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Mdaer W Zeitung

z.parzrlttinMLa. wochenbellage: „Illustrierte Somüagzzettuug"

3 Jahrgang

Fulda, Dienstag den 2. Januar 1912.

Erstes Blat

M 1.

testen Slngriffsgelüste überwiegt.

das

Volk nach Schweizer Muster sowie die Revision des preußisch-hessischen Eisenbahnvertrags. Daß auch die Anregung auf weitere Steigerung der Einkommen­steuer wieder nicht fehlt, war von vorneherein zu erwarten; denn damit will man den niederen Volks­klassen imponieren, obschon eine über die preußischen und badischen Sätze hinausgehende Steigerung der hessischen Sinkommensteuersätze selbstverständlich un­ausfuhrbar ist. Die Nationalliberalen und Bauernbündler, ebenso wie der Freisinn haben sich bei ihren Anträgen und Interpellationen im All- gemeinen auf mehr lokale Wünsche und Anregungen beschränkt. Die Regierung hat neben dem Tll- gungsgesetz, das sich in der Hauptsache in den Bah­nen der auf dem vorigen Landtag gescheiterten Vor­lage bewegt, noch einige weitere Gesetzesvorlagen der Zweiten Kammer unterbreitet so eine Vor­lage über die Ausführung des ReichSvbchseuchmge- setzes, eine weitere über die Entschädigung für an Maul- und Klauenseuche gefallenes Rindvieh sowie eine Vorlage über die Mänderung deS Reichsimpf- gesetzeS. Der Finanzausschuß wird In den nächsten Wochen sich mit dem Staatsbudget und dem Tilgungsgesetz beschäftigen, das Plenum wird wohl erst Ende Februar zur Beratung dieser beiden Ge- sehmaterien zusammentreten. Gegen das TilgungS- gesetz und das von der Regierung neuerdings aber" mals geforderte Maß der Tilgung werden schon jetzt erhebliche Bedenken geäußert

Erscheint täglich nür Aurnahmt der Son» und Feiertage, vieriel- sSl,c?!cherVe;ugrpreis ohne Sringerlohn und VesteSgeld in 5»lda so­wie auswärts1 verantro. Redakteur: llarl Schütte;

Bekämpfung des Typhus in den Etat eingestellt. Später wurde der Betrag auf 200 000 Mark erhöht.

o° Darmstadt, 1. Jan. 1912. Zu Beginn des neuen Landtags haben die vorschiedenm Fraktionen der Zweiten Kammer zahlreiche Anrräge gestellt, die sich in zahlreichen Fällen auf Fragen beziehen die im Wahlkampf eine Rolle gespielt haben. Äbcr auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht sind dabei neue Anregungen aufgetaucht, die aller Voraussicht nach bei den kommenden Kammerverhandlungen zu scharfen Erörterungen zwischen den einzelnen Parteien Ver­anlassung geben werden, lieber die Anträge des Zentrums ist schon berichtet worden. Neben einer Reihe wichtiger volkswirtschaftlicher Fragen sowie Anregungen, welche sich auf die Beamtenfürsorge er­strecken, erregt der Antrag des Abg. Dr. Schmitt auf Beseitigung der Reste der kulturkämpferischen Ordensgesetzgebung allgemeines Interesse. Die Zentrumsfraktton verlangt mit Recht die Auf­hebung von Bestimmungen, die heute noch die freie und ungehinderte Tätigkeit der charitafiven und Lehr­orden beschränken und auch hinsichtlich bet Betätigung 'der Krankenpflege zwischen den beiden christlichen Konfessionen zweierlei Recht schaffen. Nachdem vor Jahrm Dank einer Verständigung der hessischen Re­gierung mit der Kurie für die katholische Kirche er­träglichere Zustände in Hessen geschaffen worden sind, gilt es nunmehr an die Beseitigung von Ausnahme- beslimmungen heranzutreten, die von bet katholischen Bevölkerung des Landes mit Unwillen als eine im» paritätische, ungerechte Behandlung empfunden wer­den. Es bleibt abzuwartm, welche Stellung dir Re­gierung diesen Anregungen gegenüber einnehmm wird. Die Sozialdemokratie Hai wieder ein reiches Füllhorn von Anträgen über die Volksvertre- tung auSgegosstn. Meist sind es alte Ladenhüter, die schon über ein Jahrzehnt ständig wiederkehren, aber als Paradestücke aufrecht erhalten werden, obgleich

än$tigen: Der Kaum einereinfv Solonei- $ eile, 47 mm breit, kostet ISpsgNk Der Raum einer Lo = tteljetie, 74 mm b -k, leitet 49 Pf a. Vei ID:-, detho'.itugen ilabc.t. zLr Sstett-n Lurinitst- «bjeigen 20 P,g. extra.

