(Strafkammer.) Heinrich Laukert von Fechenheim ist ein passionirter Peitschen-Dieb; er machte deßhalb schon sechs Mal mit dem Gefängniß Bekanntschäft; heute erhielt er wegen erneuten Peitschen-Diebstahls 6 Monate Gefängniß. — Diogenes Lipod aus Dettlofsrod hat die Neigung, seine Schlafstätte in Fässern, Wagen und unter Wagen aufzuschlagen. Sein letztes Domicil wählte er unter einem Wagen auf offener Straße. Als man ihn unter demselben hervorzog, wurde er so wild, daß er dem Schutzmann in die Hand biß und mit den Füßen nach ihm trat; er wurde auf 6 Wochen und 3 Tage eingesperrt. — Jocob Kumpf von Waldalmenheim stand in der NeujahrÄnacht unter einem Thorbogen, aus dem ein Schuß gefallen war. Ein Schutzmann fragte ihn, wer geschossen habe, worauf ihin die Antwort wurde: „Suchen Sie, wer geschossen hat! Machen Sie, daß Sie fortkommen, sonst werf ich Ihnen den Schlegel wider den Kopf." Der Angeklagte wurde mit 10 Tage Gefängniß bestraft. — Anna Marg. Hils aus Oppertshausen, 17 Jahre alt, wollte den 25jährigen Ausläufer J. Großkopf aus Darmstadt heirathen und suchte sich ihre Ausstattung auf recht billige Weise dadurch zu verschaffen, daß sie den Brautschatz eines anderen Mädchens im Werthe von 200 fl. stahl und ihn ihrem Bräuügam zubrachte. Sie erhielt 3 Monate, der Bräuügam als Hehler 6 Wochen Gefängniß. — Der Bildhauer Martin Luther von hier fühlte sich durch ein Gedicht in den „Schnaken", welches nach seiner Ansicht seine Familie zum Gegenstand des Spottes machte, beleidigt, und überfiel deßhalb, wie der Redacteur des Blattes, Hr. A. Stolze, eidlich erhärtete, diesen nächtlicherweile auf der Straße und schlug ihm mehrmals mit einem Stock auf den Kopf, wodurch mehrere Verletzungen entstanden. Der Mißhandelte wollte heute den Strafantrag zurückziehen und
auf alle Kosten verzichten, wenn Beklagter die That^ cingehenstè wolle, worauf derselbe jedoch nicht einging. Die Sache mußte deßhalb verhandelt werden. Es kam als strafmildernd der beleidigende Inhalt des Gedichts in Betracht, und der Gerichtshof erkannte statt auf Gefängniß, auf 30 Mark Geldbuße und die Kosten. — W. Ludwig, I, Bossert, CH. Guckes, M. Guckes, C. Guckes, G. Illig, P. Fendt und F. Hensel, kräftige junge Bornheimer und Frankfurter im Alter von 16 bis 18 Jahren, theils Oeconomen, theils Bau-Handwerker, sind der Körper-Verletzung augeklagt. Dieselben vergnügten sich am 4. October v. I. im „Goldenen Adler" in Bornheim bei der Tanzmusik. Ihr Betragen war derartig, daß der Wirth sich veranlaßt fand, die Gesellschaft in die Schranken des Anstandes und der Ordnung zu weisen. Das gefiel der jugendlichen' Schaar nicht, baut sie schritt alsbald zu Thätlichkeiten. Ludwig wird besonders beschuldigt, dem Wirthe den Bart ausgerissen, ihn zu Boden geworfen und getreten zu haben; Bossert wird als einer Derjenigen bezeichnet, die mit Gläsern geworfen, wodurch der Schwager des Wirthes und dessen Frau verwundet wurden. Bon Hensel wurde indeß dargcthan, daß er gar nicht bei dem Unfug betheiligt gewesen. Die Staats-Anwaltschaft beantragte unter Berücksichtigung der Gröblichkeit der Excesse und der Jugend der Angeklagten gegen Ludwig auf 3, gegen Bossert auf 2 Monate 14Lage Gefängniß, gegen Illig, Eh. Gnckes und Martin Guckes je 2 Monate und gegen P. Fendt und M. Guckes je 6 Wochen Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte gegen die drei Erstbeklagten auf eine Gefängnißstrafc von je 2 Monaten, gegen die vier At> deren auf je 4 Wochen und sprach F. Hensel frei.
Gelanut machuuge«.
Verein für Geographie und Statistik
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