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noch zu wünschen übrig läßt. Die Dame möge sich darum namentlich vor einer gewissen Hast im Vortrage hüten, die dieses Mal vielleicht aus Befangenheit entsprang. — Herr Gustav Aschaffenburg zeigte sich, wie kürzlich in den Lucca- Concerten, wieder als ein vorzüglicher Begleiter.

Die neue Operrette: „Cagliostro in Wien", Musik von Johann Strauß, Text von Richard Genee und F. Zell, hat am Sonnabend in Wien einen glänzenden Erfolg errungen.

Ambroise Thomas ist vom dem Comite für die Feier des hundersten Geburtstages Boildieu's in Rouen gebeten worden, die Komposition der Festcantate zu übernehmen, und hat zu- gcsagt. Der Text der Cantate existirt vorläufig noch nicht.

Mannichfaltiges.

Unter der Herrschaft der Commune waren in Paris eine Anzahl werthvoller amtlicher Documente vom Feuer so beschädigt worden, daß die Blättsr der einzelnen Bände eine homogene Masse bildeten, welche einem verkohlten Holzblock ähnlich war. Beim vorsichtigsten Versuche die einzelnen Blätter, welche wie zusammengeklebt erschienen, zu trennen, zerfielen dieselben in Staub. Herr Rathelot schnitt die Rücken der das Buch bildenden Bogen durch, so daß die einzelnen Blätter keinen Zusammenhang mehr hatten, tauchte das Ganze in Wasser und setzte es an der Oeffnung eines Calorifere einer ziemlich starken Hitze aus. Durch das rasche Verdampfen des Waffers lösten sich die einzelnen Blätter und konnten nun mit Vorsicht von einander getrennt werden. Die Schrift sah matt, das Papier glänzend aus und das Ganze hatte das Aussehen von Sammetverzierungen auf fchwarzem Atlasgrunde, fo daß das Ablesen der Schrift ohne besondere Mühe von Statten ging. Die einzelnen Buchseiten wurden sofort abgeschrieben und die Abschrift durch einen anwesenden Beamten beglaubigt. Es gelang so, gegen 70,000 solcher Documente zu retten.

Paris. Das Evenement bringt nachstehende Mitthei­lung, für welche wir dem genannten Blatte die volle Verant­wortlichkeit überlassen müssen. In der Nähe von Paris wurde in der Nacht vom 1. zum 2. Januar ein bereits bejahrter Arzt zu einem Kranken gerufen. In Folge des Glatteises fiel derselbe so heftig auf den Rücken, daß er die Besinnung verlor. Bei dem geringen Verkehr in der Nacht blieb der Arzt mehrere Stunden liegen, bevor man ihm zu Hülfe kam. Der Versuch ihn aufzurichten, gelang erst nach vielen vergeb- lichm Bemühungen. Die Kleider und die Haut des Unglück­lichen waren am Boden festgefroren, und die geschundene Stelle verursachte die heftigsten Schmerzen. Einer der Anwesenden kam nun auf den Gedanken, das Fell eines frisch geschlach­teten Lammes auf die wunde Stelle zu legen, aber als man später diese neue Art von Verband entfernen wollte, zeigte es sich, daß dies nur mit Hülfe einer Operation möglich sein würde, wogegen der Arzt indessen entschieden protestirte. Man überließ ihn daher seinem Schicksale. Jetzt ist die Stelle fast vollständig vernarbt, das Lammfell hat seine ganze Lebens­fähigkeit wieder gewonnen und die Wolle wächst fort. Eine große Anzahl von Gelehrten hat sich von dem Factum bereits

überzeugt und wird sich der betreffende Arzt demnächst der Akademie vorstellen.

Neisse. Ein kürzlich auf der Eisbahn unterhalb der Berliner Neissebrücke vorbereiteter Eiscorso wurde durch ein sehr bedauerliches Unglück unterbrochen. Das Vergnügen sollte durch ein im großem Stile gehaltenes Feuerwerk gesteigert werden. Während zahlreiche Festtheilnehmer über die Eisfläche dahin fuhren und die Musik lustige Weisen spielte, explodirten drei mit Feuerwerkskörpern gefüllte Kisten unter furchtbarem Knall. Von den in der Nähe sich befindenden Soldaten ver­unglückten neun; 3 sind leicht, 6 schwer verwundet. Die letzteren haben sehr schwere Brandwunden am ganzen Körper; der Kopf ist unförmlich angeschwollen, das Gesicht gang entstellt und ge­schwärzt. Das Jammergeschrei war ein entsetzliches. Einer der Unglücklichen, dessen Uniform unter dem Mantel brannte, lief von Angst getrieben, 10 bis 12 Schritte weit, als der Oberst von Unger den Armen umfaßte, in den Schnee legte und die Flammen löschte. Sämmtliche Verwundete wurden in das Lazareth überführt. Wodurch die Explosion veranlaßt, hat sich bis jetzt nicht herausgestellt. Wahrscheinlich ist sie durch Funken einer Rakete oder durch eine in der Nähe be­findliche bengalische Flamme herbeigeführt.

Wie die Kieler Ztg. mittheilt, ist der Norddeutschen Schiffbauactiengesellschaft in Gaarden die Bauausführung eines Raddampfavisos, welcher zugleich als kaiserliche Jacht dienen soll, von der Admiralität übertragen. Sämmtliche Pläne, Constructions- und Einrichtungszeichnungen sind aus dem Schiffsbauressort der Kaiserlichen Admiralität, welches unter der kundigen Leitung des Admiralitätsrath Koch (dem Read der deutschen Marine) steht, hervorgegangen, wie überhaupt alle Kriegsschiffe unserer Marine daselbst entworfen werden. Die Kaiserliche Jacht wird aus Eisen inländischen Fabri­kats erbaut und an Dimensionen Länge 280 Fuß, Breite 34 Fuß erhalten, mit einer 3000 indicirter Pferdekraft leistenden Maschine versehen werden und sowohl was Eleganz der Formen, Einrichtung wie Ausstattung und Schnelligkeit anlangt, ihren ZUeck würdig erfüllen können.

Bern. Laut amtlicher Erhebung sind im Canton Grau­bünden im verflossenen Jahre 918 Gemsen, 4 Bären und 18 Steinadler geschossen worden. Die meiste Beute an Gemsen lieferten die Bezirke Albula (116), Maloja (ebenfalls 116) und Inn (184). Von den 4 Bären wurden 3 im Bezirke Inn, 1 im Bezirke Moesa geschossen. Die 18 Adler ergaben sich aus den Bezirken Im Boden, Oberlandquart, Alhula, Moesa, Vorderrhein, Maloja und Inn. Die höchste von einem Jäger erlegte Zahl Gemsen war 16’; dabei ist zu bemerken, daß die gesetzliche Jagdzeit nur 4 Wochen (September) ist. Im Jahre 1873 wurden 696 Gemsen und 4 Bären erlegt; 1872, wo die Jagdzeit noch 6 Wochen" war, 763 Gemsen und 3 Bären. Das Jagdresultat des letzten Jahres war also ein bedeutend günstigeres, was unzweifelhaft der größeren Schonung zu verdanken ist.

Wir müssen den Herrn Einsender um Nennung des Namens ersuchen. Anonyme Mittheilungen dürfen wir nicht benutzen. Die Redaction.