Rotetioiijsbtuä n. Verlag der Fnid er Aetiendrmkerei i.Jj;’ i Serefpredjer Nr. 9.

monatsbeuaee: „Fuldaer Geschichtsblätter"

fehlt es zunächst nicht an den Anregungen auf Tren­nung von Kirche und Schule, auf Entziehung der staatlichen Zuschüsse an bk Kirchengemeinschaften so­wie auf Maßnahmen in Bezug auf die Erleichterung des Austritts aus den Kirchen. Wiederkehren als alte Bekannte der Antrag auf Uebemvhme aller

Volksschullasten auf dm Staat, die Forderung bet Beseitigung der Ersten Kammer, der Uebemahme aller Armenlastm auf die Staatskasse: die Sozial­demokraten verlangen weiter die Beseitigung des Pluralwahlrechts und der Wahlrechtskautelen, die Einführung der Verhältniswahl im Staat und der Gemeinde, Beseitigung des Bestätigungsrechts der Regierung bei dm Wahlen der Bürgermeister und Beigeordnetm, die direkte Gesetzgebung durch das

Ausland.

** Neujahrstmpfang bei FallivreS. Gestern morgen fand bei dem Präsidenten FalliöreS der übliche Neujahrsempfang statt. Der Präsident hielt eine Rede, in bet er auf ben Krieg zwischen Italien und der Türkei hinwieS, und der Hoffnung Ausdruck gab, daß er bald erledigt sein würde. Tas diplo­matische Korps war vollzählig erschienen. Der englische Botschafter hielt alS ältester Vertreter des Korps eine Ansprache, in der er auf die neuen Schiedsgerichtsverträge hinwies, und dem Wunsche Ausdruck gab, daß bald alle internationalen Schwierigkeiten beseitigt sein werden. Präsident FallidreS antwortete, daß er sich den Wünschen des englifchm Botschafters anschließe.

*♦ Ein neuer spanischer Zolltarif ist am Sonntag veröffentlicht worden und bereits mit dem 1. Januar in Kraft getreten.

♦♦ Ein neues Kabinett in der Türkei. Infolge der Krisis in der inneren türkischen Politik ist das Kabinett Ccnb, als am Samstag bei der Beratung eines VerfaffungSartikels die Opposition obstruierte, zurückgetreten. Die Kabinettsküse hat aber zu einer Aenderung des Kurses in der inneren Politik des ottomanischen Reiche? nicht geführt. Die Jung- türken so gut wie ihre erbitterten Feinde, die Libe­ralen, müssen vorläusig ihre Parteiwünsche vor der Gefahr des Vaterlandes zurückflellen. Said Pascha, der unter den türkischen Staatsmännern die meiste Autorität besitzt, dürfte roentgfleuf, so lange bet Krieg anbauert, den Angriffen feiner persönlichen und sachlichen Gegner nicht erliegen. Er ist wieder zum Großvesier und derGroß- kadi des mohamedanischeu Kultus in Aegypten Nesstb Effendi zum Scheck ul Islam ernannt wor­den. Wie es heißt, werden bte meisten bisherigen Minister in das neue Kabinett Übernommen werden.

** Berlin, 1. Jan. 1912. Sine Denkschrift über die in t>m letzten Jahrm mit Reichsmitteln in An­griff genommene Bekämpfung bc6 Typhus wird dem neuen Reichstage bald nach feinem Zusammen" Iritte zugehen. Zum ersten Male wurdm im Jahre 1903 ReichSmittel in Höhe von 150 000 Mark zur

tanifchen Ziele den bescheidenen, aber sicheren Weg der diplomatischen Verständigung mtt der Pforte ge­wählt haben. Die rückschauende Kritik hat freilich jetzt keinen praktischen Wert mehr. Wir müssen mtt bet Tatsache rechnen, daß Italien sich in ein sehr laugivieriges unb verzweifelt kostspieliges Aben­teuer verstrickt hat. Auch bei günstigem Ausgang wirb es bie Aktionskraft Italiens in Europa auf absehbare Zeit lahmlegen.

