Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
WSSSS-!!!S!7!»^77777K^^SLLWL!«-S--«M^MB^^^^ l ~ No. 182 DonnerZtag den 2, Juli 1874»
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der psiMschen nnd materiellen Inuressen.
Frankfurt, den 2. Juli.
„Ingenio magnus, pietate major, vir priscus “ (Klingers ®ra f trift).
SS war im Herbst 1764. Die Fra« Prof ffori» Bind za iftrantfurt am Main war eine sorgsame HsuSsrau und holte eine Kloster kleingespaltener Brennholz für den Winter eivge- ßa«ft. Das Holz war auch richtig vor der Hausthür abge» leben — dicht «eben dem rensmNtrten „Augsburger Hof" — aber die Träger waren aurgeblieben, dasselbe drei Treppe» hoch in die Holzkammer zu tragen. Rathlor stand die Magd neben dem Holzhausen und mußte sich noch co» dem Wüth zum „AugSburger Hof" Grobheiten machen laste». weil „sie“ die Passage versperre. Kein Träger ließ sich blicken, da ka« «en zwei muntere arme Jungen angeranst, barfüßig und ohne Mütze, auf dem Rücke» zwei hölzerne Butten „Wollt Ihr mit nicht daS Holz hinaustragen? Ihr kriegt dafür 18 Kreuzer." „Mr wüsten an öen Main gehen und Kohle« holen. Sonst herzlich gern." Ich gebe Jedem auch noch ein »uteS fettes Butterbrod und ein Glas Aepfelweiv. Die Kohlen könut Ihr nachher noch holea." „Ja, wenn die Mutter sicht schelten würde," sagt dir größere Knabe, schon halb von dem »guten fetten Butterbrod" mb Aepfe.wâ gefangen. "O, die wird froh sein wer« Du ihr Deine 9 Kreuzer ablieferst!‘ ,Ss l»st' unk flink zu greifen, Karl — ich habe wahrhaftig !iuen großmächtigen Hunger bekommen, seit ich do3 dem Butterbrob gehört hab'," sagt der Knabe zu seinem Kameraden, setzt seine Butte ab, packt sie flink voll Holz, nimmt «och tiueu Arm voll dazu und folgt der Magd die Treppen hin- ms, Endlich ist dar Holz von der Straße verschwunden und iiuber in der Holzkammer aufgep ckt. Die Knaben verzehren hr Butterbrod mit Aepfelwein in der Küche. Wie ihre Ge- ichter glühen von der Arbeit und dem WohlMaren des Esens'. Lächelnd schavt die Frau Prrfestorin thuen zu. Der rüßere ist ein bildhübscher Junge: schlank und kräftig ge- aut, mit fristen Wangen, Hellen klugen Augen wb gold- rannen Locken. Offen, schnell, treffend und bescheiden ant- «ortet er auf die Fragen der Professorin. So erfährt sie: »Ich heiße Klinger. Mein Vater war ein Holzhacker, und ton als f einer Junge habe ich ihm bei de? Arbeit geholfen, «dem ich daS gespaltene Holz zusammeslaS und sauber auf- chichtete. Daneben war der Vater aber noch Konstabler in »er städtische» Artillerie - Compagnie, und Dean er mit der
Musik und ben Soldaten an unserer Thür vorbei marschirte. batte er einen schönen bunten Rock mit blanken Knöpfe» au und einen Federbusch auf dem Hut. Er ist aber schon vor 5 Jahren gestorben und meine Mutter ist Wäscherin und ich muß ihr dabei He fen. Eine Schule habe ich nicht besuchen könne», da wir so sehr arm sind. Aber ich km» lesen und auch etwas schreiben—das habe ich so gelernt, ich weiß selber nicht von wem. Die Professorin fand so großer Wohlgefallen an dem schöne«,' aufgeweckke» «nd besch-id uen Knabes, daß sie ihn zu ihrem Maune ins Studirzimmer führte. Wie da die Hellen Augen MoximiltasS leuchteten bei den vielen Bâchem an dr» Wänden nnd des freimüthigen Worte«: .0, wenn ich Hefe Bücher durchlesen dürfte!" Der Profestrr gab ihm ein Buch in die Hand und ließ ihn last lesen. Mit welcher Inbrunst und
las 1 Da stockte der Knabe, glützend roth, mit Thränen in bett Sagen: „Das kann ich nicht lesen — dar verstehe ich nicht!" SS war eine lateinische Stelle. Der Professor übersetzte stè ihm. „O wenn ich das doch auch könnte!" und eine glühende «Sehnsucht lag in der Stimme der Knabe». „Möch» test Du eS lernen ? Aber es ist «icht so leicht wie Holztragm und lostet viel Kopfarbeit!" „O, ich möchte Alles fernen —
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Alles, unb «euu'S noch so schwer ist!" Der Professor warf seiner Frau eine« lächelndem, fragende« Blick zu. Sie nickt» gerührt und sagte: „Mein Sohn, sage doch Deiner Mutter, daß sie am Sonntag zu mir kommt und Dich mitbringt. Ich habe mit Hr zu sprechen." „O, die Mutter! die wird ben Stock schou parat gestellt habe«, weil ich so lange mit bett
' Aber es ging diesmal ohne bett grfârch- Dir abgelieferten neun Kreuzer und die Aussicht auf die Kundschaft der Frsu Profess »in besänftigten sonst so jähzornige Wäscherin — ich Professor Zinck, ben Knabe«;
Kohlen aurbleibe l — teten Stock vorüber.
die
aub am Sonntage ver- u unterrichten und nach
und auf
der lluivrrsttät zu sorgen, wenn der Maximilian fleißig sei. Und so geschah er und damit batte einer der bedeutendste Männer seiner Zeit de» Weg gefunden, der ihn zu seiner Be- beutusg führte. Friedrich Maximilian Klinger errang
sich auf Scbuleu uvd im Umaana mit Gelehrten einet* sehr hohen Grad von Wiste« und Gelehrsamkeit. Durch fein Schauspiel „Sturm und Drang" ward er der Führer der Dichter und Schriftsteller der nach diesem Schauspiel benannten Richtung, wie er den» überhaupt in seinem Jugendlebe« ein Schwärmer und Sonderling war. Wieland nannte ihn damals ben „Lövenblutsäufer." Nach großen Reisen durch »Europa ging er «ach Rußland und gelangte hier zu ben e« Stellen und Würde«, ja er wurde durch seine Ber