Intelligenz-Blatt der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
Ns. ZL6 Samstag den 26 September £874.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der potitischen und ‘ “ Interessen.
Frantfnrt, den26. September. Der Stapellauf der Vanzerfregatte „Friedrich der Große" insbesondere, sowie die Entwickelung der deutsche» Marine im Allgemeine« geben der „Times" Anlaß zu einem bemerkruswerthen und sehr wohlwollenden Leitartikel. in dem es u. A. heißt: „Unsererseits erblicken wir in dem EnthusirsmaS, welcher den Stap-llauf des Panzerschiffes in Kiel begleitete, ein gesunder und boffnuugSvollrS Zeichen für die neue deutsche Nationalität. England wird das letzte Land sein, ein solches Schauspiel mit irgend etwas wie Eifersucht zu betrachten. Die Deutschen des Festlandes fi-d nur um ein Geringes weniger mit uns verwandt, als zur Zeit, da unsere Bor Väter vor mehr alS 1000 Jahren dieselben Niederungen, die soeben Zeuge dieses inte* reffanten Schauspieler waren, verließen; und wenn Natur und der Gang der Ereignisse unsere eigene Raee so weit begünstigt haben, um unS ein bemerkenswertheS Uebergewicht der Macht auf den Meere« zu verleihen, können wir es um so besser bestreiten, mit Behaglichkeit Andere in gegenseitigem Wetteifer nm untergeordnete vortheilhafte Stellungen begriffen zu sehen. ES ist nichts vorhanden, um nur die Marine-Fortschritte einer Macht, deren territoriale Consolidirung wir immer mit Befriedigung beobachten, mit weniger Beifall betrachten zu lassen. Wir sind sogar stob, zu beobachten, daß ein solcher Fortschritt die von der festländischen Stellung der neuen Reiches noch unzertrennliche Besorgniß beschwichtigt. Wir wünschen Deutschland in einer Stellung permanenter Sicherheit zu sehen, in dem Glauben, daß die erfolgreiche Lösung einiger unserer eigenen scc-aleu Probleme in großem Maßstabe von seiner herzlichen moralischen Unterstützung ab« hängt. ES ist kerne Kleinigkeit, eine hauptsächlich protestantische, aber tolerante Nationalität, die zu gesundem, csnstitu- tionrllem Fortschritt geneigt ist, durch sehr ähnliche Interessen geleitet und durch eine entsprechende Politik beeinflußt wird, a« unserer Seite zu habe». Wirsehe« uns vergeblich anderswo nach einer solchen moralischen Unterstützung, in hinreichendem Maßstabe von Wichtigkeit für das Gleichgewicht europäischer Macht, um. Vielleicht mögen wir eine praktische Lehre aus den Anstrengungen ziehen, welche die Deutschen zur Vergrößerung der Bedeutung ihrer Marine machen. Die deutsche Marine scheint in einer oder der anderen Weise in Beziehung zu unserer eigenen, «ach einem sparsame« Maßstabe verwaltet zu wer
de». Sie scheint im Berhält-nß zu ihrer nummerische« Mach wirksamer vrganisirt und sparsam bemannt zu sei«. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Deutschland eine besser «nterrichtete und leichter zu handhabende Classe von Seeleuten als unsere eigenen gewährt und daß die verhâltnißmäßig kleine Anzahl ein größeres Aufgebot für EoeutualitStea läßt. Wir find i« dieser Beziehung notorisch mangelhaft. Groß, wie unsere Flottenstärke ist, muß sie um ein voller Drittel vergrößert werde«, wenn immer die Zeit für die vollständige Bemannung unserer Marine kommen mag, und woher solle« die Mann« schäften kommen? Wie sollen sie auSge-ildet werden? Deutschland hat im Vergleich eine kleine Flotte, aber sie ist vollse- mannt. Sie ist spärlich bemannt, aber wir können gewiß sein, daß jeder Mittel augewendet wird, um die Seeleute in alle« modernen Offensiv- und Defensiv-Borkehrnnge« gründlich geschickt zu mache«. Die Deutschen beginnen etwas, was für uns ein alter nationaler Beruf, mit vielen Vortheilen. Weder von dem wissenschaftlichen noch von dem ökonomischen Gesichtspunkte auS kann dieser Land er bestreiten, solche Erfahrung, als wir zu zeigen haben mögen, zu verachten, und es ist zu hoffen, daß Die Mittheilung dieser Erfahrung eine bereits wohlerrichtete Gemeinschaft nationaler Zwecke und nationaler Interessen ermuthigen mag."
Atts der Nähe.
* Mainz, 24. Sept. Der zweite protestantische Pfarrer dahier, Herr Bauer, ist auf einer EcholuugSreise im Odenwald in Folge eines Schlaganfallt plötzlich gestorben.
"Wiesbaden, 23. Sept. Diese Woche hat Herr Kohlenhändler Franz Brau» dahier ca. 40 seiuer Brieftauben von Höchst und Frankfurt a. M. ausfliegen lasse«. Dieselbe« legten die Strecke von Höchst nach Wiesbade« in 20 Minuten, die Strecke von Frankfurt a. M. bis dahin in 25 Minuten zurück und kehrten insgesammt, nachdem sie auf dem Dachs des Braun'sche« KshleumagazinS angekommeu, sofort in ihre« Schlag zurück.
* Büdingen, 24. Sept. In Folge der Bürgermeister- Wahl kam er in dem benachbarte« Kalbach a. Haag Wege« angeblicher Wahl-Bestechu«g zu einer heftigen Schlägerei, in der ein Mann mit einer Axt erschlagen würd«,