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Intelligenz.Blatt der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Rachrickte« als Extrabeilage.

(Expedition am 6. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

No. 19, Samstag den 23. Januar 1875.

Aeberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 23. Januar.

Der deutsche Reichstag berieth in beinahe sechsstündiger Mung über die Wahlen des Herzogs von Ujest und Prinzen Hohenlohe-Ingelfingen, erklärte erstere für ungültig, rügte das Verfahren des Landraths Himmel und beantragte eine Unter- AHüng über die übrigen Vorgänge bei der Wahlhandlung. Auf Antrag Gneist's wurde die Wahl des Prinzen Hohen- «Hr-Jngelsingen ebenfalls beanstandet.

Der Gesetzentwurf für den preußischen Landtag Wbetreff der Wahrnehmung kirchlicher Vermögens-Angelegcn- heiren katholischer Gemeinden durch selbstgewählte Organe be- Sckt für ganz Preuß« ' * ~ ~ 2

11, Theil 2 des allgemeinen Landrechts.

den durch selbstgewählte Organe' be- Vorstellung von Rußland und Oesterreich ansgegai ien die Durchführung des § 552 Zwischen beiden Mächten herrsche völliges Einvernehmen;

Berlin. Die hiesigen Regierungskreise fassen die Si- tsstion zwischen Montenegro und der Türkei ziemlich ernst M. Doch glaubt man, die Pforte, welche bereits durch die Entlassung des Ministers des Aeußern einen Beweis des Ein- gegeben, werde auch weiterhin nachgeben. Die drei E'ser-Reiche sind angeblich entschlossen, vollständig überein- in dieser Frage zu handeln.

Wien. Eine heute in Belgrad aus Konstantinopel ein Meldung versichert, daß die Pforte sich in der Pod- zur Nachgiebigkeit entschlossen habe. Safvet Pascha fei geneigt, Rathschläge Seitens der Großmächte an-

. , Wien. (Proceß Ofenheim.) Der Präsident theilt mit, es bei den gewählten Sachverständigen verbleibe. Hofrath Eugerth, Staatsbahnmaschinen-Fabriksdirector Haszwell und Oer Generalagent der Staatsbahnmaschinenfabrik, Leiser, sagen daß für gelieferte Locomotiven, Hornviehwagen und vchneepflüge auf Verlangen Preisnachlaß zu Gunsten derGc- IMschaft zugestanden wurde, und daß Gewährung von Pro- "'lwnen an Eisenbahndirectoren nicht üblich sei. Maschmen- Mnkant Sigl deponirt, daß er keinen Preisnachlaß angeboten

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habe; derselbe sei von Ofenheim gefordert und er glaubte, daß willigen, welche Zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung fr diesen Nachlaß zu Gunsten der Gesellschaft gemacht habe, erforderlich seien. Morgen wird die Debatte fortgesetzt.

Sin Usus, an Eisenbabn-Direetoren Provisionen zu zahlen, London. Dem Bureau Reuter ist uberRtv Janeiro ^iehe nicht. Jeuae beharrt dem Angeklagten gegenüber auf die Nachricht von dem Ausbruch einer neuen Revolution in jtiiien Depositwnen. Weiter vernommene Zeugen sagen! Montevideo zugegangen. Der Präsident Elaun und die Rr-

übereinstimmend aus, daß bei den Lieferungen für die Lem­berg-Czernowitzer Bahn ein Zprocentiger Nachlaß gefordert wurde und daß es nicht Usus sei, Eisenbahndirectoren Pro­vision zu bewilligen. In einer Zuschrif des ehemaligen Ministers Plener sagt derselbe, daß er strenge auf die Ab­stellung der Bahnübelstände gedrungen habe, strafbare Momente hätten sich nicht ergeben, das Ergebniß der später eingeleiteten Untersuchung habe er seinem Amtsnachfolger übergeben.

Bern. In Folge tumultuarischer Anftritte Seitens der Ultramontanen anläßlich einer altkathvlischcn Taufe in Com- befières und Bardonnex hat der Staatsrath von Genf mili­tärische Maßregeln angeordnet, verschiedene Verhaftungen vor­nehmen, insbesondere die Maires beider Ortschaften verhaften

lassen.

Brüssel. Wie9£orb meldet, ist die Initiative zu der von den Großmächten bei der Pforte erhobenen energischen von Rußland und Oesterreich ausgegangen.

; die-

selben werden von Deutschland und Frankreich unterstützt.

Versailles. Die Nationalversammlung begann heute die erste Berathung des von der Dreißiger-Commission ans­gearbeiteten und von ihrem B richterstatter Ventavon einge- brachten Antrags betreffend Übertragung der Gewalten Mac Mahon's. Ventavon begründet den Antrag, Lenoel (Linke) bekämpft denselben; er hebt hervor, daß durch die Annahme desselben die Errichtung der definitiven Republik hinausge­schoben würde. Lacombe (Rechte) spricht für die Monarchie und appellirt an die Einigkeit aller conservativen Elemente. C»rayon-Latour (innerste Rechte) tritt für die legitime Monarchie unter Chambord als König ein; er greift Republik und Kaiserreich an, spricht übrigens von der Person des Marschall-Präsidenten mit großer Eh erbietung; er will hierauf von der Tribüne herab einen im Proceß Arnim veröffentlichten Brief des Fürsten Bisniarck verlesen, in welchem ausgesprochen ist, daß ^urch die Errichtung der Monarchie der Credit und die Bündnißfähigkeit Frankreichs erhöht würden; sofort erhebt sich aber in allen Fraktionen der Versammlung mit Ausnahme der äußersten Rechten ein so heftiger Tumult, daß die Stimme des Redners vollständig übertönt wird. Carayon schließt, nachdem die Ruhe einigermaßen wiederhergestellt war, indem er erklärt, die Legitimisten würden die konstitutionellen Gesetze verwerfen, dem Marschall-Präsidenten aber alle Mittel be­