Diese Sachlage ist fteilich für uns nicht gerade aufregend,' denn wir haben schon längst Italien als einen unsicheren Kantonisten im Dreibund be­trachtet. Daß Italien im Ernstfall mit Deutschland und Oesterreich gegen die Westmächte zu Felde ziehen würde, hat doch kein besonnener Politiker mehr ge­glaubt. Namentlich seit 1905 nicht mehr, als Ita­lien auf der Algeciras-Konserenz sich auf die deutsch­feindliche Seite schlug. Im Grunde genommen ist das gegenwärtige tripolitanische Abenteuer ja nur eine Frucht der damaligen Annäherung Italiens an die Westmächte. England und Frankreich hatten damals schon die Kompensation in Tripolis als Lohn

=< Die Jahresbilanz der Bündnisse.

Zweifellos hat die englisch-französische Entente im verflossenen Jahre eine Art Blüte­zeit gehabt. Während den Marokkoverhandlungen ist England mit einer Entschiedenheit, die wir als rück­sichtslos empfanden, für die befreundete französische Republik eingetreten, — die Londoner Liebesdienste haben in Paris eine so große Dankbarkeit geweckt, daß man sogar die nachfolgende Begünstigung Spa­niens gegenüber den französischen Wünschen den Engländern verziehen hat. Das Endergebnis ist eine engere Verbrüderung der beiden Westmächte, und zwar nutet steigendem Uebergewicht der e n gl i - scheu Seite.

Unserem Dreibund kann man ein ähnliches Aufblühen im verflossenen Jahre nicht nachrüh­men. Zwar ist das engere Bündnis der beiden mitteleuropäischen Kaiserreiche unverändert in der alten Festigkeit und Herzlichkeit verblieben; aber die Beziehungen zu Italien sind am Schlüsse noch Weniger einwand- unb zweifelsfrei, wie am Anfang.

Unsere offiziöse „Nordd. Allg. Zig." bemüht sich in ihrer Hochpolstischen Jahres-Rundschau redlich, um uachzuweisen, daß „die Bündnisse mit Oester­reich Ungarn und Italien dauernd die Grundlage der auswärtigen Politik Deutschlands geblieben sind"! Was sie an Tatsachen anführt, bezieht sich aber fast ausschließlich auf die Innigkeit des Ver­hältnisses zwischen Berlin und Wien. In Bezug auf Italien ist nur der stellvertretende Gratulations­besuch des deutschen Kronprinzenpaares zur italieni­schen Jubelfeier an^uführen. Daß Italien sich über diese Äufmerksamkelt besonders entzückt gezeigt hätte, kann man nicht sagen. Der überraschende Erobe- rungsseldzug der Italiener war für Deutschland nicht erfreulich und für Oesterreich-Ungarn gerade­zu unangenehm. Unsere Offiziösen suchen den Ita­lienern ein linderndes Pflaster auf die Wunden zu legen, welche die ersten abfälligen Kritiken dieses Unternehmens geschlagen haben. Sie preisen die militärische Tüchtigkeit Italiens, die sich glänzend bekundet haben soll in der präzisen und ruhigen Abwicklung des Mobilmachungs- und Transportgeschästes. Man kann ja zugeben,

Man tollkühnen Agitation der So»

zialdcrnokrcsten energisch für Müller-Fulda zu agttie» ren. — Als Wahlkreisvorsitzen dm wählte bie Ver" fammlung ben Gutsbesitzer Herrn Souchay in Künzell anb als dessen Stellvertreter Herrn Gttts- besttzcr L. H o m b u r g-Earolinenhof. Als Stell­vertreter Jbe8 Kretzvorsitzendchr für Fuldas Herrn Ph. Walber-KohlhauS, wurde Herr Landwirt Budde tn Johannesberg gewählt. Nachdem meh­rere Neuanmeldungen erfolgt warm, wurde der Wunsch laut, nach den Wahlen im hiesigen Wahlkreise mehrere AufilärungS-Verfammlungm abzuhalten. Zweifellos ist durch' diese Versammlung die Bun­des fache in hiesigem Wahlkreise wesmtlich geförbert worden.

