselten mit den Sozialdemokraten, um gemeinsam

mit diesen Dr. Hertrich zu wählen. Den Sozinlbe- mofraten versprachen die Liberalen, bei der nächsten

Ein solches Vorgehen der Staatsgewalt in einem fast zu drei Viertel katholischen Lande hat sich nie» Viaud träumen lassen. Den Jesuiten ist die Aus­übung enter Ordenstätigkeit im Deutschen Reich verboten. Was ist denn „Ordenstätigkeit"? Messe­lesen? Nein! Denn jeder Priester muß täg­lich die HI. Messe feiern, das ist Pflicht und Charak­teristikum des Priesterstandes weltlicher und klöster­licher Art, hat aber mit der O r de n s tätigfeit gar« nichts zu tun. Kultusminister Dr. v. Wehner er- Härt aber, daß den Jesuiten nur das Lesen einer y -- --—o------ — —>-------->----

stillen Messe erlaubt sei. Auf Grund welcher Be- ‘ der deutschen Postbeamten rst eine Reche von Aen- stimmung? Weder im Jesuiwngesetz rwch ^ ber, ^uug^n erfolgt. In erster ^.ime ist den Ob e r,- mMratcn ompramen ore unxraien. oei ucr n«wuu Bundesrats-Verordnung vom Jahre 1872, noch in Post Praktikanten der Rang der fünften ,f h sarialdemokiatilcbe

der gleichlautenden bayerischen Ausführungsbestim- ! Klasse der höheren Beamten der Provinzialbehörden ■, * rocr^€il 'mth eine Hte

bont 6 September 1872 ift bUn bie Aebe. ßgber^n Len LLamt^Lk Ä

Wie kommt also der Kultusminister zu eurer solchen f Rangstufe etn, m der von höheren Postbeamten, ins- r.. -- - * * Fn swu Tmi« sie

(V.f.. । Intrh unm O-2y.i-♦ x < • s Sin sör 4^l)stdirekt0ren Up'ßPTT i uneinig gemacht. Nun kam die Auslösung desbaye-

Den Jesuiten lotrb vom Kultusminister auch die, und bte Mehrzahl bet Postbirektyren stehen. So- s Mnvember imb damit die

*.-C«,;«'‘--«I.ch-'M'.-:! °7LM».x-'L"-ÄXi6W&Ä*dm äj sagt. Diese Tätigkeit ist besonders schätzenswert bei. ters als „Postsekretar oder „Telegraphen ,~h h ... r.-,

allen Ordensleuten, weil das eine wirksame Förde-' fekretär" an Ober-Postassistenten, Postverwalter und : J S gotialbemofratim vlötz-

rung des christlichen Geistes im Volke ist Daßnian ' O^^L^phettassiste^ |un ' erkannten, daß der Bnufs-

dazu die Kirche und Nicht bas Wirtshaus wählt, fting Nicht abgelegt haben, UM zwei Jahre abgekürzt, , „„tuwiSin M hnh hie Ktndt micki

Versteht sich von selbst. Die Kirche ist bazn bet ein-»ß sie jetzt nut 18 Jahre seit her Anstellung be- bur-M meister notwendiz sei und baß die Stahl auty zige geeignete Ort, wegen bet inneren Sammlung trägt. Die Unterbeamte erhalten gleich nach des Menschen, wegen des Gegenstandes der Bespre- dem Bestehen der Prüfung für den gehobenen Dienst chung, der Heiligkeit des Ortes und nicht zuletzt auch den Titel „Oberposffchaffner" oder Ober-Leiiungs- wegen des eine größere Zahl von Menschen fassen- anfseher". Soweit sie noch nicht in gehobene Dienst- beit Raumes. Allein die Vortragstätigkeit der Je-stellen eingerückt sind, erhalten sie den Titel zum taiten in der Kirche ist vom Kuliusminister Dr. v.' 1- Januar 1912. Die etatsmäßige Anstellung der Wehner untersagt, die Jesuiten sind genötigt, Unterbeamte in gehobene Dienststellen erfolgt unter sie ins Wirtshaus zu verlegen. Und wenn man . Wegfall der bisher vorgeschriebenen Probezeit gleich «ach der gesetzlichen Unterlage eines solchen Vor- endgültig. Den unkündbar angestcllten Untcrbeam- gLhens fragt, so gilt das Gleiche wie beim Messelesen, ten, die die Prüfung für den gehobenen Dienst ab- Nichls davon steht im Gesetz und Verordnung, es gelegt haben, wird bei tadelfreier Führung bet Titel ist entsprungen bem eigenen Willen des Ministers. I „Ober - Postschaffner", „Ober - Briefträger" ober

Die Entschließung des Kultusministers Dr. v. „Ober-Leitungsaufseher" nach einer Gesamtbienstzeit

Wehner beruft sich auf die Praxis der g r v - , von 30 Jahren verliehen.

