No. 291. Samstag den 12. December 1874.
Aeberblick der Ereignis im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 12. December.
Die zur Zeit in Europa noch lebenden entthronten Fürsten haben in der neuesten Zeit wieder viel von sich reden gemacht. Mit Ausnahme des Herzogs von Nassau und des Herzogs von Augusteilburg, die, wie es scheint, ihre Hoffnungen bereits endgültig begraben haben, sind die übrigen wieder aus der politischen Schaubühne erschienen, die Einen, um einzugreifen in Den Gang der politischen Ereignisse, die Andern, um der Mitwelt ihren letzten Scheidegruß zuzurufen. Zu den letzter» gehört der ehemalige König von Hannover und der immer noch fest auf die Wiederherstellung seiner Mtie boffenbe Kurfürst von Hessen ; zu den erstern
:af Chaulbord, die Kaiserin Eugenie vezw. ihr Sohn und Isabella von Bourbon; von der letztern wird berichtet, daß ihr ganzes Privatvermögen, welches sie bei der Revolution aus dem Schiffbruch noch gerettet und das etwa 25 Millionen Franken betragen haben soll, bereits verbraucht habe und nunmehr gezwungen sei, ihre Juwelen zn verkaufen, nachdem sie dieselben bereits für 900,000 Franken bei einem englischen Hause verpfändet hatte. Aber trotzdem hat sie die Hoffnung auf bessere Zeiten noch nicht aufgegeben und noch herrscht bei ihr ein hohes reges Leben; ist doch gegenwärtig wieder eine Mahl spanischer Granden um sie versammelt, welche ihrein wohne, dem Prinzen von Asturien, den Weg zu Spaniens verwaistem Königsthrone ebnen wollen. Der junge Prinz soll sich nach dem Rathschlusse dieser Männer an das spanische -oolk mit einem Manifest wenden, in welchem er Schutz und âsrechterhaltung der Constitution, sowie alle Rechte und Freiheiten, kurz Alles, was Prätendenten, um einen Thron zu erlangen, zu verheißen pflegen, versprechen soll. Er soll sogar, wie ihm gerathen wird, in fraglichem Manifeste ausdrücklich verfichern, daß er keineswegs ein ultraniontaner Fanatiker sei, mit welcher Erklärung er ' es jedoch sicherlich mit der Partei •L ■ c we wirkliche Sachlage wohl schon unterrichtet ist, mcht verderben wird. Das' Manifest wird vermuthlich schon m den nächsten Tagen erscheinen.
* Berlin, 11, Dec. Die deutsche Expedition zur Be- S" billig de; Venus-Durchganges in Jspahan telegraphirt: fehr ungünstigen Witternugsverhältnisftn würden 14
brauchbare photographische Aufnahmen genommen. Die Contaktbeobachtung wurde durch Wolken wesentlich gehindert.
* Posen, 11. Dec. Der Dekan Ponkowski ist auf Verfügung des Kreisgerichts zn Kempen wegen Verweigerung der Zeugenaussage über den apostolischen Delega'en verhaftet worden.
* Königsberg, 11. Dec. Die erste Deputation des hiesigen Gerichts erkannte heute auf Schließung des hiesigen, „sociak-dcmokratische Arbeiter-Partei" genannten, Ortsvereins wegen Gefährlichkeit für Staat und Gese ichaft.
* Wien, 11. Dec. Aus Prag wird telegraphisch gemeldet, daß in dem Krankheitszustand des Kurfürsten von Hessen eine Verschlimmerung eingetreten sei; die Schwäche naym überhand bei wenig Schlaf und Eßlust.
* Pest, 11. December. Das Abgeordnetenhaus nahm in der Generaldebatte die Vorlage der Regierung, betreffs Er- th iluna der Indemnität für das erste Quartal 1875 bei namentlicher Abstimmung mit 230 gegen 128 Stimmen an.
* Versailles, 11. Dec. Die Nationalversammlung nahm in zweiter Berathung den Gesetzentwurf an wonach ' die in Frankreich geborenen Fremden zum Militärdienst verpflichtet sind. — Der Minister des Innern brachte einen Gesetzentwurf ein, betreffend die von der Stadt Paris zu contrahirende Anleihe von 220 Millionen. Der Entwurf geht an eine Special- Com mssion. — Das Gerücht, wonach bf äußerste Rechte beschlossen hätte, die Regierung über die auswärtige Polstik zu interpelliren, wird dementirt.
* Petersburg, 10. Dec. Die auf Rußla d b züglichen Aeußerungen des Fürsten Bismarck in der Reichstagssitzung vom 4. December finden große Beachtung. Der Kaiser und Prinz Albrecht von Preußen sind gestern Abend von der Jagd in Liffino zurückgekehrt. — ie geschlossenen Lehrcourse am Bergiustitut sind wieder eröffnet.
Franksurt, den 12. December.
Proceß Arni m.
II
(Fortsetzung der Verhandlung vom 10. December).
Nachdem noch der Antrag des Auswärtigen Amtes auf Einleitung der Untersuchung gegen Arnim nebst dem Prome- moria über die noch fehlenden Actenstücke (55 an der Zahl) erwähnt worden, gesteht Arnim auf die Frage des Präsidenten die Richtigkeit der verlesenen Schriftstücke zu, von denen eine Anzahl noch am 3. December von ihm zurückgegeben sei. Seine