II Salmünster, 31. Dez. 1911. Man schreibt uns: Heute Nachmittag fanb hier eine rote Wahlver­sammlung für Salmünster utti> Umgegend statt. Die katholischen Männer von Salmünster unb Um­gebung, die sich für zu gut erachteten, um sich von den Religions- und Vaterlandsfeinden etwas vor" machm zu lassen, bankten jedoch für die „Ehre" der Einladung. So fanb sich beim in einem Lokale außer­halb der Stabt — ein Saal war ihnen nicht zur Ver­fügung gestellt worben — nur ein kleines Häuflein Mannen ein, deren rote Färbung schon längst satt­sam bekannt war. Für Salmünster speziell lvar bie Versammlung von groß-m Wert, insofern der soge­nannte Bürgerverein endlich die Maske eines neutralen Vereins abwarf und sich als sozialde- mokratlschi! Vereinigung entpuppt?) denn bie Teilnehmer der Wahlversammlung aus Salmünster gehörten sämtlich diesem Vereine an. Es wird dem in seiner „neutralen' Ehre so empfindlichen Bürger­verein jetzt also nicht mehr möglich fein, im Trüben zu fischen unb zu dmfenigen Mitgliedern des Vür- gervereins die sich aus Unkenntnis des wahren Sach­verhalts sich ihm anzeschlossen, haben wir das Ver- frauen, daß sie ben Mannesmut besitzen, ihren Aus­tritt zu erllären.

Wahlkreis Hünfeld-Hersfelb Rotenburg.

□ Michelsrombach, 1. Jan. 1912. Der Kandi­dat der Zentrumspattei Herr Amtsglrichtssekretär Drinnsnberg hielt hier Sonntag nachmittag eine gut besuchte Wahlversammlung ab, in dex außer ihm noch Herr Pfarrer Ra u s ch, der den Vorsitz führte, und von Fulda die Herren Kaufmann O. Schmitt. Bankvorstand G. Singer und Bank­beamter F. Enders sprachen. Die Zcnirumsan- gehörigen haben sich in der Versammlung neue Be­geisterung für ihre Partei geholt.

♦ Herbstem, 80. Dezent' er 1912. Gestern abend fanb radier eine Wahlversammlung statt, in welcher der seitherige Reichstagsabg. Fritz Bindeivato vor einer sehr zahlreichen Zuhöretichaft über seine Tätigkeit im Reichstage, besonders über die Finanz« reform, Bericht erstattete. Er wies in gebührender Weise die Angr ff« zurück, die von den gegnerischen Parteien auf seine Person erhoben werden. Die Anefütrnngen des Herrn Bindewa b sanden all­gemeine Zustimmung.

in Aussicht gestellt.

Die hochpolitische Moral in der Jahresgeschichte ist also bie: Dem englisch-französischen Bündnisse, das sehr lebenskräftig dasteht, haben wir nichts an­deres entgegenzustellen, als die d e n t sich - ö ster- reiche Solidarität. Ans die italiensche Hilfe können wir uns nicht verlassen, müssen vielmehr schon sroh sein, wenn Italien nicht mit Oesterreich Händel anfängt. Rußland ist in seinem ge­schwächten Zustand nicht besonders gefährlich, und nach den Potsdamer Verhandlungen im vorigen Jahre, die im letzten August zu dem Abkommen über Persien geführt haben, darf man Wohl annehmen, daß Rußland keinen Streit suchen wird. , Das gibt noch nicht die Sicherheit, daß Rußland sich untätig verhalten würde, falls England unb Frankreich auf uns losschlügen. Es kommt also schließlich alles barauf an, ob bte vereinigte Wehrmacht Deutsch­lands und Oesterreichs ansreicht, um das ganze übrige Europa im Schach zu halten. Und diese Frage dürfen wir Wohl bejahen, nachdem sich im Sommer wieder einmal gezeigt hat, daß der Respekt vor unserer Wehrmacht schließlich auch bie lebhaf-

veutsches Reich.

