Zntelltgenz-Blatt
der Stadt Frankfurt u. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage
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(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthansgasse 21.)
Ib. 287.
Dienstag den 8. December 1874.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 7. December. Ein Leitartikel des „W* über die heutige Lage der „orientalischen Frage" dirs um so weniger der Beachtung entgehen, als oie russische Presse in neuerer Zeit diese Angelegenheit mit einer gewissen dllicateil Reserve behandelt und sich deren Besprechung in längeren Artikeln' ganz enthalten hat. Seit einiger Zeit - sagt „Golos" — ist die orientalische Frage in eine ganz neue Phase getreten; die Zahl der europäischen Mächte, welche ihr Interesse darauf richten, um jeden Preis die bestehenoe Lage der Singe auf der Balkanhalbinsel aufrecht zu erhalten, hat sich beträchtlich vermindert. Frankreich, so sehr er es auch wünschte, seine traditionelle Politik im Osten fortzusetzen, kann jetzt nicht mehr in Eonstantinopel die Rolle spielen, welche es so lange und so geschickt durchgeführt hat, indem es W für den uneigennützigen Beschützer des Sultans ausgab. Maland hat sich schon lange die Politik der Nichteinmischung in oie eurogäischen Händel angeeignet und erst in diesen Tä- M erklärte die „Times", das tonangebende Hanptblatt Eng- daß die Engländer ant besten thäten, wenn sie sich nur mt dem Theile Europas, der England heiße, befassen. Auch "“O Minister und Staatsmänner sprechen in ihren viMiedenen Reden offen oder versteckt den Satz, aus, daß Wand sich nicht in fremde Angelegenheiten mischen dürfe.
nun auch England den Orient allerdings nicht zu den Mden Angelegenheiten, so steht doch fest, daß sein Einfluß M Äsporus seit dem Krimrriege in fortschreitender Abnahme
Haben England und Frankreich in Bezug auf ng zur orientalischen Frage Wandelungen beträcht- L ® erfahren, so ist die veränderte Politik Oesterreich- noch viel bedeutsamer. Daß Oesterreich im gegen- Ms Ä Falle Rumänien das Recht zum selbstständigen Ab- Gr Handelsverträgen zuweist, ergibt sich aus seinem L Ä »urSache, da namentlich für Ungarn Die Regelung diirknK eziehungen mit Rumänien etn dringendes Be- uÄ m Aen österreichischen Standpunkt theilen augen-
Ödland und Deutschland. Daß Rußland nicht 8^ ., billigend auf diese Haltung Oesterreichs blicken
dessen Erwerbung sich Rumänien bemüht, nur die Entwickelung seines Wohlstandes herbeiführen, seinen Handel und Verkehr von fremder ^Einmischung befreien. Schwer erhellt der Beweggrund für die Haltung Deutschlands. Deutschland hat ein oirectes Interesse daran, ob die Donaufürstenthümer zum Abschluß directer Handelstractate mit anderen Mächten gelangen oder nicht, und wenn es sich an den Schritten Oesterreichs und Rußlands betbeiligte, so geschah es wohl einmal, um Oesterreich die Willfährigkeit zu danken, mit der dessen Regierung sich bei der Anerkennung der spanischen Regierung betheiligte, sodann aber auch wohl, um die erste Gelegenheit, in der orientalischen Frage ein Wort mitzuredeu, zu benutzen. Bemerkenswerth ist die Eile, mit welcher die Hohe Pforte die Noten Rußlands, Deutschlands und Oesterreichs beantwortet hat. Sonst ließen dergleichen Antworten Wochen- und monatelang auf sich warten; diesmal aber vergingen nur zwei Tage. ____ _____
* Berlin, 6. Decbr. Heute hat dahier die von der Eisenacher Vorversammlung angeregte Gründung eines deutschen Steuer-Reformvereins stattgefuyden. Hauptziel desselben ist die Ersetzung der Matrikular-Beiträge durch eine Reichs- Einkommensteuer. An der constituirenden Versammlung nahmen neben vielen Andern Stauffenberg, Schauß, Wagner, Dr. Hirsch, Zinn, Blum, Minnigerode und Völk Theil.
* beisse, 6. Dec. Bei Ueberlieferung einer Kirche an die Altkatholiken kam es zu Störungen durch die Neukatholiken, so daß Militär gegen Letztere einschreiten mußte, ,
* Paris, 6. Dec. Bei den heutigen Stichwahlen für fünf Municipalräthe von Paris wurden drei gemäßigte Republikaner und zwei Radicale gewählt.
* Paris, 6. Dee. In einer Partei-Versammlung hat die Linke beschlossen, vor der Berathung der constitutionellen Gesetzentwürfe die Auflösung der National-Verjammlung nicht zu beantragen. Die Linke hält die Ablehnung dieser Gesetzvorlagen für gewiß und hofft, das linke Centrum werde tn diesem Falle auch für Auflösung der Nationalversammlung stimmen. , „
* Bayonne, 6. Dec. General Loma ist Mit 5000 Mann in San Sebastian gelandet. General Salamanca soll gleichzeitig von Bilbao gegen die Earlisten aufbrechen. Das gemeinschaftliche Ziel der Operationen ist die Verproviantirung von Pampeluna. „ ,
* Petersburg, 6. Dec. Der Kaiser hat erst je^t dre aus mehreren Ministern unter Vorsitz des Domänenministers Walujeff bestehende Conferenz mit einem gutachtlichen Bericht