Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage
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(Expeditton am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
No. 193
Dienstag den 18 August
1874.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der palitischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 18. August Es ist für den Getreide- Handel sehr wichtig, zu wissen, wie sich die Ernte in alle« konkurrirenden Ländern gestaltet, da man nur auf Gmnd dieser Berichte ei« Urtheil über die Richtung, welche der Ge- trèideverkehr oinschlaqen wird, zu fällen im Stande ist. Um den Leser« ein Bild der diesjährige« Produktion zu gebe«, wolle« wir die bis jetzt vorliegende« Rachrichte« über den Ernte-Ausfall zusammenstellen.
Süddsutschland ist von einer nach Güte und Menge sehr guten Ernte begünstigt. Besonders fällt Waize« ausgezeichnet schön aus, wogegen Hafer in der Pfalz und in Niederbayern sehr gut, in Oderbayern und Schwabe« «ur ziemlich gut ausfällt
Norddeutschland dürfte i« Waize« nahea«90Prz. einer Lurchschnittsernte, in Roggen aber kaum 80 Prz. einer solche« einbriuge». Ebenso lückenhaft zeigt sich die Haferernte. Der eigene Bedarf an Brodfrucht scheint nahezu gedeckt.
Ungarns Ernte ist die beste seit dem Jahre 1867, sie liefert in Walzen einen guten Mittel-Ertrag und besonders schöne Qualitäten; in Rogge« einen Mttelertrag und ebenso gelungene Qualitäten; in Gerste eine volle Miltelernte, deren Qualitäten in Folge der Dürre gelitten; in Hafer eine Mittelfechsung mit leichtere« Qualitäten. Sehnlich ist der Srute- Autfall in den übrigen Ländern des österreichischen Kaiser- thum»; bei Waize» und Roggen dürfte die Schüttung »och etwas besser als in Ungarn ausfallen. Die theilweise Mißernte in Böhmen und die in Steuermark durch Ueberschwem- mung rc. angerichteten Bcrheeruuge» redueiren de« Ertrag der Brodsracht-Crute in Oesterreich auf eine mittlere.
Rußland hat Hoffnung auf eine Durchschnitt-ernte in Weizen uud Rogge«.
Frankreich lobt seine Waizeuernte und wird in diesem Jahre exportfähig sein; die Roggen-, Gerste- vndHafer- Erute ist schwach ausgefallen.
, Olands Ernte-Aursichten sind nicht ganz günstig; es durfte sich das Import-Bedürfniß kaum kleiner heraus- stellen, als im vorigen Jahre; für Gerste wird der Bedarf «och größer sein. Ebenso wird die Schweiz in diese« Ä ÄÄtk0“"“” *" âw° â- w«,
„ ,3 k "lieu hat eine in Güte und Menge ausgezeichnete Ernte Angebracht, und ist bereits mit seinem Uebetuufi auf aurwältigen Märkte» als Berkäuser aufgetreten.
I« Amerika wird der Srnte-AuSfall ei« vorzüglicher werden; Talifornien wird in diesem J-hre dreimal ; soviel ausführen, wie im vorige« Jahre; aber auch alle Staaten der Union rüsten sich zu einem Export, der mindestens so groß sei» wird, als int verflossenen Jahr. Hieraus resultilt die Thatsache, daß fast in alle« Länder«, mit Ausnahme von England und der Schweiz, der Bedarf an Brodfrucht vollständig «deckt ist. Oesterreich-Uvaar«, welche» einen namhaften Ueberfluß an dem vorzüglichsten Getreide besitzt «nd gezwungen ist, denselben zu billigen Preise« über die Grenze zu bringen, wird voraussichtlich ein gefährlicher Coneurreut für unseres inländischen Handel werde«.
Mu» der Näh«.
* Darmstadt, 17. August. Wie wir von zuverlässiger Seite erfabreu, hat da» Ministerium den katholische« Beam-
> ten des Großherzogthums bei Meid«», disetplinarer Strafe« die Theilnahme und Mitgliedschaft am .Deutsche« Katholiken- vereiu" untersagt.
* Würzburg, 15. AuguS. Am 26. und 27. d». findet hier der deutsche Anwalt-tag statt. Gegenstand der Berathung bildet unter Andere« auch der Erlaß einer deut- toea*^wtt31^ 16. August. Unsere Hochschule hat abermals eine neue Lehrkraft erhalten durch die Habitiliruug der seitherigen 1. Assistenten a« chemischen Laboratorium, Dr. MedieuS, für Chemie.
* WormS, 16. August. Dieser Tage reiste« per Belo- eiped zwei junge Mäurer durch unsere Stadt, welche über Mannheim von München kommend, mittelst diese» Beförderungsmittels den Rhein abwärts nach Holland kutschirm wollen. Von dorten werben dieselben über Berlin in gleicher Weise nach München znrückkehreu.
♦ Saarbrücken, 16. August. Die Einweihung det Denkmal» auf dem Winterberg hat am 9. d. MS. unter TbâakMir vieler tausend Mensche« in vroarammmäßiger
Weise stattgefuude«. Der Festzug auS der Stadt auf den Winterberg zählte â 10,000 Personen, darunter viele Srie- gervereine auS der Rheiuproviuz und der Pfalz, sowie zahl
hielt der proteftantischeSeistliche Zillisen auS St. «ruual.
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