** Neujahr am Kaiserhofe.

Den Beginn ber Neujahrsfeier am kaiserlichen Hofe bildete auch in diesem Jahre das große Wecken. Der Kaiser und die Kaiserin trafen um 9% Uhr im Schlosse ein, vom Publikum mit Hurra­rufen begrüßt. Um 9% Uhr empfing der Kaiser den kommandierenden General des 18. Armeekorps, General der Infanterie v. Eichhorn, und den Generalkapttän der Haustruppen, Genial der Ka­vallerie v. S ch o l l, im Sternfaal und verlieh beiden den Schwarzen Adlcrorden. In der Schwarzen Adler-Kammer nahm das Kaiserpaar bann die Glückwünsche des Königlichen Hauses entgegen, im Kapitelsaal diejenigen der Hofstaaten. Um 10 Uhr begann in der Schloßkapelle der feierliche Gottes­dienst. Hier versammelten sich u. a. der Reichs­kanzler und die obersten Spitzen der Beamten unb des Militärs. Nach dem Gottesdienst begab sich das Kaiserpaar nach dem Weißen Saal zur Ent­gegennahme der Gratnlations-Dcfiliercour. Der Kaiser reichte hierbei dem Reichskanzler unb deut anwesenden Präsidenten bezw. Vizepräsidenten des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses die Hand. Rach der Cour nahm der Kaiser die Glück­wünsche der Botschafter entgegen, darauf die des Staatsministeriums und empfing bann bie kom­mandierenden Generale und Admirale. Der Kaiser empfing ferner den von Tripolis zurückgekehr- ten Major Wilckens und nahm die Meldung des amerikanischen Marineattachees Nidlas entgegen. Die Kaiserin empfing im Königinnenzimmer die Botschafter und später im Pfeilettaal die Für­stinnen. Um 12% Uhr begab sich der Kaiser zu Fuß nach dem Zeughaus zur Paroleausgab e unb nahm bort militärische Meldungen entgegen. An der Frühstückstafel im kgl. Schloß nahmen u. a. Prinz Ruprecht von Bayern und Herzog Albrecht von Württemberg teil.

** Der preußische Etat.

Während es bisher üblich war, daß der preu­ßische Etat erst mit der Etatsrede des Finanzmini­sters im Abgeordnetenhause vorgelegt wurde, bringt die „Nordd. 'Allg. Ztg." schon jetzt eine ausführliche Uebersicht über den preußischen Haushaltsetat für 1912.

Der neue Etat für 1912 schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 4,30 Milliarden gegen 4,08 Milliarden des laufenden Etats. Zur Herstellung des Gleichgewichts ist eine Anleihe in Höhe von 19 Millionen vorgesehen, gegen 29,9 Millionen im Vorjahre. Zur vorübergehenden Verstärkung der Betriebsmittel der Generalstaatskasse sind tote im Vorjahre Schahautoeisungen bis zu 100 Millionen vorgesehen. Formell hat der Etat in mehreren Punkten eine Umgestaltung erfahren. Die preußische Staatsschuld beträgt 9,4 Milliarden, das sind 103 Millionen weniger als im Vorjahr. Die diretten Steuern sind mit 18,6 Millionen gegen das Vor­jahr höher angesetzt. Bei der Eisenbahnverwaltung wird im ordentlichen Etat auf eine um 149 Mil- lonen höhere Einnahme gerechnet. Die dauernden Ausgaben der Justizverwaltung werden um 36,4 Millionen erhöht.

Ueber die einzelnen Neuforderungen im Etat enthalten die bisherigen amtlichen Mitteilungen noch keine Angaben.

Wahlkreis Fulda-G-rsstld Schlüchtern.

£ Tine Anzahl Zentnimswählervexsammlungenim Krci.e Fulda, die am 31. Dezember und 1. Januar flat fanden, leiteten bie Agitation für bie bevor« stehende Reichstagswcchl ein. Ueberad dichtgefüllte Säle, in manchen Orten hatte die treue Wählerschar sogar in ben Gängen m b auf den Treppen Posto gefaßt: ein rühmliches Zeugnis der Dankbarkeit Utto des Vertrauens zu dem oielgeschmähten Zentrum, Nickt minder auch eine herzliche Vettranenskunb« gebv.nq für unfern allverehrten, in 18jähriger er« kolareicher parlamentarischer Tätigkeit bewährten Saitoioateit Richard Müller-Fulda. Die Aus- führungen bet einzelnen Redner wurden mit Wärme und Begeisterung ausgenommen, unb es zeigte sich eine Zentrumsfreudigkeit, bie uns mit Mut unb Zuversicht dem Wahltage entgegensehen läßt. Wit lassen nnNntehr kurz bie Berichte aus den ver- sch ebenen Versammlungsorten 'olgen:

