unter Mitnahme aller Kleidungsstücke und Geldbeträge seiner Stubengenosten, deren er habhaft werden konnte, entfernte. Die Anklage beschuldigt ihn in sieben Fällen des einfachen und schweren Diebstahls, die er alle mittels Einlogirens begangen. Er blieb gewöhnlich Morgens beim Weggang der Stubengenossen unter irgend einem Vorwand auf dein Zimmer oder kehrte im Laufe des Tages dahin zurück und leerte dann Koffer und Schränke, verschmähte auch nicht, mit einer Feile, die ihm bei seiner Verhaftung abgenommen wurde, ihm vorkommende verschlossene Behältnisse gewaltsam zu erbrechen und zu leeren.
Der Angeklagte leugnet nur das Erbrechen zweier Koffer und die Beweisaufnahme ergibt, daß der wandernde Schläfer Solero die Natur des asiatischen Wandervolkes herausgekehrt und die Langfingerei gewerbsmäßig betrieben hat.
Dec Vertreter der Staatsanwaltschaft plaidirt für ein „Schuldig" bezüglich aller Fälle unter Ausschluß mildernder Umstände, während der Vertheidiger um deren Zulassung bittet.
Die Geschworenen erkennen den Angeklagten in allen Fällen ohne mildernde Umstände für schuldig und verurtheilt der Gerichtshof denselben zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten und Zulässig- s keit der Stellung unter Polizei-Aufsicht.
Frankfurt, dm 15. März 1875.
In den letzten Wochen, namentlich aber am letzten Sonntage war der Besuch der Stâdel'fchen Gallerie ein so zahlreicher, daß der Zugang zu einigen Sälen vollständig unmöglich war. Die große Menge drängte sich in und nach dem „Huch-Saal" um die in letzterem ausgestellten sechs colorirten Cartons von Leopold Bode, des talentvollen Schülers Steinle's, zu sehen. Dieselben illustriren die schöne Sage von der Geburt Carls des Großen, die Sage aus der Jugendzeit des großen Kaisers, sowie die romantische Liebesgeschichte zwilchen des Kaisers Töchterlein Emma und seinem Biographen Eginhard in je einem größeren und zwei kleineren Cartons. Dieselben sind mit einer Innigkeit aufgesaßt und mit einer Zartheit ausgeführt, wie wir sie an Bode's Werken stets bewundert haben. Die Cartons sind Eigenthum des Hrn. von Erlanger und für sein Gut Ingelheim, dein Schauplatz der zur Darstellung gelangten Sagen, bestimmt. Wünschenswert!) wäre es, wenn die schönen Bilder, ehe sic an ihren Bestimmungsort abgehen, noch einige Zeit an einem Ort ausgestellt würden, wo sie der ruhigeren und ungestörteren Beschauung zugänglicher wären, wie dies in einer perma- neten Ausstellung möglich ist.
Herr Professor Stein le hat am Sonntag den 14. d. Mts. sein 25jähriges Jubiläum als Professor am Städelstchen Kunst-Institut begangen. Am Vorabende brachte ihm der Künstlerverein durch die Militaircapelle des 81. Infanterie-Regiments ein Stätwchcn und überraschte aus diese Weise den nichts ahnenden Meister, der in dem ©iauben lebte, daß das Jubiläum in den Anfang des Monats April falle. Ani Sonntag war der Hof des Städel'schen Institutes,, der Eingang zu des Jubilars Atelier, sowie dieses und die auf bev Stafflet stehenden Bilder mit Lorbeer- und Oleanderbäumen und Kränzen geschmückt. Ueber der Thüre des letzteren hatten die Schüler Steinlès ein sinnreiches Gemälde angebracht. Die Administration und der Künstler-Verein, worunter zahlreiche Schüler des Meisters, brachten dem Jitbilar ihr e Glückwünsche, der Künstlerverein unter Ueberreichung eines silbernen Lorbeer- kranzes, bar. Herr Maler Klinisch hielt dabei eine Ansprache an den Meister. Mitwoch Abend findet zu Ehren desselben ein Festbankett im Palmgarten statt.
Für den Branddirector Aßmann wird jetzt eine Wohnung in de: ehemaligen Turnanstalt hergerichtet.
In Folge des günstigen WasserstandeS traf gestern das erste Schlepp- boot der hiesigen Schleppschifffahrts - Gesellschaft an der Eisenbahn- brücke ein.
