Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M,
verbunden mit den Frankfurter Drachrichten att Extrabeilage.
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(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
No. 303. Dienstag den 29. December 1874.
Aeberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, dm 29. December.
Die durch das erstrichterliche Erkenntniß im Arnimproceß brennend gewordene Frage bezüglich der Verwaltung und Behandlung der Missionsarchive des deutschen Reiche- ist seitens des Reichskanzleramts der Lösung nahe gebracht. Wie bestimmt verlautet, ist die betreffende Instruction bereits ausgearbeitet und den Bundesregierungen zur Kenntnißnahme mitgetheilt worden.
Die Granden Spaniens, in Verbindung mit einem großen Theil des Adels, haben an den Prinzen von Asturien, Don Alfonso, dm Sohn der Exkönigin Isabella, folgende Zuschrift gerichtet: „Madrid, 28. Nov. Sire! Die unterzeichneten Granden und Edelleute Spaniens wünschen Ew. Majestät bei der 18. Jahreswende Ihres Geburtstages Glück. Indem sie damit der Stimme ihres Herzens gehorchen, erfüllen sie zugleich das Gebot jener persönlichen und politischen Ehrenhaftigklit, welche ihnen mit ihren alten Namen vererbt wurde. Sie schulden Ihnen in diesem Augenblicke eine nur noch größere Ehrfurcht, als wenn sie, um Sie zu beglückwünschen, sich jenem Throne zu nahen hätten, auf dessen Stufen Sie geboren sind. In ihren Augen sind Sie gleich hochgestellt durch die Unschuld der Jugend wie durch die Heiligkeit des Unglücks. Unglück ist, wie Sie aus Erfahrung wissen, der Prüfstein der Nationen und der Lehrmeister der Fürsten. Ew. Majestät haben der Vorsehung für den doppelten Segen königlicher Geburt und der Erziehung der Verbannung zu danken. Letztere macht Ihr Schicksal nur um so näher mit dem dieses Landes verwandt, welches aus dem Lenker der Civilisation zweier Welten ein armer getheilter Gegenstand geworden und aus den Räthen Europas fast ausgeschlossen ist. Ew. Majestät haben aus dieser schweren Prüfung die nützlichsten Lehren geschöpft. Als Sie unter dem Dache Ihrer Mutter als gehorsamer Sohn lebten, haben Sie Spanien nur um so glühender geliebt — Ihre ferne und unglückliche Mutter. Als Sie später den liebevollen Schutz Ihrer Angehörigen verließen, folgten Sie hochsinnig und mit Erfolg jenen Studien in Oesterreich und Frankreich, welche den Einzelnen mit Anderen in Berührung bringen, und uns das Geschlecht würdigen lehren, in dessen Mitte wir zu leben bestimmt sind. Heute, wo Sie Ihr Mannesalter erreichen, sind wir erfreut, Ew. Majestät den militärischen Studien obliegen
zu sehen, durch welche der Gehorsam als ein Mittel gelehrt wird, die Kunst des Befehlens und die Größe einer unter der Leitung von Vernunft und Recht entfalteten Kraft kennen zu lernen. Wir sind hocherfreut Ew. Majestät früh Ihre Aufmerksamkeit der englischen Nation Wißen zu sehen, welche das Urbild der constitutionellen Monarchie geschaffen hat, welche immer ihren Traditionen treu ist, frei, vaterlandsliebend und gehorsam dem Gesetze. In jeder Provinz, jeder Grafschaft und jeder Famiüe des vereinten Königreichs werden Ew. Majestät die Stärke und Wohlfahrt einer Monarchie werthen lernen, welche über so viele Himmelsstriche und Raceri ausge- - dehnt, ihr Gebiet unversehrt erhält und ihre Unterthanen mit fast religiöser Ehrfurcht die Bande betrachten lehrt, welche Nation und Herrscher verbinden, Sire, die unterzeichneten Granden und Edelleute Spaniens bringen, treu ihren Ueberlieferungen, fest im Glauben, loyal ergeben ihrem legitimen König und voll warmer Anhänglichkeit an die Repräsentativ- Jnstitutionen ihres Landes, Ew. Majestät an diesem Glück verheißenden Tag ihre herzlichen Wünsche dar; sie bitten Gott, durch welchen die Könige regieren und die Gesetzgeber mit Weisheit befehlen, das er Ihnen den Lohn Ihrer edlen Bestrebungen gewähren möge, und daß Sie ein. Fürst werden würdig des Namens, welchen Sie tragen, des Jahrhunderts, in welchem Sie leben, und des Landes, in welchem Sie geboren sind."
* Cöln, 28. Dec. Der „KM. Ztg." wird aus Bayonne von gestern gemeldet, der Marrne-Commandant von San Sebastian habe am LO. December ein Schiff nach Zarauz geschickt, um den Zustand der deutschem Brigg „Gustav" zu erkunden. Dasselbe kehrte am Nachmittag zurück und brachte die Meldung: die Brigg stecke tief im Sand« und feien die Carlisten eifrigst beschäftigt, die Ladung zu löschen. Die Schüsse der Carlisten hätten Niemanden getödtet, nur sei der Capitän des „Gustav" unbedeutend am Bein gestreift.
* Berlin, 23. Dec. Der amtlichen Bekanntmachung zufolge, werden vom 1. Januar an, die Zwei- und Vierpfennigstücke, die Achthellerstücke Hannovers, so wie verschiedene der altschlesischen und altsächsischen Münzen außer Cours gesetzt; die Einlösung erfolgt bis Ende März. . ;
* Wien, 26. Dec. Die amtliche Wiener Zeitung veröffentlicht das Fimlnzgesetz .Ur 1875, wonach die Deckung des Deficits von 8,200,000 Gulden durch Rentenverkauf erfolgen soll.
* Paris, 28. Dec. In einem gestern Vormittag statt« gehabten Ministerrathe wurde, der „Agence Havas" zufolge