AnteNigenz-B latt
der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
t ' Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
Xs. 23. Donnerstag den 28. Januar 1875.
L. — -— . : ..-
AeberblicK der Ereignisse im Gebiete brr
-i politischrn und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 28. Januar.
Se. Maj. der Kaiser empfing gestern Mittag 1'/, Uhr Pen spanischen Gesandten Grafen R-scon, welcher ein Schreiben des Königs Alfonso an den Kaiser überreichte, worin Alfonso seine Thronbesteigung anzeigt.
j Am 27. d. M. Abends hat sich die Justiz-Commission h» deutschen Reichstages cvnstituirt. Zum Vorsitzenden wurde Muel^M» Stellvertreter Schwarze gewählt,
; Berti». Der Reichstag setzte gestern die zweite Lesung ' es Bankgesetzes fort. Bei § 9 bittet der Finanzminister : amphaujen den bei Einführung der Goldwährung eingenom- NIMM Standpunkt auch hier festzuhalten. Deutschland sei von ^.ändern umgeben, deren Interesse es sei, unseren Goldvorrath sich zu ziehen; man möge lieber zu viel als zu wenig Vorsicht auweuden. Wie das Circulatiousbcdürfniß sich ge- esialte wenn die Goldwährung ins Leben getreten sei, müsse èst durch Experimente erforscht w rden. An dem Beispiel enwf'r,, welches uns England gebe, inüß-teii wir lernen, die Cirkulation von ungedeckten Noten in möglichst enge Schranken
>u bannen. Wenn er persönlich auch die Reichsbank gern günstiger gestellt gesehen hätte, als die Privatbanken, so sei Hssoch die Reichsbank Erbin aller Privatbanken, deren Privi- „.Wen erlöschen. Wenn an einprocentiger Steuer festgehalten Herde, würden die Privatbanken geneigter sein, auf ihre Pri- "Ucgicu gegen Entschädigung zu verzichten. — Der Minister -^wpftehlt dringend die einproceutige Steuer, obschon das Zu- uandckommen des Gesetzes davon nicht abhänge. Er weist fo- ^un darauf hin, daß ür alle Banken das bequeme Leben uuMre, daß dieselben jetzt in viel höherem Grade auf Prüsen- -J1“1’ ihrer Noten gef ßt sein müßten, und daß dieselben nWlèßljch selbst ^Dank wissen würden, wenn man sie vor der Versuchung, die Circulation zu weit auszudehnen, bewahre. ^~er Minister hebt dann dem Borredner Schauß gegenüber hervor, daß Snddcutschland schon mehr begünstigt worden sei, g^lr verantwortet werden könne, und schließt, mit der Be- w^âng: die Heilung der wirthschaftlichen Krisis Hänge davon w °aß unsere Industrie wohlfeiler arbeite, daß wir fleißiger, .gH^hschastlicher und sparsamer werden; der ungedeckte Noten-
nuauf Englands betrage noch nicht den dritten Theil der für "^ Reichsbank allein bestimmten Summe; er besorge zehr, daß
die Summe in dem Gesetzentwurf zu hoch, er besorge nicht, daß sie zu niedrig gegriffen sei. — Nach längerer von Georgi, Schroeder (Lippstadt), Ackermann, Bicgcleben, Lasker, Windt- Horst und Kardorff geführter Discussion resumirt Bamberger die Debatte, welche hierauf geschlossen wird. Das Haus schreitet darauf zur Abstimmung und werden die von Tell- kamps, Kardorff, Moèle. Georgi, Ackermann, Parisius und Ausfcld gestellten Amendements abgelehnt. Ebenso wird die modificirte Vorlage des Bundesrathes, betr. die einproceutige und die fünfprocentige Steuer, bei namentlicher Abstimmung mit 160 gegen 116 Stimmen abgelehnt. Dagegen werden Alinea 1, wonach eine fünfprocentige Steuer ohne Veränderung der Contingentirungssumme festgesetzt wird, mit großer Majorität, Alinea 2 in der Commissionsfassung unter Ablehnung aller Veränderungsanträge angenommen. Die folgenden Paragraphen, bis zum 14., werden den Commissionsanträgen entsprechend angenommen.
München. Heute fand zu Ehren Schelling's hundertjährigen Geburtstages in der festlich dccorirten Üniversnäts- aula eine Eriirnerungsfeier statt. Professor Beckers hielt die Festrede, welche den geistigen Entwickelungsgang Schelling's behandelte; fast alle Professoren der Universität und zahlreiche Studirende wohnten der Feierlichkeit bei. Das Monument Schelling's wurde heute mit Blumen und Kränzen reich decorirt.
Wien. (Proceß Ofcnheim.) Verwaltungsrath Graf Borkowski sagt aus, ban seine Entscheidung betreffs der Schenkung der Provision vielleicht anders ausgefallen wäre, wenn er gewußt hätte, daß die Provision der Gesellschaft nicht Ofenheim zugestanden sei. Der Staatsanwalt beantragt dje Nichtdeeidigung sämmtlicher Verwaltungsräthe, womit der Vertheidiger sich einverstanden erklärt. Zeuge Springmann, Beamter bei Sigl, hörte von dem Director der R nghofer'schen Fabrik selbst, daß diese Ofenheim eine dreiprocentige Provision angebvten habe. Weissel, Generalrath der Anglobank, sagt aus, daß Ofcnheim bei jedem Geschäft der Anglobank bethci- ligt worden sei und hieraus einen Gewinn von Hunderttausen- den gezogen habe. Der Präsident verliest eine Zuschrift des Handelèministers Banhans, worin derselbe die Angaben Ofen- heim's, wie auch die einiger Zeugen, welche theils directe Recriminationen gegen den Handelsminister, theils angebliche Aeüßcrungen dieses letzteren betrafen, entweder ausführlich widerlegt oder vollständig in Abrede stellt. Der Vertheidiger Neuda bekämpft die Zuschrift des Handelsm misters.
Wien. Der spanische Gesandte hat bei dem Kaiser um eine Privataudienz gebeten, um demselben ein Handschreiben des Königs Alfons, welches dessen Thronbesteigung notisicirt, zu über eichen.