V In Flieden behandelte Redakteur Weßler die beid:n Themata „40 Jahre Zentrum" und „Was steht bei ber Rrichslagswahl 1912 für uns auf dem Spiel?" Heizer Stadtv. Karl Reith beanlroorlcte die Frage: „W-rum bekämpft die Sozialdemolrali« die Neichsver- sichcrmigsordnlmg und itnfeie Wirtfchaftöpolitit?" Pfarrer Winter ermunterte zu vollzähliger Beteili­gung an der Wahl und zu einmütiger Wiederwahl unseres seitherigen Abgeordneten Richard Müller. — In Salzschlirf und Hilders begründete Richard Müller-Fulda die Notwendigkeit der Nttchsvcrsiche- rungsordnung; außerdem sprachen in Salzschlirf Lehrer Thielentann, Dr. med. Becker, Drogist Henrich und Betwaller Schöpf. In Hilders rcbeie außer dem Genannten Pfarrer Breitung-Hildets, Dechant Schuaus-Bnttcn, Pfarrer G o 1 d d a ch - Simiuers- hausen und P. Ivo aus Mariannhill, ein geborener Hilderser, der zurzeit auf einer Missionsreise nach Eng­land begriffen ist. — I» Horas betonte Pfarrer Haus­mann die außerordentliche Wichtigkeit der bevorstehen­den Wahl und legte den Wählern die Pflicht ans Herr, Einfl mutig unseren seitherigen Reichstagsabgeordneteit wiederzuwäble . Schreiner Piock würdigte die Ber- bienfte des Zentrums um die Bersichetungsgesehgebung, Während Herzet Staviv. Karl Reith die Alles- ober Nichrspolittk der Sozialdemokratie charakterisierte. — In Maberzell hob Pfarrer Dr. Kircher die Bedeutung der bevorstehenden Wahl hervor. Heizet Stabil). Karl Retlh sprach über das Zentrums-Jubiläum, Schreiner Piock über „Freihandel und Schutzzoll" und Reith jr. widerlegte das wzialdemottatische Flugblatt: „Wer ist Schuld an der Teuerung?" — In EckwttSbach sprachen SatUermeiÖer R. Atzett, Kaufmann C. Schmitt, Redcrlteur K. Schütte, Bäckermeister Franz Jestädt aus Fulda um Herr Reinhardt -Mauer schell. Es wurden alle Fragen ' behandelt, die bei der bevorstehenden Wahl im Vorder­gründe stehen. Herr Pfatter Atzrtl, obwohl leidend, entfi immte die Versammlung durch das Feuer seiner Begeisterung. — In Kerzell entkräftete bet erste Redner die Vorwürfe, bie von den Gegnern des Zentrums wegen der Reichsfinanzreform erhoben werden, ent­hüllte das wahre Gesicht der „vollsbeglücken en" So­zialdemokratie und würdigie die Verdienste unseres leit« bergen Reichslagskandidaten R. Müller. Redakteur Kramet-Fulda ries die Anweievden zur Ausübung des Wahlrechts auf, unter Hinweis auf bie hohen wir!« schriftlichen und kulturellen Güter, die am 12. Januar auf dem Spiele stehen. Weingroßhändler Eduard Schmitt-Fulda kennzeichne!« die Gefahren, die der katholischen K tche insbesondere und dem Cliti entum Übeihaupt von denjenigen Parteien drohen, die am 12. Januar gegen Rechte und Zenit um nnstürmen wollen. Der durch den Hinweis auf lokale Verhältnisse unter­stützte Appell dcs Versammlungsleiters zur einstimmigen Wall des Herrn R. Müller sand begeisterten Widerhall. — In der in Hattenhof abgehaltenen Wähler- Versammlung führte Herr Psarier Schick d n Vorsitz. Die Ausführungen über Finanztesotm, sozialdemo­kratische Agitation und über die Verdienste unseies Reichstagskandidaten R. Müller fanden bei den Zu­hörern lebhaftesten Beifall. Weingroßhändlcr Eduard Schmitt-Fulda sprach über den Schutzzoll und zog für den Zentrnmsmann die Folgerungen aus den überaus traurigen Ereignissen, die tut In- und Aus­land« von kirchenfeindlicher Seite hervorgerusen worden sind. Bankbeaniler Fr. Enders-Fulda kennzeichnete kurz, aber überaus klar und b.stimm', die Wichtigkeik der christlichen Presse. Redaklenr Krarner-Fnloa wan le sich an die Jnngmannschaft, deren Begeisternng allein auch für die künftigen Zeilen bie Zenlrumssache zum Siege führen könne. Herr Pfarrer Schick brachte ein Hoch auf den Zenlrumskaiididalen Richard Moller aus, in das die Peijanimlong freudig einslimmte. — In der Versammlung in Hofbieber, der in Verbin­det nag des Pfatters No 1 Dr. meb. Seubert präst- bieilesi legte Fabrikant Plappert jr. aus Fulda die Noiiveubigleit eines starken Zenlxmns int Kampfe gegen Liberalismus unb Sozialdemokratie dar. Amlsgerichtc- tal Ahtel-Fuk a sprach über „Zentrum und Reichs- fin.v zreform". Zimmermeister Stadtv. Ftitz-Fulda zerpstuckte da§ sozialdemokratische WahlflugblaN: .Wer ist schuld an der Teuctuna?" Jngcmear F..Schne id er- Fuida wandle sich mit ei em Appell an die Versammelten, am 12. Januar mutig ihre Pflicht zu tun. — In Wehhers sprach Herr Bolksvereinsfekretär Frank- Fiild-a über die bei der diesmaligen Reiche tägswahl im Rfcrbergrutib ber Erörterung s!e enden Fragen.

