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Intel I igenzBlatt der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

O

lExpedition am H. Geistpförtchen. Schlachthausgasse 21.)

No. 305.

Donnerstag den 31. December

1874.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 31. December.

Die französische Nationalversammlung tritt , bereits am 5. Januar wieder zusammen. In den Ferien hat sich eine Deputation der äußersten Rechten nach Frohsdorf ve- , geben, behufs einer Erklärung des Grafen Chambord, welche veröffentlicht und im Nothfalle von der Tribüne herab verlesen werden könne, um das ablehnende Votum der äußersten Rech­ten bei der Abstimmung über die constitutionellen Gesetze zu motiviren, Die letzten Kammerdebatten haben die Bonapar­tisten keineswegs entmuthigt. Die Wahl Bourgoings werden sie auf's Entschiedenste verfechten. Der Enquete, welche be- schlosfen ist, die aber wohl, wie die meisten anderen parlamen- > tarischen Enqueten nur dazu dienen wird, die Sache auf die lange Bank zu schieben, behaupten sie mit voller Zuversicht entgegensetzen zu können. Im Departement Lot stellen sie zur Ersatzwahl den Marschall Canrobert als bonapartistischen Can­didaten auf.

Die letzten Tage haben uns die Nachricht von einem Ukas des russischen Kaisers gebracht, welcher den Großfürsten Nikolaus Konstantinowitsch, welcher an einer Gemüthskrank­heit leide, unter die Kuratel seines Vaters stelle. Dieser für aemüthskrank erklärte Großfürst Nikolaus ist der älteste, am 14. Februar 1850 geborene Sohn des Großfürsten Konstantin Nikolajewitsch. Derselbe wurde vor einiger Zeit auf Befehl des Kaisers in Haft genommen, weil sich herausgestellt hatte, daß er, um seinen unsinnigen Verschwendungsgelüsten zu stöhnen, so dreist gewesen war, sich an dem Schmuck seiner Mutter zu vergreifen.

Der Beschluß des Senats der Vereinigten Staa- t e n welcher am 23. d. M. mit 32 gegen 14 Stimmen gefaßt worden ist, am 1. Januar 1879 die Barzahlungen wieder aufzunehmen, die Bankfreiheit wieder einzuführen und den Be­trag der Greenbacks aus 300 Millionen Tolla s zu verringern, entspricht durchaus dem in der jüngsten Botschaft Grants niederaelegten Plane des Finanzsccretärs Bristow. Auch das

meOeraeI.eMN Plane ves lyuiai^iiLmui» ^nnuiu. ^uu,; uu» ytmiuuu ^uuuny vw ^^^ ^»^ ^^^^ Repräsentantenhaus, in welchem heute noch eine überwiegende Regierungen gegenüber der nächsten Papstwahl sehr wünschens- revublckanische Majorität herrscht, die zum 1. März k. Js. werth wäre.

der gewählten demokratischen.Mehrheit Platz machen muß, * Königsberg, 30 Dec. In der heut^

wird in gleicher Richtung dem Senate sich anschließen. Bei meisterwahl wurde der Oberbürgermeister Selke aus Elbing den Wahlen cm Herbste hatte gerade die demokratische Partei zum Oberbürgermeister von Königsberg mit 55 von 90 Stun- die bisherige Finanzpolitik der Republikaner zu besonders ec- men gewählt.

giebigem Angriffsmittel gegen diese Partei benutzt. Wenn nun die Republikaner selbst, so lange sie noch am Ruder sind, die Baarzahlung wieder einführen, nehmen sie ihren Nach­folgern vo-weg ein Verdienst hinweg und versetzen dieselbe, wenn sie das Regiment übernehmen, in die peinliche Lage, ent­weder der von den Republikanern vorgezeichneten Finanzpolitik zu folgen, oder durch Widerruf der so eben gefaßten Beschlüsse sich in den Augen des Volkes zu discredüiren. In beiden Fällen behält die jetzt noch herrschende Partei eine mächtige Waffe in Händen, welche der unverhofft zum Regiment ge­langenden demokratischen Partei äußerst gefährlich werden kann, da sie die Lebensinteressen der Bereinigten Staaten berührt.

* Berlin, 30. Dec. Graf Arnim, welcher in dem Er­kenntniß gewissermaßen eine Freisprechung zu finden glaubte, wollte,, wie verlautet, nicht appelliren, eventuell seine Appellation von der dès Staatsanwalts abhängig machen. Letztere er­folgte, und nun hat auch Arnim heute zu später Nachtstunde, aber noch rechtzeitig, das Rechtsmittel eingelegt

* Berlin, 30. Dec Wie die „Post" erfährt, hat die deutsche Regierung nach Ablehnung des bekannten englischen Vorschlags "Seitens der Pforte beim Sultan den Erlaß eines Firmans befürwortet, welcher die Handels-Convention zwischen Ru I anten und Oesterreich nach geschehenem Abschluß rati- ficiren soll.

* Berlin, 30. Dec. Der „Reichs-Anze'ger" veröffent­licht aus der Reihe der von dem Stadtgericht secretirten Actenstücke ein Circular des Reichskanzlers vo n 14. Mai 1872

über die künftige Papstwahl. Der „Reichs-Anzeiger" bemerkt in den einleitenden Worten u. A.: Die Regierung kann sich keinesfalls ermächtigt halten, vertrauliche oder geheime Mit- theilungen anderer Regierungen der Oeffentlichkeit zu über­geben. Soweit es sich um das Intimste, das nur Deutsch­land angeht, handelt, kann Alles ans Licht gezogen werden, ohne unsere auswärtigen Beziehungen zu schädigen, geschweige den Frieden zu gefährden. Die betreffende Note spricht aus, daß mit Rücksicht auf die durch die Unfehlbarkeit wesentlich geänderte Stellung des Papstes, eine Einigung der europäischen

zum Oberbürgermeister von Königsberg mit 55 von 90 Stim-