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Antelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter srachrichte« als Extrabeilagen

. oII

(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

No. 258 Dienstag HM 3 November L874.

Uebrrblick der Ereignisse im Gebiete der

Politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 3. November. Aus München theilt man auf glaubwürdiger Quelle Folgendes mit:Bon amtlicher Seite werden mit einem gewissen Eifer die Ge­rüchte dementirt, nach welchen der König von Bayern mit seiner Mutter. i« Folge der Uebertritts der letzteren zum Katholicismus überworfen sei, wie auch, daß die Könizia-Mutter demnächst in Rom ihren Wohnsitz nehme« werde u. f. w. Die Gerüchte hatten bei den mit den Verhält- irisiert Vertranten niemals Glauben gefunden, da sie den that­sächliche« Verhältnissen nicht entsprachen. Erst am 15. d. M. brachte König Ludwig in Gesellschaft seiner Mutter in Hohen­schwangau zu, wo deren GebmtStag gefeiert wurde. und über- dies wird versichert, daß die Couverfiou mit voller Zustim­mung «ud Billigung des Königs erfolgt sei, der nicht ohne gewisse Zufriedenheit beim Octoberfest dem Prinzen Adalbert von dembevorstehenden Ereigniß" die . erste Mittheilung machte. Man würde übrigens sehr fehl gehen, wenn man dem König von Baiern etwa Abneigung gegen de« Katholicis­mus andichten wollte. Dazu ist feine Natur gar nicht auge-

»erisch-idealistische Zug i« dem Wesen deS von der Welt sich abgeschlossen haltenden junge« König- dürfte nur zu leicht eine Brücke zu« strenges Katholicismus werde«. Heute mag König Ludwig noch vor Ausschreitungen der Ultramontsne« Aerger empfinden, aber so gan zfrr« steht er Rom nicht mehr. Seit einem halben Jahre will die verkante Umgebung deS Königs größere Hinneigung zum Mysticismus Wd zur Legeu- despotste bemerken; auch die Leetüre des Fârftr«, heißt es, »«fasse mehr geistliche md areetisch« Werke, als jemals 'Ä«. Fenelon, Bvsiuet, Thomas von KempiS uvd Sale'S «Philothron* solle» rasch nacheinander gefolgt sein Md auf den mit asketische» Werken früher wenig bekannten sehr em- Pfä«glichtu König eine äußerst anziehende Wirkung geübt babe». NtuesteuS ließ sich der König die Confessiones des â"^^k"^ patriftischeSchriften bringen, kurz, die heid- Nischen Clasflker und Richard Wagner scheinen mehr zurück« gedräutzt zu sein und weniger profanen Autoren Platz gr- ^^St âu habe». Man signalistrt in Hofkreisen auch ganz ernstlich eine nahe bevorstehende Wendung deS Königs nach S ßreagglänbig« katholischen Seite hin, die selbstverständ- 2.^"^ Rück-oirkang auf die baierische Politik «ach innen und außen bleiben «nd hen OivA^nfitttH?* he» h»«t.

Gestern Morgen gegen 5 Uhr versuchte ein junger, 20-jähriger Mensch vuS Sieges der hier zur Zeit wohnhaft ist, durch eines Mefferschnitt in den Hatt sich das Leben zu nehme». Als er in Folge des SchnttteS Schmerzen gespürt hat, scheint er seine, dem Benehmen «ach tu Folge «nglück- licher Liebe gefaßten Selbstmordgedanken aufgegeben zu habe«; beim alt er aufgefunde« wurde, war er zwar durch den Blut­verlust bewußtlos, aber doch nur unerheblich ' ' in da» Hospital zum Heilige« Geist geschafft er wahrscheinlich in Kurzem von Werthers Leiden genesen wird.

Aas dem Main-Reckarbähnhofr wurde gestern Morgen gegen 7 Uhr ein Post-Pükerträger von dem Paffrr einer a«- sahrendm Loesmotive, an welcher er, als dieselbe noch 8 bis 10 Schritte von ihm entfernt war, vorüberzulaufen gedachte, erfaßt und derart zur Seite geschlendert, daß er befinnung«- 1 - _......: -*- "'77 *"**» 'i v» vw»t*H»M» w»w* «eu# los zusammenstürzte und in das Hospital zum heiligen Geist innen und außen bleiben und denKirchenk-mpf" den deut- ' aufgenommen werden m«ßte. Der Bemuglückte war seither

schm StaatrmSnuern erschweren würde. Mehr oder minder daS läßt sich nicht läugnen ist der bayerische Hof «ltramsutas angehaucht, und gerade seit die kirchliche« Wirren schärfer in dem äußer?« politischen Leben ausge­treten sind, trete« die Symptome dieser Aesinnugen deutlicher hervor. So ist z B. die verbürgte Nachricht von keiner Seite bestritte« word?«, daß sowohl Prinz Ludwig, der älteste Sohn des Brinzen Luitpold und Nräsumtive Thron­folger, wie auch Prinz Adalbert ihre Söhne in das Pen­sionat der Jesuiten in Feldkirch »Stella matutina zur weite­re Trzirhusg schicken werden. Hie Gemihli» deS erstge- »au«tes Prinzen, die österreichische Erzherzogin Maria Theresia von Este eine nahe Verwandte bei Grafen Thambord, welche ihrem Gemahl eine Mitgift von nahezu zwei Millionen mttbrachte, kann übertzanpt als die eigent­liche Protectsrin aller kirchlichen Orden, Congrèsatiouen und Bereise auaesedm werde», wenngleich sie Md ihr Gemahl persönlich sich sehr vorsichtig von allesDemonstratioLe« fern halten. Eine Ausnahme von her dem ganze» Hrsse an- kl- Senden streng kirchlichen Richtung macht merkwürdiger Weiss der Bruder der Prinzen Ludwig, der mit der öster­reichischen Kaislriochter Gis lr vermählte Prinz Leopold. Nicht etwa, daß nicht auch er gut katholisch wäre, aber er ist nichts weniger als ultramontan, im Gegentheil den Uitra- «outauen sichtlich abgeneigt.

Frankfurt, den 3. November 1874.

Er wurde

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