Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
—— o — ---
(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
wrrc**inremBw»i^<,^«|w,qit|BB8HMweBm»agg"aa3BsaBg»^..............
No. 260 Donnerstag dmr 5 November W74.
Aederblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 5. November. Trotz des neulichen osficiösru Dementis der „Azence HavaS wird dcr ,«ow. Ztg" aus Paris selbst die Behauptung bestängr, die fravzö- siiae Regierung habe unter gewissen Bedingungen der russischen Politik im Orient ihre Unterstützung ««geboten. Latz der Besuch mißwng-n ist, unterliegt keinem Zwnfel, da die stLvzöstsch!« Osficiösen sich für die Zurückweisung durch dir Insinuation rächen, Rußland beabsichtige erneu neuen Siurmlauf gegen brn Pariser Bertrag von 1856, Lewer wird dabei das eigentliche Object der bevorstehenden Activa Rußlands verschwiegen. Vorläufig begnügt man sich mit der allgemein gehaltenen Anschuldigung — Zu der ruma« Nische» HaudelèvertragSfrage brinAt die „Ag. Havas" einen neuen Beitrag. Der russische Botschafter in Konstantinopel, General Jgnatieff, habe kürzlich die dortigen Vertreter der übrigen Großmächte zu einer Conferenz über die Angelegenheit kingelavea. Ob öcr sraazöstsche Botschafter an derselben Theil genommen, wird nicht gesagt, wohl aber das Weg- bleiben des englischen Botschafters constatirt. Was über dw Gründe, aus denen Rußland und Oesterreich des Abschluß von Haudeliverträgkn mit Rumänien befürwortet haben sollen, j angefüsrt wird, die im Pariser Vertrage stipulirte selbst« ständigkeit Rumäniens in commereieller Besetzung und daS ' handelspolitische Jäte reffe der Nachbarstaaten, namentlich Oesterreichs, ist nicht geradr sm; wohl aber die Ausführung, ' daß der Abschluß bloßer Zoll-Louveutioneu zwischen den «erwaliurgen, den die Pforte nicht hindern kann, ein unge- nügeubes NuSkaxstSmittel sei. Bekanntlich soll eS bei solchen Conventionen, dem Widerspruch der Pforte gegen den Abschluß von Verträgen xegeuüber, sein Bewenden haben, »a weder England noch Frankreich, wenn sie auch im «rtneip die Auffassung ber Pforte theilen, das erstere aus seiner Rumänien gunpige», das zweite aus der Rumänien uuguiistigei, Neutralität herausgetreten find, so blieb der Psorte nichts übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu mache». 88 jp anzMetzmeu, daß nunmehr die Verhandlungen wegen Revision der türkisch-europäischen Handelsver- mge wieder in den Vordergrund treten werden.
"tum Version, dich der Briefwechsel zwischen Sr. Wchät dem Kaiser Wilhelm und dem Papst über Wien Mhrt worden sei, tritt das Dementi des «Offervatore
Romano" des papstlich-osficiösen Blattes entgegen, welches Ärisch versichert, der Papst habe kein Schreiben des s erhalten.
In auswärtigen Blättern wird viel Aufhebens davon gemacht, daß der Marine-Etat die Koste» der Erhöhung bis Militäc-LtaiL über die dem Reichstage in der voriges Session bezeichnete Höhe des Mehrbedarfs hinaus tragen solle. Wie grundlos diese Behauptung ist, ergibt sich aus der Thatsache, daß für die Deckung der Mehrausgabe« im Miliiäretat für 1875 anderweitige Mittel disponibel sind. Bei der dem Reichstage im Frühjahr vorgelegte« Berechnung war angenommen, daß der Ueberfchuß des Rechnungsjahres 1873, welcher irr de« Etat für 1875 übergeht, 24,195,000 Mark betragen werde. In der That aber beläuft dieser Ueberschuß sich auf 35 Millionen. Er hat also einer Kürzung des Marineetats, von der übrigens in dem Etat selbst nichts oMt.ich ist, nicht bedmft-
Fr-«rfttVt, de« 5. November 1874.
Gestern Vormittag gegen 11 Uhr verunglückte auf dem San tuet Bahnhöfe hierseldst beim Zurückfahren einer Rangirmas chme mit sieben Wagen, welche zum Ausladen nach einer Hipterhalle verbracht wurden, der Rangirmeister Franke. Derselbe hatte fich unvorsichtiger Weise an eine Stelle der Anfahrt begeben, wo diese von den Wagen nur in ganz geringer Eatsernuug passirt wurde«. Hier wurde er von den Wagen erfaßt und derart zusammengepreßt, daß er nach wenigen Minuten den Geist aufgab.
Heute Morgen gegen halb sechs Uhr entstand in einem Stalle des Hauses Jadengasse 157 durchU «Vorsichtigkeit eines Fuhrknechtes Feuer, welches jchoch durch dir herbeigerufene Feuerwache alsbald gelöscht wurde.
Am jüngsten Samstage wurde unter Zuziehung des Hrn. Kreik-PhystkuS, SanitätSrathS Dr. med. Klotz, auf Lem neuen Märkte polizeilich eine Revision der zum Verkauf auSgestell- tea Waaren vorgenommen, u« etwaige Verfälschungen zu eonstatireu. Der Revision wurde insbesondere Butter, Brod, Wurst und Käse unterzogen. Die vorgenommene Prüfung ergab keine Verfälschungen dieser Artikel. Wie wir hören, sollen diese Revisionen in kurzen Zeiträume« »«vermuthet wiederholt werden. Verfälschte Waare würde natürlich sofort . confiscirt werben und die Bestrafung der betreffenden Händler und Fabrikanten zur Folge haben.