Intelligenz-Blau
der Stadt Franffurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expeditton am h. Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
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No. 150 Dienstag den 30. Juni 3874.
Aeberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen nnd m Interesse«.
Draukfurt, den 30. Juni. Dieser Tage fand im CrystsSpalaste zu London das 57. Jahres fest der deutsche« WohlthätigkeitS-Gesellschaft unter Borsitz des Grafen Münster statt. Etwas über hundert Personen nahmen an dem Diner Theil, und bemerkte men unter den Gästen auch den Grafen Bethusy Huc und den schwedischen Gesandten. Au» de« Berichte SeS SeeretatrS geht hervor, daß die jährliche Einnahme der Vereins beiläufig Lstr. 1200= 14,499 Gulden beträgt, aus welchen Mitteln wöchentlich zwischen 40 und 60 ltzrterstützuvge« au Mittellose Deutsche in London verabreicht werden. In besonder» berückstchttgevswerlhen Fällen bezahlt die Gesellschaft auch die Rückfahrt nach Deutschlaud an atme Leute, nutz eâ Habeu im letzten Jahre nicht weniger all 400 Personen von dieser Wohlthat Gebrauch gemacht. Nach den üblichen loyalen Toaste« in englischer Sprache brachte Graf Münster Leu Toast deS Abends „auf das Gedeihen der Gesellschaft" deutlich aus «rd bemerkte iw seiner Rede, daß die Wirksamkeit des Vereins eine so ersp ießliche und ausreichende fei, daß Deutsche nur in höchst seltenen Fälle« aus Unterstützungen andrer Rstisnalitälen hin angewiesen seien. Er freue sich, daß die Deutschen im Auslande sich so ildthSttg gegen ihre ärmeren und unglücklichen Lrndkleute erwiese», «ad er spreche die Hoffnung an», daß der Verein immer kräftiger und segensreicher zu wirken im Stande sein werde. Der Präsident der Ges-llschaft, Herr Dornburg, trank auf das Wohl deS Vorsitzende» und schilderte in beredten Birte« die traurige und unglückliche Lage der Fremde«, welche fern von der Heimath durch UnglückSfälle außer Stand St feftt seie», ihr tüzlche» Brod zu verdienen, oder den Zu- and j-ner jungen Leute, welche nach London in der Hoffnung gekommen wären, daß hier die Straßen mit Goldstücken ge- pflastert wären, u d die dann wegen Uakemtuiß der Sprache oder der Verhältnisse nicht eisen Penny zu erworben im Stande sei«; der Redner forderte zu reichlichen Beiträgen auf, welchem Bursche auch von de« Anwesenden so weit Rechnung getragen wurde, daß eine Sammlung sofort 400 Pfuad ergab. Graf Bethusy erwiederte den Toast auf die Besucher des Fester, und um Mitt-ruacht verließ die Gesellschaft den ErystallpUast. — Der internationale Anti-Thierquäleroerei», welcher jetzt in London tagt, beschloß in seiner Schlußsitzung, daß derselbe im nächsten Jahre i» Frankfurt seine Versammlung abhalte« soll«. Der Verein richtet fei* Haupt-
de« derselben ans. Nachdem egirten für Frankfurt de«
augenmerk -egen die barbarische Praxis bei Bivesektioue« zum Zwecke wissenschaftlicher Untersuchungen; eS zieht sich bereits seit Monaten eine sehr lebbast« Polemik über diese Frage durch alle Zeitungen. Die Königin und die Baronesse Burdett EouLt nahmen lebhaften Anthell an den Berhandlungen der Gesellschaft, und drückte« in längere« Schreibe« ihre warme Theilnahme an den finden derselben an». Nachdem der Baron Ravesstein dem Leleairte« für Frankfurt de« Dank der Gesellschaft für seine Bemühungen als Uebersetzer ausgesprochen und nachdem auch noch sonstigen Gönnern des Vereins «ehre e Hoch» anSgrbracht worden waren, wurde der diesjährige Lougreß f it geschlossen erklärt.
Mu» der Nâhr.
"Bo« Mata, 29 Juni. In vielen katholische« Gemeinden der hiesigen Gegend stad in den jüngsten Tagen für de« verstorbenen Landtags- und Reichstags-Abgeordnete« von Malliucrodt feierliche ToLteuämter abgehalte« worden. Besonders zu ermähnen sind Höchst, Hattersheim und Hofheim. In Hattersheim wurden sogar zwei dergleichen Aemter und i« Hofheim ein solch'» mit Leviten abzehalte». Altar und Rata*
dieseu Aemtern im allgemeinen nicht so stark, all «an erware
* Sprend liuae«, 27. Juni. Bei der Fahnenweihe bei Kriegereorpr betheiiigten sich etwa 30 Vereine mit ihren Fahnen an dem Festzug, welcher durch die bekränzten und beflaggte« Straßen nach dem Festplatz sich bewegte und wurde Hur durch die Frajr?« und Jusgfroueu die dem Kriegereorvs gestiftete prachtvolle Fahne, von de« bekanute« Soldstick« Sieber in Hanau gearbeitet, überreicht. Die Se:le vom Ganzen war der vielverdiente Dr. med. Welcker, welch« in Gemeinschaft mit dem Bereinsprästdenten AntheS ds« Feste • rege» Leben einzuhauchen wußte.
* Vilbel, 28. Juni. Mit dem 1. Juli vollzieht sich durch die Abberufung bei Herrn Kreirrat;» HsllwachS bie lange projectirte Auflösung des Kreise» Vilbel.
* R e u st a d t, 26. Juni. Neueren Berichten zufolge macht da» Finanzcomite bei Schützenfest.» keine guten Geschäft,; el hat bisher bereits 18,000 fl. verausgabt.
* Darmstadt, 28. Juni. Freitag Abend um 5 Uhr wurde ein Arbeiter in der hiesigen Güterhalle von einem zurückzestoßene« Zuge überfahr«« und sofort getödtet.