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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frmlkfilrt a. M., verbunden mit den Frankfurter gia^tic^ten als Extrabeilage.

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(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

Ko. 208

Samstag 5m 29 August

1874.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 29. August (Don Karlos und seine Familie.) Dsv Karlos, der TH:o«prätMd?nt, ist bereits der dritte Pseudoköaig EnanienS; er nennt sich be# k-untlich Karl VII Der letzte weiche König dieses Na- ntenl war Karl IV., der 1808 von Nspoleon I. zur Abdan­kung gezwungen wurde und 1819 m Rom starb. Sei« ältester Sohn Ferdinand VII. schaffte 1830 ^s von seinem Ahnherrn Philipp V., dem ersten Bourbon auf dem svanische« Throne, eiRgeführte salisSe Gesetz ab, um die Succession seiner Tochrer Isabella II zu sichern. Ferdinands jüngerer Bruder, der J«fa»t Karlos (geb. 1788), trat nach dessen Tode (1833) als Kronprätendent aus und wurde von der nach ihm benannten karlistischen Partei Karl V. geheißen. Der erste karl. Krieg dauerte biß Id39, wo der Prätendent durch die Siege LSpar- tero'S gezwungen wurde, Spanien zu verlassen. Le starb am 10. März 18 öS zu Triest, nachdem er schon 1845 seine An­sprüche an seinen ältesten Sohn Karlos, geb. 1818, übergeben hatte. Dieser, Karl VI. genannt, war unter dem Titel Graf von Montemolin in Bourges inienirt, entwich von da im September 1846 und ging nach Triest. Bon da aus «achte er am 3. April 860 mit seinem zweitjkogsten Bruder Fer­dinand (geb. 1824) zu Torlosa einen Versuch, Isabella zu stürzen, der dem General Ortega das Leben kostete, während beide Brüder gefangen wurde«. Beide starben bald nachher, der jüngere im vermählt am 2. Januar 1816, Graf von Monte- molin am 18. Januar desselben Jahres zugleich mit seiner Ge­mahlin, Karoline von Neapel, einer Sch vester der Königin Marie Christine vo« Spanien. Da Karl VI. kinderlos starb, gingen dessen Ansprüche auf seinen Bruder, Do« Juan, geboren 1822 über, der dieselben am 3. Oktober 1868, als die Septemkerrevorulio» Jsadella's Türo« gestürzt hatte und neue Aussichten für die ksrlistische Partei sich er- üssuet v, auf seinen ältesten Sohn, Don Karlos (Karl ¥11. genannt), abtrat. Dieser ist am 30. März ±848 geboren, also jetzt 26 Jahre alt und seit 1867 mit der Prinzessin Margaretha von Parma (geb. 1 Januar 1847), der ältesten Tochter des 1854 ermordete» Herzogs Karl 111. und der Prinzessin Louise von Bourbon, Schwester des G-afe« von Chambord, vermählt. Don KarloS hat bis jetzt 3 Töchter: und einen 1870 geborenen Sohn, Don Jâvme (Jskob), der den Titel Prinz von Asturien führt. Wie durch seine Ehe, ist Do» KarloL auch durch seine Mutter, die Prinzessin Bea­

trix von Modena, jüngere Schwester der Gräfin von Cbam- bord, ein Neffe des französischen Throuprätendente». Sein Bruder, der oft genannte Iufant Don Alfons (nicht zu ver­wechseln mit dem jetzt 17jährige« Sohne der Ex-Königin Isabella, der auch Prinz von Asturien heißt), ist 1849 gebo­ren und seit 1871 mit der ältesten Tochter des portugiesischen Prätendenten Dom Miguel, der Prinzessin Maria dar Neves (Maria vom Schnee), vermählt- die am 5. August 1852 ge­boren ist. Warum die Prinzessin den Namen Donna Blanca snuahN, unter welchem sie, wie bekannt, an der Seite ihres Gemahls en dem Kriege Theil nimmt, ist nicht erklärlich. Sollten nicht, wie schon von anderer Seite gemuthmaßt wurde, Donna Maria das ReveS und Donna Blanca zwei verschiedene Persönlichkeiten sein? Letztere« Ramm führt die älteste, 1868 geborene Tochter der Don Karlos.

MM des 8tiM

* Aschaffenburg, 28. August. Me wir versehme», wurde vor einiger Zeit such Herrn Bürgermeister Will in An­erkennung seiner Thätigkeit für Kranke und Verwundete wäh­rend der Krieges 1870/71 von sr. Maj. dem deutsches Kaiser der preußische« Kronenorde« verliehen.

* Kassel, 25. August. Hier tagte dieser Tage unter zahlreicher Betheiligung der Fachgenossen die 6. ordentliche Seneraiversarrmlung des VereinsDeutscher Eisengießereien-, welche sich, außer mit verschiedenen volkSwirthschastliche« Fra­ge«, mit der gegenwärtigen geschäftlichen Lage der Gußwaa- re«' Industrie eingehend beschäftigte. Bei der au» alles Ge­bieten Deutschland» berichtete« entschiedenen Besserung bei Geschäfts wurde« mehrseitig Anträge auf eine allgemeine Er­hitzung der Berksufspreife gestellt. Indesit« beschloß die Versammlung, sich für die gegenwärtige Saison auf eia ent» schieden es Festhalten an den bestehenden Preisen zu beschränke».

"Vom Rhein. Die Weinlese i« de« Rhein- und Mo­sel-Bezirken, insbesondere da, wo die beste Klasse von Weinen erzeugt wird, dürfte für die unglücklichen Jahre 1869, 1870, 1871, 1872 und =873 Entschädigung le ste«. In dem Rhein­gau ist seit dem berühmte« Kometeujahr 1811 seine solche Quantität bekannt gcwese«. Die Besorgnisse, daß die »eiliges Maifröste, wie in früheren Jahren viel Schsde« unter oe« Weinstöcken anrichtm würde«, haben sich al» gänzlich ««be­gründet erwiese», und el ist die schönste Aussicht rorhanden, daß die Weinlese von 1874 in Quantität wie in Qualität eine ausnahmsweise großartige sein wird-