Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage
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(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
Rs. 288
Dienstag Äsn 29. Septemver
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Uebrrblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
FrsEnrS, den 29. September. (Die russische Politik in Spanien 1 Die politische Saison morte hat wohl ihren Avtheil daran, daß ein großer Theil der europäi« s tzen Presse ihre Spalten mit den lächerlichsten Nachrichten, z. B. der von bat beabsichtigten Einziehung Dänemarks in das Deutsche Reich, von der Lnwrsenheit preußischer Agenten in Algier und ähnlichem U-rstm zu fällen sucht. Besonders ist die Art und Weise- wie der Brief des Kaisers Ä-xrsder plötzlich in gewissen Zeitungen als ein .Ere-g^iß von höchster politischer Bedeutung", als eine vor den Auam der Welt vollzöge«; „vollständig? Trennung Rußlands von Preußen" bejubelt wird, höchst auffällig DaL politische Verhalten d-S Staates Rußland in der spsnifchen Angelegenheit und die Berührung oder vielmehr Nichrberührsng seines Verhältnisses zu den ästigen Staaten und der übrigen allgemeinen Lage Europas durch seine besondere Stellung gegenüber Spanien, ist bei Gelegenheit der Anerkennung der spanischen Regierung auf amtlichem und halbamtlichem Wege so klar hingestellt worden, daß ein persönliche Schreibe« des Kaisers von Ruß« land an Don Carlos, dessen wahrer Inhalt unbekanut ist, keine neue Bedeutung haben könnte. Immerhin vorausgesetzt, daß der Brief dem Inhalte nach ganz zur Zufriedenheit des Prätendenten Carlos ist, so müßte er, um wirkliche politische Wichtigkeit zu haben und ehe politische Wirkang hervor,«bringen, wen« man nicht etwa annehme» will, daß er das Versprechen russischer HülfStruppen enthält, — was zu glauben doch sür politische ernste Männer schwer sein dürfte, — doch tot allen Dingen veröffentlicht werden. Der Adressat hätte sonst eine verhüngnißvolle Sehnlichkeit mit jenem Havptmanne, dem sein oberster Kriegsherr auf der Parade ins Ohr flüsterte: Sie sind Major, aber ein Schurke, wer'S weiter fa st! Wir wvllm keine weiteren Coujeeturen daran knüpfen, sondern den einzigen MM, den die Courtoisie von Don Carlos ihm daraus zu veröffentlichen gestattete, daß el wünschenSwe-th wäre, daß der jetzige Zustand der Dinge in Spanien bald ein Ende erreichte, aus vollem Herzes unterschreiben. UebrigeuS meinen wir, daß, was der Brief auch enthalte« möge, er bester ungeschrieben geblieben wäre, oder auch nachträglich, nachdem Don Carlos durch die Veröffentlichung in seinem Organe den Jubel der anti-deutsche'« Presse aller Länder veranlaßt hat, seine vollständige Veröffentlichung russischerseits veranlaßt werden sollte. Rußland
kaun Li« Interesse haben, dem spanische« Prätendenten und de« Consequenzeu, die sich a« die Veröffentlichung dieses Briefes knüpfen, Mittel zu bieten. Für Rußlands europäische Stellung ist d-r Besitz seiner Antheils von Pole« eise Lebensfrage; der Verlust derselbe« würde den russische« Kaiserstaat avg der Reihe der europäische« Mächte auSstreichen. Mr Deutschland,ist die pol«ische Frage immer nur eine
Machifrage zweite« Ranges. Kaiser Niklaus wie sein Sohn SiWÄM ÄS ft Traditionen Rußlands nicht entsprechend, Zweifel zu erheben gegen die Berechtigung des königlichen BrterS der Isabella zur Feststellung der Thronsizlgeordauug. Don Carlos ist nach den eigenen RrgierurgSs eten Al-x ander'S nichts Ar deret als ein Rebell gegenüber Isabella und ihrem Sohne, ein um f# schlimmerer Rebell, als s-ine Stellung ihm besondere Pflichten «uferlegt. Kaiser Alexander konnte Serupel finde«, Serrano anzuerkennen, beffm Gewalt eine unreMmäßige ist; dies aber bringt ihn der Anerkennung bei Do« Carlos noch um keinen Schritt nährr. Der Brief Alexanders an Don Carlos wird sich voraussichtlich als ein kaiserliches Impromptu Herausstellen, das sich wie eine leichte Arabeske um die sonst ja so ernsthafte Politik Rußlands schlingt.
«uferleat. Kaiser Alexander konnte anzuerkennen, deffen Gewalteine unre bringt ihn der Anerkennung deS Do«
Aus der Stâhe.
* Fulda, 27. Sept. Allgemeines Aufsehen erregt hier dir-rfolgt- Verhaftung des Fabrikh-sitz-rs Wagner, eines Ler geartetsten Männer in unserer Stadt, wegen angeblicher Bücherfälschana. Die gefängliche Einziehung soll vom Reichs- Oberhandels-Äericht in Leipzig beantragt worden sein.
* Darmstadt, 27. Sept. Der frühere russische Gesandte in uvse.er Stadt, Graf Bruanow, zuletzt Ge andter i« London, ist wieder hierher gezogen und will seinen bleibe «de« Aufenthalt hier nehme».
»Dresden, 28. September. Die vierte allgemeine Tovfere«, für die .Europäisch; Gradmessung" ist durch de« Bckprâstbeutru der permanenten Commission, Dr. Bauernfeind, eröffnet und weiten« der sächsischen Regierung durch den Mi> mster v. Friesen begrüßt worden.