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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. '

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(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

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No. 142 Samstag den 20. Juni L«74.

Aeberblick der Ereignisse im Gebiete der pMifchen und materiellen Interessen.

Frantfnrt, den 20. Jum. Der am 13. d. M. verstor­bene Staats-Minister a. D. Freiherr August v. d. Heydt war a« 15. Februar 1801, der Sohn des Chefs des bank Hauses v. d. Heydt, Kersten und Söhne, zu Elberfeld geboren. Er widmete sich nach Vollendung der Schulbildung dem vä­terlichen Geschäft, befien Leitung er, durch längere Reisen in Frankreich und England vorbereitet, in Gemeinschaft mit sei­nen Brüdern Carl und Daniel übernahm. Die Lommunal- Verwaltung von Elberfeld führte ihn zuerst in da» öffentliche Leben ein, in welchem sich sein Wikkusgèkceis mit seiner i« Jahre 1840 erfolg en Traermung zum Präsidenten des Han­delsgerichts zu Elverfeld, ganz besonders aber durch seine par­lamentarische Thätigkeit allmählich erweiterte. Nachdem v. d. Heydt schon als Kreistagsabgeordneter gewirkt hatte, wurde er 1841 zum «baeorduete» des Rheinischen ProvinziallanStags erwählt und von diesem in die bereinigten ständischen Aus­schüsse deputiot. welche am 18. Oktober 1842 in Berlin zu- sammeutraten. Der Thätigkeit, welche v. d. Heydt 1847 und 1848 auf den Bereinigte» Landtage» entwickelte, folgte am 6. December 1848 seine Ernennung zum Starts - Minister; er trat in das am 8. November desselben Jahre» von de« Gra­fen Brandenburg gebildete Ministerium ein, in welchem ihm das bis dahin von dem Wirkt. Gch. Ober-Finanz-Rath von Pommer-Esche interimistisch geleitete Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten übertragen wurde. In dieser Stellung. welche er bis zum Jahre 1882 inne hatte, hat der Staats-Minister Freiherr v. d. Heydt sich bleibende Brrdieuite um die wirttzschaftliche Entwickelung Preuße a» erworben. Ja dem Ministerium Prinz Hohenlohe leitete v. d. Heydt (17. März 1862) das Finanz - Ministerium, bedielt aber auch da» Handels-Ministerium interimistisch bei. Am 23. September 1861 schied er auS dem Staatsdienst, übernahm aber später, am 2. Juni 1866, von dem StaatS-Minister v. Bodelschwinah noch einmal die Lritusg des Finanzministeriums. Am 26. Oktober 1869 trat der Freiherr v d. Heydt in den Privat- stand zurück; ein Herzleiden èrschwerte ihm die letzte» Jahre seines thätig« LebeuS, dem ein plötzlicher Tod am 13. Juni, Morgens 6 Uhr, ein Ziel setzte.

Äiti der Nähe.

* Sulzb ach bei Soden, 18. Juni. Bor einigen Tagen wurde i« der Nähe unseres Ortes, in den sogenannten „Dinges, wiesen" ein anscheinend verhungerter Storch gefunden. Der­selbe hatte ein rother, ans wollene« Zeug zusammengenähteS Bändchen um, woran ein grlbes Blech mit bet Inschrift .3. Both, Frankfurt a. M., 13. Mai 1574" hing. Dieses Bändchen hatte sich zwischen de« Schnabel und dem Hinter­kopf so fest eingeschuittr«, daß es, ohne za zerschneide«, nicht in entfernen war. 88 wäre erwünscht, zu erfahren, ob der Storch nicht ein gezähmter war, der auf so jämmerliche Weise sein Lebe« verlieren wußte.

* Langenschwalbach, 18. Juui. Die herauSge- gebene 10. Kurliste weift für Laugeuschwalbach 945 und für Bad Weilbach 93 Kurgäste nach. I« Hotel «Herzog von Nassau" ist für die Exk migin vyn Neapel vom 15. Juni ab gemiethet worden. n» .

* Darm stadt, 18. Junis Das Regierungsblatt enthält die Berordnung über die veränderte Eiutheiluna des Groß- Sgth«ms in Kreise. Bon den bisher bestandenen 24 en werden hiernach mit dem 1. IM 1874 sechs Kreise aufgelöst, nämlich: Lindenfels, Neustadt, Wimpfen, Grünberg, Nidda und Bibel — wodurch sich die Zahl der Kreise in der Provinz Starkenburg von 10 auf 7, und in der Provinz Obechesse« von 9 auf 6 vermindert. Die Tintheilung der Provinz Rheinheffea in 5 Streife bleibt unverändert.

. * Darmstadt, 19. Juni. I« der hier abgehalterren Sitzung des Hiestze» Cassation-g-richts wurde die Nichtigkeits­beschwerde de» Landwirths Ringel von Hechtkheim gegen das Urtheil des SchwargerichtShofs der Provinz Rheinhessen verworfen und da« erlassene TodeSurtheil bestätigt. Ringel Hai bekanntlich unter bestialische« Umstände« seine Ehefrau ermordet. Drrsübe war unter Gensdrrmerie- Eskorte zur LassationSfitzung hierher verbracht worden. Drei Tage noch seiner Rückkehr nach Maia, hat er si ch im Gefängniß erhängt.

Heidelberg, 17. Juni. Bei der vor einigen Tagen in der Harmonie stattgefuu denen Versammlung behufs Coa- fiituirunfl einer BolkSbauk hierselbst wurden 10 Herren in des AufstchtSrath gewählt. Die Stelle eines Cassirer» ist noch zu besetze«. Am 1. Juli scho« wird da» neue Institut seine Thätigkeit beginnen.

♦ Passau, 16, Juni. In der Umgebung vo« Hengers­berg, de« Ortschaften Lalling, EaSbach, Ragin, Wüllreichiag, Unding, Stritzling re. war ein großes Hagelwetter, wobei es Schloßen größer als Taubenei«« gab.