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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. <

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(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

Ro. 293. Dienstag den 15. December 1874.

Aeberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 15. December.

In den spanischen Angelegenheiten bahnt sich allem Anschein nach, ein Umschwung an, der geeignet sein dürfte, die Physiognomie der dortigen Verhältnisse, sofern er zum Vollzug kommt, wesentlich zu verändern. Die kartistische Armee befindet sich in einem schwer bestreitbaren Zustande von Ermüdung und Demoralisation, die Führer haben das Zu­trauen verloren, trotzdem will mau sich nicht vor den Republi­kanern zurückziehen, in deren Parthei nicht minder Spaltun­gen und Unzufriedenheit herrschen. Um aus diesem Dilemma mit Anstand herauszukommen und dem Republikanismus noch im Sterben eine Niederlage zu bereiten, soll sich Don Carlos mit der Königin Isabella in's Einvernehmen gesetzt haben, um sich event, zu Gunsten des jungen Don Alfonso zurückzuziehen. In dem carlistischen Heere dienen Viele, besonders unter den höheren Officieren, die weniger dein Carlismus ergeben, nur für die Monarchie streiten und deshalb sofort bereit wären, für Don Alfonso einzutreten. Unter den republikanischen Ojficieren sind ebenfalls die meisten alfonsistisch gesinnt. Die Calculation des Prätendenten, der sich selbst nicht halten kann, seinen Feinden aber noch im Scheiden eine tödtliche Wunde beibringen möchte, ist also nicht übel, und es kommt darauf an, ob Serrano Mann genug ist, den beabsichtigten Schlag zu parsten. Vorläufig verlautet aus Madrid, daß der Minister­präsident Sagosta sich den alfonsistischen Parteigetrieben gegen­über kaum mehr halten taun. Sache Serrano's wäre es dem­nach, so schnell wie möglich durch eine militärische Operation dem Carlismus das Lebenslicht auszu.lasen, um sich dann gegen den Alfonsismus zu wenden, sofern er nicht mit dem­selben unter einer Decke steckt, welche Möglichkeit ebenfalls in Erwägung zu ziehen ist, da feine letzthin fo sehr verzögerte Kriegführung jedem Unbefangenen zum Mindesten etwas son­derbar vorkommen mußte. Wie übrigens öfficiös gemeldet wird, geht der Feldzugsplan des Marschall S.rrano dahin, die Pyrenäcngrenze zu besetzen und die Carlisten von dort aus auf die vom General Moriones befehligte Armee zurückzuwerfen. Derselbe wird als ein eifriger Alfonsist bezeichnet.

Wie man aus Rom schreibt, will die Königin-Wittwe von Bayern ihrem in Aussicht gestellten Besuche im Vatican k'n Schreiben an den Papst vorausgehen lassen, das ihr Zweiter Sohn, Prinz Otto, eigenhändig überbringen wird. Im

Vatican trifft man bereits große Anstalten zu seinem Empfange, um dadurch gleichzeitig an den Tag zu legen, welche Hoff­nungen man auf den bayerischen Hof setzt, wenn es gilt, weitere Trümpfe gegen die Politik der deutschen Reichsregie­rung ausznspielen. Wie man weiß, werden die Nuntiaturen in München und W en nicht müde, dem Cardinal Antonelli zu berichten, daß die Abneigung gegen diepreußische Hege­monie" immer weiter um sich greife und daß die Bildung eines entschieden klerikalen und regionalen Ministeriums in Bayern ganz nahe bevorstehe. Ein in der That kühnes Phan­tasiestück der römischen Sendlinge! Freilich wird die Berliner Nachricht über den Antrag der deutschen Reichsregierung auf Unterdrückung des Gesandtschaftspostens beim Vatican die Be­wohner desselben in ihren sanguinischen Hoffnungen auf den nahen Sturz des Reichskanzlers etwas erschüttert haben. In liberalen Kreisen dagegen hat diese Nachricht die freudigste Sen-, sation erregt.

* Augsburg, 14. Dec. Eine Privat-Depesche derAUg. Ztg." aus Bayonne vom 12. meldet, daß General Lorna gestern seinen am 8. bei Urnieta erhaltenen Wunden in San Sebastian erlegen ist. General Blanco hat das Commando der Truppen übernommen. Der Carlisten-General Magrovejo ist schwer verwundet.

* Berlin, 14. Dec. Der Reichskanzler hat dem Bun­desrathe eine Demschrift des Reichs-Eisenbahn-Ämtes vom 3. December überreicht, betreffend Reform und Erhöhung der Eisenbahn-Tarife, und befürwortete Anträge des Reichs-Eisen­bahn-Amtes, wonach die Ausführung der Bundesraths-Be- schlüffe vom 11. Juni, betr. die zu Neujahr beabsichtigte Ein­führung des Uebergangs-Tarif-Systems, sistirt, die provisorische Tarif-Erhöhung, ausgenommen für Vieh, Spiritus und Zucker, bis auf Weiteres gestattet wird, und spätestens zu Neujahr 1876 ein der Reichs-Verfassung entsprechendes, einheitliches und einfaches Tarif-System eingeführt werden soll.

* Berlin, 14. Dec. Voraussichtlich wird die Geschäfts- Ordnungs-Commission in Bezug auf Majunke's Verhaftung einen Freilassungs-Antrag ans Plenum richten, das ebenfalls die Freilassung beschließen dürfte.

* Berlin, 14. Dec. Die Commission für Berathung des elsaß-lothringischen Etats und der Anleihe für Elsaß-Loth­ringen hat ihre Arbeiten vollendet. Dte Anleihe wurde nicht bewilligt, sondern beschlossen, die Reichsregierung zur Ausgabe von Schatzscheinen bis zur Höhe von 13 Millionen Franken behufs Deckung der Ausgaben für 1874 und 1875 zu ermäch-