1874.
No. 140
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage —— o —■ (Expedition am h. Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
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Donnerstag den 18. Juni
Ueberdlick der Ereignisse im Gebiete der pMischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 17. Juni. (Jahresbericht von Schulze-Delitzsch.) Der „Jahresbericht*, welchen Schulze - Delitzsch als Anwalt der Deutschen Erwerbs- und Wirthschaft». Genossenschaften alljährlich über deren Geschäfts, «rgebnisse veröffentlicht, hat sich stets als statistisches Werk der vorzüglichsten Anerkennung der statistischen Behörden der europäischen Staaten zu erfreuen gehabt. Der Geht Rath Dr. Engel. der Direktor des preußischen statistischen Bureau», berief sich neulich in einem in den Genossenschaftsblättern veröffentlichten Briefe darauf, daß er schon vor zehn Jahren über diese Berichte in den Brrsammlnngen deL statistischen Longreffe« ein Urtheil gefällt habe, welches sich mit jedem Jahre mehr bewahrheitete : sie seien nicht nur eine muster- giltige Statistik des G «offesschaftSwesenS, sondern der glänzende Beweis, daß auf dem Aeb ete der privaten Lebens die Privatstatistik unendlich leistungsfähiger sei, als die öffentliche. Ler im vorigen Herbst veröffentlichte Jahresbericht für 1872 führt ». A. 2221 Vorschuß- und Creditvereine namhaft auf und bringt Geschäftsabschlüsse von 877 derselbe« in Ta. bellen mit 51 Colosren, sowie eine Mitgliederstatistik von b72. Außerdem sind die sehr eingehenden Rechnungsabschlüsse von 12 industriellen und einer landwirthschaftlichen Rohstoffze- »offeuschaft, von 2 industrielle» und einer laudwirthschaft- lichen Magazingenossruschaft, von 18 Productivgenosseuschafte», von 170 Eovsumvereineu und von 6 Baugenossenschaften, daselbst zu finde». Der Jahresbericht pro 1873, welcher gegenwärtig in Arbeit ist, wird voraussichtlich noch weit reichhaltiger werden. Bisher nämlich war diese Statistik auch für die zum allgemeinen Verbände gehörigen Genossenschaften, deren e» bereit« im vorigen Herbst 1072 gab, insofern eine freiwillige, all auf die rechtzeitige Ausfüllung und Einsendung der Tabellenformulare die Äelohuung in Gestalt eiue« Freiex mplars der Jahresberichts stand, aber die Unterlassung nicht unter Strafe gestellt war. Der vorjährige allgemeine Bereinstag zu Constanz hat nun jedoch beschlossen, daß elle dtej nigen Genosseuschafteu de« allgemeinen Verbände», welche ihre MchuungS-Abschlüffe nicht eissenden, künftig nach vorgängiger zweimaliger Mahnung aus dem Verbände auSge- schlöffe» werde« sollen. In Nr. 24 der Genosse»schsftSblätter werden al» noch im Rückstände mit de« Rechnungsabschlüssen 183 Brrschuß- und 83 Lonsamvereiae, 1 Rohstoff-, 3 Ma- gazin-, 15 Productiv- und 6 Baugenossenschaften namhaft auf
geführt und um schleunig« Einsendung der Abschlüffe dringend ersucht, damit nicht wieder wie im vorigen Jahre die Heraus* gäbe des Jahresberichts über de« Bereinstag hisau» verzögert werde. — Seit der zweites Hälfte vorige« Monats bis Mitte Juli werden in den 30 Unterverbänden de» allgemeine« Verbände» die sogenanute« Unterverbandstage i« Assistenz bei Anwaltes Schulze-Delitzsch oder einer Stellvertreter» desselben, in welcher Eigenschaft hierbei der ReichrtagSabgeorduete Pari- sinS und der Generals keretär des Verbandes Dr. Schneider fusgiren, «ach und »ach abgehalte«. S« stellt sich bei de« Verhandlungen dieser Unterverbandstage heraus, daß nur eine verhältnißmäßig sehr geringe Zahl von Borschußvereinen — nab meist durch Vernachlässigung der oft ausgesprochenen Warnungen der allgemeine» BereinStage in Folge bei Krach« bedeutende Verluste gehabt hat.
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Attè dsr Nâhs.
* Höchst, 14. Juni. Bei bem letzten großen Gewitter schlug der Blitz in das Schulgebäude der hiesigen Mädchen- schule. Er nahm feinen Weg vom Dach, zersplitterte das Gesimse, fuhr durch die Giebelwand in ben Schulsaal und vertheilte sich dort, indem er in zwei Wände, nach der Decke und noch im Nachbarhause in eine« Balken fuhr. In bem Schul- zimmer waren schon acht Kinder anwesend, die mit bem Schrecken davon kamen, währenddem Söhnchen bei Hr». Lehrers Krekel der Sand in ein Auge flog. 81 war ein Glück, daß die Schule noch nicht mit Kindern aygefüllt war. Der Blitzschlag zündete nicht. Seitdem J-hrk 1844 hat el dort dreimal eingeichlagen. i
* Gotha, 13. Juni. Bor den Geschworene« erschien ein „frommer* Schwindler, Ramens Georg Schmehl aus Darmstadt. Derselbe hat u. A. in Frankfurt a. M., Merseburg, Erfurt und hier Abnehmer für fromme Schriften, mochte« diese existtren oder nicht (der Name „Missionsharfe* scheint ihm für seine Zoecke besonders geeignet gewesen zu sei»), zu gewinnen gesucht, sich aber mit dem Einkafftren bet Subscrip« tionSbeträge begnügt, ohne je a« die Effectuirung der über- noRmesen Aufträge zu denke». Am 16. Februar l. I. wurde er hier fest genommen. 9 verübter Betrügereien und eines Versuchs dazu für schuldig befunden, wurde Georg Schmehl zu 2 Jahren Zuchthaus und eben so lange« Ehrverlust, sowie zu 90 Thaler Geldbuße eventuell noch 2 Monates Zuchthaus »er« urtheilt. Mildernde Umstände wurden ausgeschlossen, da Angeklagter de» Siadruck der persoaificiren Unwürdigkeit machte.