ßeren Bundesstaaten. Das ist aber ganz! Speyer, 28. Dez. 1911. Die liberale

falsch. In Preußen kannten die Jesuiten seit ,Unbul'ds amk ei t hat sich in bet Speyerer Be- Ende der 70er Jahre ungehrnbert ihre Vortrags- rufsbürgermeisterfrage wieder in Hellem Glanze ge= iätigfeit in bet Kirche entfalten. In Bayern zeigt. Bei der Stabtratswcchl vom November 1909 wars ganz ebenso. Wie oft haben in Münchener erhielten auf Grunb der Verhältniswahl bie Libe- Kitchen Jesuiten religiöse Borträge gehalten. Die raten 12, die Sozialdemokraten 9, bas Zentrum

Die lotter he§ Mannten.

33] Roman von Adele Böttcher.

Mit Widerwillen betrachtet Sonja zuerst das un­scheinbare braune Päckchen. Alles, was von „jenen Seutrn* kommt, erfüllt sie mit Abscheu und erregt ihr Mißtrauen.

Endlich entschließt sie sich doch zum Oeffnen.

Wie angenehm überrascht ist sie, als ihr eine Än- -abl engbeschnebener Mamiskriptbläfter entgegenla­chen — ihre Aufzeichnungen über ihren Aufenthalt ta Sibirien imb ihre Flucht. Während der letzten Lage, bie so entscheidend für ihr ferneres Leben wurden, hatte sie diese Artikel ganz vergessen.

Jchr erscheinen sie ihr wie ein Bote des Hirn- weis. Vielleicht, daß sie babureb imstande sein wird, ktwas zu ihrer Ausstattung beizutragen und auch »och eine kleine Summe für später zurückzulegen . . .

Daß sie anfangs beabsichtigte, bie ßungos damit »u bezahlen — daran denkt sie jetzt gar nicht mehr, eie hat mit ihrem früheren Leben gebrochen — ganz ünd gar. Was ans den Lunzos wirb ist ihr gleich­gültig; sie mag nichts mehr mit ihnen zu schaffen haben.

So denkt sie wenigstens.

Als Orlando sie am Nachmittag zum Spaziergang Molen will, entsinnt er sich des Pakets, das er der Geliebten gestern aus Fraseaft mitgebracht. Lä­chelnd fragt er, was eS enthalte; sicher Schmuck- ßegenstönhe ober ähnliche kleine Wichtigkeiten; er bei* Misse ohnehin in letzter Zeit bie Ringe an ihren Fin- gern.

Emst schüttelt Sonja ben Kopf.

„Nein, Geliebter. Ich werbe nie mehr Ringe tra- Km — außer bem einen, her mich mit dir am Hoch- Mtstage verbinbet, bis baß ber Tod uns scheidet.' . Jtarig küßt er ihr gesenktes Gesicht, bas in bie» Jem Augenblick wie verklärt erscheint von reinster Wftfofer Liebe.

Als er aber gleich darauf neben ihr «auf bem har» ten Sofa sitzt unb sein dunkler Kopf sich neben ihrem

golbblonden über das Manuskript beugt — da wird ihr doch ein bißchen Angst, was er sagen werde.

Gespannt beobachtck sie ihn . . .

Sie sieht, wie die fächelnde Ileberlegenheit in seinen Zügen ernster Aufmerksamkeit weicht, wie seine Mienen immer verwunderter, freudiger werden, wäh­rend feine Hände in fieberhafter Eile die Manuskript­seiten wenden. , .

„Beim Himmel, Sonja! Wo lerntest du das?" ruft er endlich voll Begeisterung, indem er ihre schmale, auf seinem Arm ruhmde Hand stürniisch an feine Lippen führt.

Sie lachr — ein junges, hoffnungsfrohes Lachen.

„Nirgends. Ich schrieb nur meine Gedanken und Empfindungen nieder.'

. „Aber der Stil? Es ist vollendetes Italienisch —"

„Mein Vater hat sich.große Mühe gegeben, mich Italienisch und Französisch zu lehren. Er sprach sechs lebende Sprachen mit gleicher Geläufigkeit."

„Wunderbar! Großartig!" ruft er aufs neue enthusiasmiert. „Noch heute bringe ich bie Artikel einem mir befreundeten Verleger. Nicht bet Tri­buna — nein. Eine Tageszeitung zahlt nicht genug. Du mußt bedenken, meta Lieb, wir sind ganz kleine Anfänger, bie darauf bebacht fein müssen, recht viel Geld zu verbienen!"

„Aber ich verstehe ja davon gar nichts, Orlando!"

„Ich werde dir helfen. Von jetzt an gebt unser Weg gemeinsam. Was ich erfirebe, ist für dich; was dich erfreut, ist meine Freude. Nichts darf mehr zwischen uns treten. Kein Gedanke darf auftauchen, ben nicht der andere sofort erfährt. O, meine Sonja — wie glücklich werben wir sein! Wie unaussprech­lich, wie namenlos glücklich!' —

Wie Orlando vermutete — ber ihr befreundete Verleger ist ebenso entzückt, wie er selbst.

