Intelligenz-Blatt
der Stadt FrmWt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
M—'O —
(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
No. 166 Samstag dm 18 Juli "Hl
Arberdiick der Ereignisse im Gebiete der
-Mischen und materiellen Interessen.
KranEfurt, den 18. Juli. Las Attestat auf Fürst Bismarck stabet in der „Limes* eine sehr ein» g-hende Besprechung. Das Blatt betrachtet das Ereigniß als ein höchst ungtückitchrs. Wenn es festgestellt wird, sagt eG daß der Attentäter ein Ultramoataner st, so wird sich die Antipathie, mit welcher die römische Kirche von der liberalen Partei in Deutsch land und der großen Masse der protestantt- schea Bevölkerung betrachtet wird, sofort vergrößern. Es wird schwierig sein, die Menge zu überzeugen, daß Jesuiten und Beichtväter mit dem Verbrechen mchiS zu thun hatte«. In dem gegenwärtiges SemüthSzustaude der nationalen deutschen Partei gibt es kerne duakle Lyat, mit der ihre weniger gebildete» und unparteiischen Mitglieder — die sreilich die große Majorität bilden — die fremde uni) feindselige Kirche nicht belasten würben. Sie sehen die Jesuiten überall Lumplotte gegen die deutsche Emhett schmieden, das Werk von Gabowa uno Sedan umsteh -n, Frankreich auf'» Neue über den iHgetu dringen und das Uevergewtcht des der Orthodoxie und dem Coacordat wiedergegrbeneu Oesterreichs sichern. Die Ansichten, welche sich die zeslkdeteu und philosophischen Klassen von • der Gache bilden werden, dürsten, obwohl verschieden von diesen, kaum weniger ungünstig für die römische Gemeinde sein. Sie werden auf das Verbrechen als einen Beweis von dem Einflüsse der ultrumuatanen Lehre auf öte« jenigen, die unter deren E.nflaß kommen, hindrute«. Der Attentäter, werden sie sagen, mag keine Austister gehabt haben, das heißt, es mag jun, o^ß kein bezonderer Priester ihm gebot, bieten befoaoiren Staatsmann zu ermorden — aber die gewissenlosen Juvectiven der Kanzel und die noch verderblicheren Rathschläge, die privatim ertheilt wurdm, sind die ursprüngliche Ursache deS Verbrechens gewesen und die Pruster mögen billiger Weise dafür verantwortlich gehalten werdm. Raisonnemmts dieser Art werden nicht ohne ihre politischen Folgen sein. Lie römische Kirche wird finden, daß sie vmq diese tetzie Eutfâng von Fanatismus Boden ein- gebußc hat. Sie konnte ihr nur durch Einschüchterung ihrer Gegner dieue». Wenn vorausgesetzt werden könnte, daß der Reichskanzler vor oer Aufregung oer religiösen Leidenschaften jnnger Ullramontanes gegen sich selber und die Lollegen, die 8? ^^^ Politik Hellen, zurückschrecken würde, dürften die Römisch-Katholtkea glauben, vag GureS aus dem BSsè« ent- siaaSen sei und daß der mörderische Geist einrS der Ihrigen
zuleinem weise« Ende geführt hätte. Aber es ist nicht der kleinste Grund zu der Annahme vorhanden, daß die bedrohte» Staatsmänner sich bange machen lassen werden, oder daß die vorherrschende Partei in Deutschland ianA gestatten würde, sich zurückzuzieheu, wenn sie eS wünschten. Au der asbeten Hand ist es «shtsch.ialich, L>ß das Verbrechen dazu beitragen wird, die p?otesta«tischen Lonserbativen und diejenige G c ion der liberalen Partei, die bisher gegen die Kirchmgeschgebung war, zu tntmuthigen. Die Deutschen stad kein bluwürstiges Volk, der Zorn und der durch daS Attentat erregte Haß werden allgemet« sein und wir köaueu einer verdoppelten Thätigkeit in der Handhabung des Gesetzes entgegenseht«, während die Opposition gelähmt sei« wird.
Am der NLhs.
* Darmstadt, 16. Juli. Dir Kaiserin von Rußland wird noch bis gegen den 26 Juli in Jugenheim verweilen.
* Herford, 14. Juli. Eine Frau hütete dieser Tage eine Kuh und eine Ziege am Stiftsterge «sd gerietj mit den Thieren in die Nähe einer BieaeustanseS. Ueierâhtg setzte die Ziege mehrer« Maie im kecke« Sprung g gen den Bienen- stand, bis es ihr endlich gelang, einen Kars umzuwerfeu. rin dichter Schwarm der erzürnten Bienen warf sich auf die Ziege. Das surchibar gequälte und zerstochene Thier stieß die jammer» lichstea Klagelaui« aus und brach zusammen. D e Hirtin war hinzugeeilt, um die Bienenschwärme zu verjage»; aber ohne die Zrege retten zu können, wurde sie jetzt das Opfer, an dem die Bienen tu« Wuth auSließen. Gesicht, Arme, Alles war im Angenblick von den Tzirrchen bedeck.. Sie versuchte zu entfliehen, aber weiter verfolgte der Schwarm die unglâcktiche Hirtm. Erstaunt sahen die yinzugteilte» Leute das grausige Schauspiel, und weniger deren Bemühungen, als dem Nachlassen der Wuth der Biene« war es zu daakeu, daß endlich die Arme sich von diesen befreit sah. Die H rtin ist furchtbar zugerichtet und wenig Hoffnung für ihr Aufkommen vorhanden. , ,
* Alzey, 16. Juli. Dieser Tage erschoß sich hier tm Garten seiner Mutter, die Wittwe ist, ein 16jähriger Realschüler.
* Aus dem Vorarlberg, 15. Juli. In Feldkirch soll eine fürchterliche Feuerbrunst gegen 40 Firsten eingeäschert haben.