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Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage - — o — ■ *

(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

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No. 133 Dienstag den 9. Juni 1874.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 9. Juui. Der .Augsburger Allgemeinen Zeitung" wird au» Berlin geschrieben: daß alle Gerüchte über eine projekttrte Dreikasterzus-mmenkunft unbegründ-t seien/ Eine solLe ist in der Trat nicht in Aussicht genommen. Da« gegen erfährt man von zuverlässiger Seite, daß der Kaiser in nächster Zeit beabsichtigt mit dem Kaiser von Rußland in Ems zusammenzutreffe«. Nähere Dir Positionen liegen für diese Zu« sammei sanft zur Zeit noch nicht vor.

Bezüglich de» Gesetzes über baß Bankwesen i« Reiche lauten die Nachrichten noch immer widersprechend. Nachdem vor Kurzem die unwahrscheinliche Nachricht durch die Presse gegangen war, daß man neben der preuß's Len Hauptbank noch zw'i andere deutsche Banken mit den Funktionen von Reichsdanken zu betrauen beabsichtige, stabet dieselbe heute ihre woh verdiente Widerlegung mit dem Zusätze, daß im prevß sch?» Finanzministerium beschlossen Worben sei, einen auf anbei weiten Grundlagen beruhenden Gesctzrnteutwurf aui* zu arbeite».

Das rechte Eentrum der französischen National­versammlung hat sich über jenes Partei-Programm ver- ständigt. auf Grund dessen b kanutlich das linke Eentrum zu einem Zusammengehen eingelsden werben soll. ES wird darin an dem Srptesnate sestgehslten und die .Organisirung" der- selben für nothwendig erklärt. Jedem Anträge, der darauf abziele, die Berathung der konstitutionelle« Gesetze zu verhin­dern, oder auch nur zu verzögern, oder bereit Bedeutung ab« zuschwächen, werde das rechte Centrum entgegentreten. Die Entscheidung über die definitive Regierungsform soll bis nach Ablauf des siebenjährigen Waffenstillstandes vertagt bleibe«, auch falls inzwischen die Exekutivgewalt — durch de« Tod oder Rücktritt de» Marschalls Mac Mahon — erledigt wer­den sollte. Mau weiß, daß für einen solchen Fall der Herzog von Aumake vom rechten Centrum d-zu auSersehen ist, die erledigte Stelle einzmiehme». Die Organe bei linken Cen­trums haben j doch die demselben angebotene „BerhandluaoS- basiS als unannehmbar abgewiesen. Bis jetzt bewegte man sich auf beide« Seiten nur in allgemeinen Redewendungen, warf sich gegenseitig „kompromiitireude Allianz-u" vor und suchte einander die Verantwortlichkeit für all' daS Unheil zuzu- schieben, welcher über Frankreich Hereinbrechen müde, wenn die Nationalversammlung in chaotischer Auflösung sich trennen sollte, ohne für die Ausstattung der SeptennatS

mit organische» Einrichtungen Fürsorge getroffen zu habe«. Die Rede, welche Herr Tbiert bei Ueberreichung einer Adresse seiner peruanischen Bereherer und Herr Gam­betta auf einem ih« zu Ehren veranstalteten Bankette zu Auxerre vor seinen radikalen Parteigenossen gehalten hat, liegen jetzt im Wortlaut vor; sie legen Zeugniß davon ab, daß di: Furcht vor dem BonaprrtiSmuS die politische Lage immermehr zu beherrschen beginnt. Herr Thiers empfiehlt den Franzosen, sich bei Zeiten unter das schützende Dach der von ihm ksustruirte« „konservative« Republik" zu retten, als der RegierungSform, welche ihm zufolge auch heute «och die Franzose« „a® wenigsten trennt*. während Herr Gambetta erklärt, daß der „gekrönten Demokratie" des 2. December nur durch die „republckakische Demokratie", wie er sie j tzt voc- stellt. der Weg verlegt werden könne und, um derselben bei der Bourgeoisie eine freundlichere Aufgabe zu verschaffen, seine berüchtigte Rede zu Grenoble dahin erläutert, daß unter de« «neuen sociale» Schichten", denen die Herrschaft gebühre, er die Millionen kleiner Eigenthümer verstanden habe, welche mit ihre« Gut und Blut in Krieg und Frieden die wahre Kraft der Ratio« auSmachte».

Ueber neue in Asien sich vorbereitende Ber­wickelunge« wird der „LimeS" telegraphirt: „Chine­sische Truppen sind seit einiger Zeit nördlich der Bogdo- kette aufgestellt worben und drohen in Kuldscha und Kaschgar eiuzurücke«. Diese Gebiete, welche früher die westlich te« Brovi»»'« de» himmlischen Reiches bildetxa, erlangten ihre Unabhängigkeit während der revolutionären Stürme in bett letzten 10 Jahren. Kuldscha wurde «.der Folge von de« Raffe« besetzt, aber Kaschgar blieb unabhängig. Ja Ricksicht auf die gemeinsame Gefahr will Rußland gemeinsam mit bem Emir von Kaschgar B-rtheibigungSmoßregeln ergreifen. Die chinesischen Trappe« an den Grenzen von Kuldscha und Kasch­gar sind mit ««ropiischen Gewehren bewaffnet.*

«ui der Nähr.

* WeimaH, 4. Juni. Wenigen dürfte bekannt sein, daß auf dem neuen Friedhofe, unweit der Färstenzruft, eine jün­gere Schwester jener durch die „Leiden des jungen Werther" so berühmt gewordene Charlotte Buff auS Wetzlar (Lotten» Schwester) ruht. Wir fanden am ersten Pstagstmorgen bet unserem Gauge durch den neuen Friedhof unter den einge- mauerten Tafel» eine Warmorplatte mit der Inschrift: „Azalie Riedel, geb. Büff aus Wetzlar. Geboren den 16, Juni 1765. Gestorben den 9. März 1848.*