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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage

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(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

Ro. 208

Samstag dm 8. September

1874.

Ueberbiick der Ereignisse im Gebiete der 'politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 5. September. Bo« guter Hand wird uiz bestätigt, daß im Cultus Ministerium ein Gesetzentwurf über die Verwaltung von Pfarr-, StiftungS- und Airchenvermögen ausgearbeitet worden ist, wel­cher gegenwärtig dem Staatsministerium zur Berathung vor­liegt. Äs den zustimmenden Aeußerungen der Minister zum Tenor deS Gesetzentwurfes wird es nicht fehlen, weil sie im Principe mit den Hauptbestimmunzen einverstanden sind. Es läßt sich also voranSiehe«, daß dis wichtige Gesetz aus dem Ministerratb« unverändert hervorgehen und dem Landtage schon bei Eröffnung seiner Sitzungen vorgelegt wird. Das Gesetz ist selbstverständlich darauf angelegt, den hierarchischen, sowie den ultramontanen Bestrebungen der Geistlichkeit eines wirksamen Damm dadurch entgegenzusetzen, daß die Rechte der Laien und deS Clerus streu« begrenz' werden

Gutem Brrnehmen noch, steht die Eröffnung des Reichstages für den 20. Oe ober bereits so fest, daß die bevorst-dende Zusammenkunft bei Fürste« Bismarck mit Herrn i Delbrück in Baezin an dem Beschlusse kaum etwas äsder» ; dürfte. Die organischm Justizgesetz: werden dem Reichstage bei seinem Zusammentritt sofort zugehea «ud derselbe wird eine PermanenzcoNAissio« zu ihrer Prüfung nièdsrsetzr«. Bon einem Eintritt tu sie Berathung dieser wichtigen Gesetzent­würfe während der Wmtersess on kann füglich keine Rede sein. Der Reichstag wird mit dem Budget und vornehmlich mit dem Militäretat vollauf beschäftigt werden. Nach Reujahr wird seine Vertagung eintreten müssen, um dem Landtage Platz zu machen. Während der Landtagèsitzunge« wird die Permaaenzcommissio« der Reichstages in die Berathung der Justtzgesetze treten nud in parlamentarischen Kreise« wird an­genommen, daß sie ihren ersten CommissionSbericht bis zum Schluffe deS Landtages fertig stellt. In diesem Falle dürfte eine Frü-jahrssessiW deS Reichstages anbernumt werden müssen, um die Berathung der Justlzgesetzr im Plenum vor­zunehmen.

Heute beginnt im Reichreiseubahnamte die Cou- ferenz von Delegirten der deutsche« Sisenhahnverwsltsngen zur Beratbunz über den Wiuterfahrplau. Wie m m erfährt, geht die Abstht der Reichs Behörde u. A. dahin, daS Jueinan- 1 dergreifen der Züge auf den einzelnen Routen zu sicher«, Fahrt- und Aufenthalszeit, resp. Wartezeit auf Auschlußsta- ! ttonen zu regeln und daneben auch die Frage wegen Beglei­

tung durchgehender Züge durch dasselbe Zugpersonal, zur Sprache zu bringen. Ergänzend hierzu können wir «mhei- le«, daß der neue Präsident de» ReichSeisenbahnamteS, Mau­bach, vorwiegend die praktische« Seiten seines Amtes in'S Auge faßt, während sein Borgänger, Präsident Scheele, mehr theoretische Gesichtspunkte verfolgen zu müssen glaubte. Die Folge davon wird unzweifelhaft die sei«, daß das Publikum in Zukunft mehr, als dies bisher der Fall war, auf den deutschen Sisenbahae« Berülstchtirung seiner Wünsche und seiner Bequemlichkeit finden wird; wenigsten« ist es Thatsache, daß heute schon viele Bahudireettone» den Ideen de» jetzige« Chef» des ReichseisenbahnamteS Rechsung M tragen beginnen.

Die russische Regierung zeigt ein lebhafte»Inter­esse, ihre friedlichen Gesinnungen gegen alle Welt «ach außen zu bekunden. Go läßt sich anläßlich einer neuen autographir- teu Correspondenz au» St. Petersburg. die darauf htngewie- sm hatte, deß »Rußland über kurz oder laug dazu berufen sein dürfte, eine machtvolle Stellung voll gestaltender Kraft im Südâu Europa'« auszufüllen", jetzt eine offietöse Stimme von der Newa vernehmen, welch« diesen Gatz unbedingt ver­neint und das Bestreben Rußland» hervorhebt, «irgend» etwa» Anderer, als ein guter und wohlwollender Nachbar zu sein. Man kann derartige Versicherungen al» verbindliche Redensarten ja wohl hinnehme«, aber in der Regel erwecken sie, zumal wen« sie zuviel verspreche«, begründeten Verdacht. Im Uebrigen ist ja die Freundschaft Rußlands für die Türkei historisch genug, um ihrem volle« Umfange nach, gewürdigt zu werde«; man hat in Petersburg nicht nöthig, diese« Punkt der russischen Politik dem übrige« Europa klar zu lege«.

Aus der Stâhe.

"Hedderheim, 2. September. Ei« junger Kauf­man« aus Offenbach hatte hier eine Angebetete, von welcher er aber einen Korb erhielt. Er schrieb hierauf, daß er heute kommen und es das« fein oder ihr Leben kosten werde. Selbst­verständlich wollte die Mitbedrohte nicht so juvg sterben, und als sie den Gegenstand ihrer früheren Liebe um die Ecke kom­men sah, sprang sie in eine andere Stube und versteckte sich. Als der Heißblütige seine Angebetete nicht fand und die Ant­wort erhielt, sie sei au» und komme erst spät zurück, erschallte ein Schuß; die Kugel drang dem Unglückliche« durch die Hand. Nachdem derselbe ärztlich verbunden, ließ «an ih« unbehelligt weiter ziehe«.