Zntetligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbun-en mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. ---—— o —... ---
(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
Ro. 172 ~
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Aelmdiick der Ereignisse im Gebiete der pMischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 25. Juli. Der rühmlichst bekannte Wiener Astronom Rudolph Falb veröffentlicht unterm 20. Juli in der ,N. Fr. $.* einen interessanten Aufsatz, dem wir das Folgende entnehmen: »Der freundliche Leser möge nicht erschrecken, wen» ich ihm mittheile, daß er vor wenigen Stunden seine Cigarre mitten in einem Kometenschweife rauchte, daß Milliarden von Tropfen himmlische« Petroleums mit einer Geschwindigkeit von etwa 12 geographischen Meilen in der Secunde an seiner Nase anprallten, freilich in einer Verdünnung die unsere Homöopathen in Ekstase versetzen müßte, sofern sie eben eine, wenn auch nur homöopatische Ahnung davon hätten. Die Sache verhält sich nämlich folgendermaßen: Der schöne Komet, welcher am 16. Abends zum letzten Male mit freiem Auge in unseren Gegenden sichtbar war, ist nicht verschwunden, weil er etwa sich in die Tief-n des Himmels- raumer zurückzog — im Gegentheile, er steht unS näher als je — sonder« nur seiner nunmetzriae« Stellung zwischen uns und der Sonne wegen. Bei meiner Be echnung am lâ. Juli fand ich, daß an diesem Tage die Länge des Schweifes 8,344,500 geogr. Melle« betrug. Seither hat der Schweis eher zu- als abgenommen; den« am 9. Juli war die Sonnenwärme für den Kometenkopf theoretisch am stärkste«; deshalb mußte die Temperatur auf diesem erst mehrere Tage nachher den höchsten Grad erreiche«. Die Wirkung dieser Wärme ist aber Auflockerung der Kopfmaterie, die in Folge dessen in den Schweif übergeht. Gleichzeitig vermehrt sich auch die (wahrscheinlich elektrische) Repulsivkraft der Sonne, die de« Schweif w nahezu gerader Richtur g auf die entgegengesetzte Seite treibt. Sollte der Kometenkopf vor der Sonnenscheibe vo - übergehen, so ist die Einhüllung der Erde in den Schweif unausbleiblich, da er hiezu am 20. Juli nur eine Länge von 5,952,600 geographischen Meilen zu haben braucht. Aber auch dann, wen« jene Bedingung nicht eintritt und der Komet, wie er die Rechnung will, um 2 Grad westlich von der Sonne durch die Ekliptik geht, so braucht, wie ich durch Rechnung finde, der Schweif an dieser Stelle nur eine Breite von 631,080 grogr. Meile« zu haben, um uns mit seinem Rande zu berühren. Am 18. betrug die Breite des Schweifender nach meiner Beobachtung mindestens 6 Grad, d. i. 681,180 geogr. Meile«, und es unterliegt fooach keinem Zweifel, daß heute die Erde mit« ; ten durch die Nachhut jenes leuchtenden Gaster zieht. In v»«â» venenum I Wie übersetzt sich die» i«S Kometenlatein?
Nach der bisher erfolgte« prismatischen Untersuchung besteht der in Rede stehende Komet hauptsächlich aus Kohlenstoff, also aus Diamanten-Materie. Da sich auch bei de« übrigen, bisher analystrte» Kometen ein ähnliches Spectrum zeigte, so wird erklärlich, wie das Gerücht von dem „diamantenen Ko- meten", das kürzlich durch dir Blätter lief, entstehe« konnte. Ja, ein Franzose behauptete sogar, daß alle unsere Diamanten nur clvstallisirte Kometen seien, die in der Vorzeit auf die Erde fielen. Fossile HimmelSkSrprr wären ti demnach, welche die Reize unserer Damen erhöhen. Go zweckmäßig eine solche Auffassung für einen Bortrag im Boudoir jein mag, der rauhen Raturforschung, die uach Wahrheit geht und daher keinerlei Galanterie kennt, vermag sie nicht Stich zu halten. Der Diamant wird auf der Erde nicht in beliebige» Schichten augetroffeu, wir das nach der erwähnte» Hypothese sein müßte; er sind t sich fast ausschließlich nur im Jthacolu- mit, einer schieferige» Frlsart, weshalb sein Ursprung auf der Erde und nicht etwa am Himmel gesucht werden muß. — Ferner ist es unwahrscheinlich, daß Kometen auS reinem Kohlenstoffe bestehen; die bisher untersucht« ; Himmelskörper dieser Art enthielten Kohlenwasserstoff oder Stickstoff. ES ist daher wahrscheinlich gewor es, daß der Kopf eines Kometen flüssige KoSlenw ffserstoff-Berbindungen enthält und daher dem Petroleum Lätzer ficht als dem Diamante«. Danach muß auch die Materie des Schweifes beurtheilt werden. — Unser Komet wurde am 17. April auf der schön ' gelegene« Sternwarte in Longchamps-Mmseille von dem jungen corsische« Beobachter Coggia entdeckt, der bereits mehrere ähnliche Erfolge der reinen Atmosphäre Marseilles und einem lichtstarken Instrumente zu verdanken hat. Der Komet befand sich damals noch nicht innerhalb der MsrSbabn — eine Entfernung, bis zu welcher selten ein Komet verfolgt wird. Die Annäherung an die Erde geschah U dirccter Richtung, weshalb der Komet sich scheinbar so langem bewegte. Mit Anfang Juli besamen wir den Lauf d-s Kometen fast und mit deyl 15 Juli ganz ohne perspektivische Verkürzung zu Gesichte, weshalb die Bewegung nun plötzlich so rasch vor sich ging. Ueber seine künftige Bahn wissen wir geg'Nwârtig nur, daß sie sich gegen das Sternbild des Orion werdet. Ob der Komet diese Constellation (etwa den Orion-Nebel) in d r That erreichen wird oder ob zuvor «och eine Umkehr zum Sonnensy^em erfolgt, muß erst genauere Rechnung lehre«. I« letzterem Falle muß die Umlaufszeit jedenfalls mehrere Tausende von Jahre» betragen.