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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

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^Expedition am H. GeistPfèÄWt, Schlachthausgcrffe 21.)

No. 5. Donnerstag den 7. Januar 1855.

Akberblick der (Ereignis im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 7. Januar. -

Die ungewöhnliche Trockenheit des diesjährigen Spätjahrs macht sich in unangenehmer Weise durch den oft mangelhaften Stand der Wintersaaten bemerkbar; besonders ist dies w den nördlichen und nordwestlichen Ländern der Fall. Die früh angebauten stehen meist sehr dünn und die spät gebauten sind noch so weit zurück, daß man sie noch gar nicht beurthei­ln« kann. An vielen Orten mit etwa später Lage und schwe­rem Boden mußte der Anbau eingeschränkt werden. Die sonst so vortheilhaften Herbstackerungen wurden ebenfalls mancher­orts nur in sehr. ungenügender Weise ausgeführt. E n gün- stlges Frühjahr jedoch kann hier Vieles wieder gut machen. Aus den östlichen und nordöstlichen Ländern lauten die Be­richte günstiger. In der Bukowina stehen die frühgebauten Saaten, denen die Augustregen zu Gute gekommen waren, meistens sehr gut, dagegen sind die spätgebauten etwas mangel­haft. Aehnlich wird aus Ungarn und Siebenbürgen berichtet, welche trotz der vorherrschenden Trockenheit, mit Ausnahme der Gegenden von Arad und Pest, wo über inangelhaften Stand geklagt wird, sehr schöne Saaten aufweisen.

Acußerst günstig lauten die Berichte aus England, dessen Wintersaaten durch ein trockenes Spä«jahr aus mehreren Gründen auch nicht im mindesten beeinträchtigt «erben und zwar erstens deshalb, weil dort in dem von allen Seiten vom Meere umschlossenen Jnsellande die Trockenheit gewöhnlich weniger fühlbar auftritt und zweitens weil die Saaten des milden Winters wegen, meistens fehr spat, oft erst im De­zember, ausgeführt werden.

Der letztere Grund gilt auch theilweise für die südlicheren Länder des Continents und wir finden deßhalb auch in diesen letzteren den Stand der Saaten allgemein befriedigend. Uebrigens war die Trockenheit südlich und südwestlich von den Alpen bei weitein weniger dauernd, als im Norden, da sie durch reichliche Regen Ans ngs und Mitte October schon unter­brochen wurde. Im großen Ganzen läßt sich der Stand der Wintersaaten als ein günstiger bezeichnen und wir sinken deßhalb auch, daß an den Getreidepreis n, obgleich die Stim- Mng eine festere ist, doch ein Steigen sich nicht wahrnehmen W» , Eine Besserung ist jedoch unerkennbar, da die Kauflust, Angesichts der auf ein Minimum reducirten Preise, eine be- <

deutend lebhaftere zu werden beginnt. Braustoffe erfreuen sich immer einer lebhafteren Nachfrage; das Gleiche läßt sich auch in noch höherem Grade von den Futterstoffen sagen, da die Futterernte dieses Jahr überall mangelhaft war.

* Berlin, 6. Januar. Die Bankcommission nahm § 10 des Bankgesetzes nach dem Harnier'schen Amendement an und zwar : Alinea 1 betreffs Besteuerung der im Umlauf befindlichen ungedeckten Noten mit 1 und 5 pCt., und Alinea 4 betreffs Vergrößerung des Antheils der Reichsbank an dem ungedeckten Notenumlauf beim Erlöschen der Be- fugniß einer Bank zur Notenausgabe. Die Abstimmung über Al'mea 2, betreffend die Contingentirung auf 380 Millionen, wird bis zur Berathung des Titels 2 (Reichsbank) ausgesetzt, § 11 und § 12 werden darauf iin Wesentliche» nach der Vor­lage angenommen.

* Bersnilles, 6. Jan. Die Nationalversanimlnng be­schloß mit 4)6 gegen 250 Stimmen die Aufrechterhaltung des Belagerungszustandes in Algier, nachdem Barnier und Jules Fflvre dagegen und der Minister des Inner» dafür gesprochen hatten.

* Paris, 6. Jan. Die Dreißiger-Commission hat be­schlossen, in der Nationalversammlung den Antrag zu stellen, daß Die Berathung über den Gesetzentwurf zur Errichtung eines Senats unmittelbar nach Berathung des Armec-Cadres- Gesetzes auf die Tagesordnung gestellt werde. Zugleich be­schloß- dieselbe, in das Sengtsgesetz die Clausel aufzunehmen, daß dasselbe erst nach der Regelung der Gewaltenüoertraaung Gesetzeskraft haben soll. Der Exkönig von Neapel erklärte bei ainem dein Könige Alfons abgestatteten Besuch, er werde seine Brüder, die Grafen von Caserta und Bari, auffordern, die carlistifche Armee zu verlassen. König Alfons empfing beii hiesigen Gesandten von Portugal und den Baron von Rothschild. Die Abreise des Königs ist auf morgen Abend 5 Uhr festgesetzt. Aus Madrid gebt die Nachricht ein, daß auf der ganzen Halbinsel die vollständigste Ruhe herrscht.

* New-Orleans, 6. Jan. In der gesetzgebenden Ver- sammlung von Louisiana ist ein Conflict zwischen den Re­publikanern und den Conservativen, welche die Majorität be­anspruchten, ansgebrochen. . Der Gouverneur Kellog rückte mit Regierungstruppen in den Versammlungssaal und vertrieb aus demselben 5 Couservative, der n Wahl angefochten war. Die Confervativen, darunter der,Präsident, verließen darauf unter Protest den Sitzungssaal. Die Republikaner blieben zurück und e npstnaeu eine Botschaft ' des Gouverneurs. General