B Fulda, 30. Dez. 1911. Am heutigen Sams- tag fand hier unter Beteiligung von 20 Vertrauens- ttiännern des Bundes der Landwirte aus dem Wahlkreis; „Fulda-Äersfeld-SchlüchtcDn" eine Versammlung statt, welche Stellung zum Verhalten ber Bundesmilglickder bei den nächsten Reichstags­wahlen nahm. Aus allen drei Kreisen waren Ver­treter erschienen, den n der Geschäftsführer für Kur­hessen, Herr Buhl,.die politische Lage im ganzen Ne- tzlerunzsbezirke und speziell int hiesigen Wahlkreise vuscinander setzte. Die lobenswerte Haltung des Zentrums in. vielen Wahlkreisen, dirctt den Rechts- fanbibaten ohne besondere Gegenleistung im ersten Wahlgange zu unterstützen fordere hier zweifellos dieselbe TEik oonsetten des Bunb.s. Mchrere Ver-

' auch die Antragsteller über die Unburchführbarkeit ber '* Vorschläge längst im Klaren sein sollten. Natürlich

trauensmännec sprachen sich in ber eingehenden Aus" spräche durchaus für dieses Verhalten auS, ja man muHe diesmal peinlichst vermeiden von der rechten bette eine Gegenkandidatur zu bringen. E i n« ftimmi g wurde alsdann beschlossen, gleich im ersten Wahlgange für den feitfjerigen Abgeordneten Mül" lrr-Fulda einzutreten und bie konservative ...........

Parteileitung höfl. zu bitten, das Gleiche iu tun! I geschehen« jo

daß die Italiener von den Vorteilen, die ihnen die freie Wahl des Zeitpunktes zum Losschlagen bot, Gebrauch gemacht haben, um die ersten Schritte recht frisch unb flott zu machen. Aber bann kamen auch gleich bte Zweifel unb Bedenken. Der Vor- toß von Prevesa war eine politische Ungeschick- ichkeit. T)aS anfängliche Verttaueu auf die Araber n Tripolis war eine milttärische Unvorsichtigkett, die sich durch die Nackenschläge in der Umgebung von Tripolis empfindlich gerächt hat. Der Haupt­fehler war aber bet, baß man sich bie Schwierig­keiten beS Vorbringens fit baS Innere von Trips- litanien nicht, vorher klar gemacht hatte. Wäre bat geschehen, jo würde nut* vtelleuht zn bem tripoli»