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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt o. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nach richte« als Extrabeilage. — o —

(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 2SH

-44 Samstag dm 17 Oetov-r 1874»

Nebrrblick der Ereignisse im Gediete der politischen und materietten Interessen.

gAgeromNe«

ZMttkfE, den 17. October. Die Affaire Arnim fährt fort, i« der öffentliches DiÄsssisn die erste Stelle zu behaupten. Die zahllosen Ungereimtheit?«, welche über fie kalpoltirt werden, zu beiruchte« und zu widerlegen, wäre eine ebenso nutzlose, wie unmögliche Arbeit. Wohl aber verdient die direet aus Arnim'schen Kreisen erfolgte Veröffentlichung noch eine eingehendere B^chtua«. Dieselbe stellt, was die Hauptsache anbetrifft, nämlich die Nstur der von Arnim za- rückbehaltenen Actenflücke, Behauptung gegen Behauptung. Sie hält baten fest, daß die fraglichen Actenflücke Privar- briefe seien, während vom Auswärtigen Amt bekanntlich bat Gegentheil versichert ist und Las Gericht durch f»Uen Beschluß mindestens die Wahrscheinlichkeit dieses Gegentheils vorläufig avgeromme« hat. Man wird dadurch nur auf'L Neue daran erinnert, daß es sät das Publikum »mmSglich ist, ein wirklich objective?, durch Beweise belegtes Urtheil zu gewinnen, Hi­das Gericht die Untersuchung vollendet und auf Grund der Beweisstücke, insbesondere auf Grund des Inhalts der betref­fende» Wcten sein Urtheil gefällt hat. Ob die Eklärung am Schlüsse jener Publication, daß nâWlich die Schriftstücke nun allerdings, aber ohne die Schuld und gegen den Wunsch der Grafen Arnim bekannt werde« würde«, bedeute« soll, daß die Actenflücke jetzt irgendwo auf literarischem Wege zur Ber« öffentlich»«« gelangen werden, ist nicht ganz klar. Ma« kann darunter auch die Uebergabe der Dcc mente an das Gericht verstehen. Da» eine sonstige Veröffentlichung im Höchste« Maße zu bedauern und die Schuld derselbe« trotz Allem, mo­ralisch wenigste»», den Grafe« Ar«im treffen würde, liegt auf dèr Hand.

Der weitaus größte Theil der in Rede stehenden Apolo­gie betrifft übrigens nicht die eben erörterte Rechtsfrage, son­dern sucht die politischen Verdienste Arnims und seine Schuld- losigkeit bä dem Soffet mit Bismarck drrzutbun. Bedenklich an dieser Darstellung stad nur theils die Uebertreibungen, theils die großen Lücken.

Jedermann, der den Gang unserer deutschen Kirchen- politik kennt nnb weiß, daß dieselbe bereits im Jahre 1871 den Bruch mit Rom vollzogen, der ferner die Actenflücke ge­lesen hat, welche in diesem Frühjahr in der Wiener .Preffr" durch Arnim nnb in Folge davon in der Berliner Regierung-- preffe durch Bismarck veiöffentlicht wurden, wird mit äußerster Verwunderung den Satz lesen, daß die jetzige Kirchenpolitik

. d-s Reichskanzlers bis inS letzte Detail de« Vorschläge« bei Grafen Arnim entsprechen soll. Solche Behauptungen sind Thorheit, da das Gegentheil davon sich bereits aus den bet* öffe» Hirten Doenmenten «schweifen läßt. Ob Arnim eine Zeit lang zum Adlatus der Reichskanzlers ausersehe« war, ob er die Republik in Spanien voransgesehen hat «. s. w., ist für die Beurtheilung seine» Conflictes mit dem leitende« StsatSmsu» gleichgiltig. Nicht seine geistige Bgabung ist ja von der Gegenseite ««gegriffen, sondern er ist von dieser Seite nur behauptet worden, daß er nicht im Stande aewesen sei, sich unterzuordnen, und daß er feine persönlichen Wünsche nnb Abneigungen über die StaatSintereffen gestellt habe.

Als eigentlicher Ausgangspunkt des Conflicts zwischen b<tt beiden Staatsmännern wird in der Publication der Um* steud bezeichnet, daß die in .Privatbriefen" an de« Reichs­kanzler nach Barziu gerichteten Mittheilungen über die drohen­de« Fortschritte der republikanischen StaatSform an maß­gebender Stelle zur Kenntniß gebracht seien und dort erufl« Bedenken erregt hätte«, denen wahrscheinlich auch Ausdruck gegeben sei mag dann den Reichskanzler verstimmt habe. Hier bleibt vor Allem dunkel, durch wen die Mittheilungen ArntmS an maßgebender Stelle .zur Kenntniß gebracht" wurde«. Am auffallendsten a er ist, daß über die im April l. J. in der Wiener .Presst" erfolgte Veröffentlichung amtlicher Akten­stücke, die schon damals eine DisMiNaruntersuchung gegen Arnim Hervorrits und Alle», was damit zusammenhäugt, ab­soluter Schweigen beobachtet wird. Der Vertheidiger des Grafe« wird selbst zugrben mässen, daß noch viel mehr Licht erforderlich ist.

Aus der Stâhe.

* Erbach, 15 Oktober. Dieser Tage wird Capitâr» Carl W e y «recht im elterliche« Hause z« Köm? eintreffe», wo er sich 2 Monate aufznbaltk» gedenkt.

* Pforzheim, 14, Oktober. Die Dèrectioa der Heil- u«d Pflegeanstalt hat btm dortige« römiften HauSgeistlicheu sammt seinem Kaplan er einstweilen untersagt, irgend welche Funktionen in bet Aystalt vorzunehwen. Ursache hiervon sollen zwei Predigten s«n. -iu denen die Bireetto« eine Auf- fordern»« an da« Dienstpersonal zum Ungehorsam erblickte. Ane deflnflivs «ütscheidunL bei Ministeriums bei Innern hierüber wird erwartet.