Ende verflossener Woche wurden am rothen Hamm zwei Fischottern, welche in Folge des hohen Wassers aus ihrem Bau vertriebe: waren, geschossen. Die eine wog 26, die andere 19 Pfd.
In einem Felde bei Oberrad, mit Erbsenstroh zugedeckt, wurde: 186 Servietten, welche von dem zum Nachtheil der Wirthe im zoologischen Garten verübten Diebstahl herrühren, ausgesunden.
Der Schwurgerichtshof hat bis gestern 34 Jahre 3 Monate Zuch! Haus, 7 Jahre 10 Monate 21 Tage Gefängniß und ! 1,000 Mark (Selb strafe erkannt In zwei Fällen ist Freisprechung erfolgt.
In dem ant künftigen Freitage stattsindenden 12. und letzten Mus' e u m s c o n c e r t e kommen zur Aufführung die Ouvertüre zur Genoveva von Schumann und die 6-nroII-Symphonie von Beethoven. Als Solf ften werden uns genannt: Herr Wilhelmy (Viotinconcert von Rubinstein) und Herr Gura von Leipzig (Dichterliebe von Schumann).
Heute findet die 34. Prämien-Ziehung der Frc. 10-Loose der Stadt Mailand von 1866, statt. Der höchste Preis beträgt Frc. 50,000, der niederste Frc. 10. Erhebungstag 15. Juni 1875.
Der Präsident der PolytechnischenGesellschaft, Herr Dr. Sauerländer, feierte heute seine silberne Hochzeit. Eine Deputation obiger Gesellschaft deren Mitglied der Jubilar ebenfalls bereits seit 25 Jahren ist, überreichte ihm unter herzlichen Glückwünschen als Ausdruc. der Anerkennung seiner langjährigen verdienstvollen Wirksamkeit für bi. Polytechnische Gesellschaft einen silbernen Pokal.
Am Samstag verstarb Hr. Berninger, ehemals langjähriges Mitglied des gesetzgebenden Körpers und Senior des deutsch-katholischen Gemeindevorstandes. Derselbe war einer der Ersten, welcher, der im Jahre 1845 begonnenen freireligiösen Bewegung durch den Beitritt zur hiesigen deutsch-katholischen Gemeinde offen sich auschloß.
Der am Samstäg Abend im Saalbau stattgehabte Bierbrauerball ist glänzend verlaufen. Fast sämmtliche Groß- und Kleinbrouer wohnten mit den Familien dem Feste bei.
Im zoologischen Garten wurde ein Bison geboren.
Frankfurter Productenmarkt.
Warzen war am heutigen Markte auf bessere auswärtige Bericht: hin etwas angenehmer, ohne jedoch zu einer bemerkbaren Preisbesserunc zu kommen. Man kaufte heimische Qualität mit Mark. 20, 15—20. 85, loco Wetterau mit Mk. 20. 80, 21. 25. hier überliefert; sranzöfischer galt Mk. 21. 20. — Nordischer ohne Umsatz, da nicht billig genug.
Roggen ohne Aenderung.......Mk. 17.40—17.90 Gerste behauptet ....... Braugut „ 17.75—19.— r , Mahlgut „ 15.50-16- Hafer angenehm,..........„ 18.50-19.05. Alles per Netto 100 Kil. nach Qualität.
Mehl matt und gefchästslos, obwohl etwas höhere Forderungen vorlagen.
Rüb ö l ruhig, per 50 Kilo Mk. 30. —
kfurter Viehmarkt. Angetrieben waren:400 Ochsen, 290Kühe, Kalber und 400 Hämmel Die Preise stellen sich: Ochsen 1. Qua- jUâl Mh 29 W. 2 Qual. 51 bis 54 Mk. 86 Pf., Kühe 1. Qual, al Mk. 4o Pfi, 2 Qual. 48 Mk., Kälber 49 Mk. 71 Pf bis 51 Mk. 4o Pf., Hammel 54 Mk. 86 Pf., 2. Qual. 44 Nik. 57 Pf. bis 48 Mt.
J . Fleischpreise des Metzgerhandwerks.
22 kr. Kuh und Rindfleisch 18 fr. Hammelfleisch 20 kr. Kalbfleisch 20 kr. Schweinefleisch mit Zugabe 22 kr.