Jubelnd stürmt er Tags darauf in Sonjas kleines Zimmer.

„Angenommen, Liebste! Slngenommen! Unter glänzenden Bedingungen! Mit bem 1. September er­scheint eine neue Monatsschrift: Neue Horizonte unb betae Flucht au5 Sibirien soll sie eröffnen. Der Verleger wollte bie ersten Kapitel gleich dort behal-

ten; aber ich habe sie wieber mitgenommen, um noch lwas dann herumzufeilen. Allerdings gab mir ber Mann ziemlich deutlich zu verstehen, ich möge nicht viel ändern; di- hier unb ba eingestreuten, etwas fnmdländischen Ausdrücke und Wendungen seien ori­ginell und verliehen dem Ganzen besonderen Reiz."

Mit glänzenden Augen härt Sonja zu.

„Später erscheinen dann bie Artikel, erweitert und ausgearbeitet, als Buch —* fährt er lebhaft fori — „dabei kann ich dir helfen."

„Ja, Liebster."

„Dein Bild kommt hinein unb deine Biographie —! Uebrigens — auch einen Tadel brachte er vor, ganz gerechtfertigt, wie mir scheint —'

„Nun?"

„Du beginnst gleich mit eurer Verbannung nach Sibirien und verschweigst oöllig den Grund dieser Verbannung!"

Jählings schießt Sonja das Blut zu Kopf. Sie hat den Gmnd absichtlich verschwiegen. Den wahren Grund durfte sie nicht sagen, und lügen wollte sie nicht.

„Ist das absolut notwendig?" stammelt sie.

„Bei der Veröffentlichung in den Reuen Hock- zontcn nicht, doch später zweifellos. Das Buch er­hält doppelten Wert, wenn bie politische Frage barin verflochten wird "

Sonja erwidert nichts. Wer eine Ahnung davon dämmert in ihr auf, daß die Vergangenheit sich nicht so leicht auslöschen läßt, wie sie gedacht.

17,

Vier Wochen später.

Am Arm ihres Gatten hält die junge Marchesa Sonja Eampanelli Einzug in ihr neues Heim in Frascati.

Die Trauung hat ganz im geheimen in der klei­nen Kirche auf ber Piazza in Fraseati stattgefinr- den — ohne daß irgend jemand aus dem großen FreundcSkreife des Bräutigams etwas davon wußte. Ja, selbst ber Marchese Silvio war im Unklaren über

ben genauen Tag, ebenso tote die Morganss, die seit einem Monat in der Schweiz weilen.

Als Sonja über die Schwelle des einstöckigen Häuschens tritt, da? wie eine verzauberte Rose in­mitten eines wirren, wildwuchernden Blumenrausches ganz versteckt baltegt — da ist ihr, als ob all ihre Träume von Ruhe und Glück sich erfüllt hätten.

Nichts an der übereinfachen Ausstattung — we­der die nichtigen Zimmer, noch die kunstlosen Mö­bel unb billigen Aquarellbilder — rechtfertigen ihr Entzücken. Wer es ist ihr Eigentum — ihr Heim. Der Hafen, in dem sie ausruhen kann nach ben Stür­men, bie ihr junges Lcben umtobten.

Auch Orlando ist glücklich.

Wenn er sich zuerst gefürchtet hatte vor der Enge und Dürftigkeit des Hänschens — Sonja lehrt ihn, gerade in dieser gedrängten Traulickkeit intime Reize finden, bie ihin etwas ganz neues sinb.

Er beginnt mit ihren Augen zu sehen: nie vorher erschien ihm der Himniel so leuchtend blau, die Sonne so strahlend hell, die zu seinen Füßen ausgebreitete Campagna so poesisverklärt.

Noch denken bie beiden glückseligen Menschenkin­der nicht ans Arbeiten. Sie feiern die „Flifterwo- chen" auf ihre Weise. Den ganzen Tag über durch­streifen sie die Campagna ober klettern die lorbeerum­säumten Bergwerke hinauf und kehren erst abends beim, beloben mit buntfarbigen Blumen unb grünem Gezweig, mit denen Sonja unter Lachen unb Scher­zen den Tisch schmückt, auf dem die alte Barbara bas einfache Mahl aufträgt, Vas zumeist aus Maccaroni ober Risotto ober einer ähnlichen billigen Speise besteht.

Und wenn bie beiden dann, hungrig vom langen Umherschweifen, munter drauflos essen und als wär* zige Beigabe innige Blicke tauschen oder einen ver­stohlenen Händedruck oder gar einen feurigen Kuß — dann glauben sie, im Paradiese zu sein, aus dem sie nichts vertreiben kann.

O goldene Jugendzeit! O Tage der Rosen! . . , ^Fortsetzung folgt.)