Intelligenz-Blatt
der Stadt FraÄfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
—— o —II
(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
No. 128
Donnerstag den a. Juni
»874.
Uederblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Fraukfurt, 4. Juni. Der Centralauöschuß der natio- nal-ltberaleu Partei hat ein Flugblatt Versender, überschrieben: „Ein Wort an das deutsche Volk in der Militär frage". Ja, fürwahr ein bètzrrzigenswerthes Wort! „Eine Armee, die auf ihren Lorbeeren schläft, geht ihrem Verocrden entgegen". Von dieser soldatischen Erfah- rungSlehre wird auch tut den Kampf, als welchen das politische Leben sich darstellt, Nutzen zu ziehen sein und das Slug* blatt thut diese» also: „Das ganze Leden ist ein Kampf und vor allem bas politische Leben". Wie oft vernehmen wir nicht das stolze Wort von alten und bewährten „Freiheitskämpfern", bie aus dem friedlichen Boden der Gesetzgebung und des Gedankenaustausches sich yre Lorbeeren erworsen haben. Wohlan denn! Auch für diese gilt jene Weisheitsregel, welche den Soldaten an's Herz gelegt wird. Auch sic sind das Unglück ihrer Sache und tyreS Landes, wenn sie verknöchern in einer Tsklik, die vor Jahrzehnten zutreffend, nach Verlauf der Zetten sinnlos und zweckwidrig wird, weil die Aufgabe des politischen Kampfes, die Führung in desselben nnb die Art der Gegnerschaft, kurz alle Voraussetzungen ganz andere geworden sind. Der Gefahr einst solchen „politischen Schlacht bei Jena" ist die deutsche SieichSvertrerung eben glücklich entronnen. Sie ist ihr entronnen, Dank der Einsicht und Mannhaftigkeit der großen maßgebeuden Partei im deutschen Reichstag, welche mit gleichem Rechte national und liberal, d. y. Vaterlands- und freiheitsliebend genannt wird; fie ist ihr entronnen, weil sie verstand, dem herausfordernden Rufe zu widerstehe», zu verstocktem Festhalten an der ^olttisqen Weisheit vergangener Zette», zu einer SteüungSnahme, welche die Auflösung in ihre Reihen und das Verderben in'S Vaterland getragen hätte". — Es wird in dem Flugblatte darauf die Haltung der national-liberalen Partei gegenüber dem Militärgesetze dargelegt und aus der veränderten Lage der Dinge im deutschen Reiche als die allein richtige nachgewiesr». „Kaiser, Reichstag und das Volk in seiner großen Breite', heißt es zum Schlüsse, „haben den hohen Grad von polttichsem Verstand gezeigt, welcher mehr noch, als die köstlichsten Grundsätze der Verfassung, eine Bürgschaft ist für das fernere Gedeihen der deutschen Nation.
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* Mombach, 3 Juni. Bei dem die Tage stattgehabteu schweren Gewitter traf der Blitz einen jungen Mann von 23 Jahren, alS derselbe vom Feld Salat nach Hause fuhr. Der Schlag traf iHv an der linken Seite beä Gesichtes, versengte die Kleidungsstücke an Hals und Echultern nnb lief cn den Wangen entlang. Nachfolgende fanden ihn entseelt. — Einige Tage vorher traf der Lungenschlag einen verheiratheten Fabrikarbeiter von 31 Jahren, als er einem Leichenbegängnisse zuschaute. Er hinterläßt sieben K nder, wovon keines die Schule verlassen hat.
"Darmstadt, 3. Juni. Gutem Vernehme» nach ist die Ankunft der Kaiserin von Rußland in Jugenheim am 14. Juni zu erwarten.
* Aschaffenburg, 3. Juni Vom 1. Juni l. IS, a b beträgt die Taxe für Waarenproben aus Bayern, bezw. Deutschland nach Frankreich bis zum Gewichte von 59 Grammen 5 kr., für weitere 50 Kilogr. 6 kr., und alsdann von 60 zu 50 Grammen bis 250 Grawmen 3 kr. Di- Taxe für Dncksachen, Handel»- nnb Geschäflspapiere rc. bleibt unverändert.
"Heidelberg, 31. Mai Im Wanzen befinden sich laut eben erschienenem ekademischrn Adreßbuch- 835 Studi - rendr hier, barunter 10 Theologen, 486 Juristen, 83 Mediziner und 246 Philosophen, darunter gehören 712 dem „Auslande" an. Personen reifere» Alters besuchen überdies noch 49 die Vorlesungen, so daß sich die Kksammtzahl auf 884 (im vorigen Winter 646) stellt.
* Mannheim, 2. Juni. Gestern hat eine hiesige Frau ihr vierjähriges Kind auf grauenhafte Weise ermordet. Di: Thäterin wurde heute verhaftet.
* München, 2. Juni. In Nürnberg wurde am 27. v. MtS. früh 7 Uhr in einfacher Weise die Feier zum „Hans SachS-Denkmal" auf dem Spitalplatze abgehalten. Bon den vereinigten Sängern Nürnbergs wurde ein Chor aufgeführt. Die Enthüllung der Denkmals selbst soll schon am Johannistag vor sich gehen.
* Leipzig, 31. Ma?. Geh. Rath Dr. Bernhard Jos. v. Windscheid in Heidelberg hat den von hier an ihn ergangenen Ruf angenommen und wird zn Michaeli hierher übersiedeln. Diese Erwerbung ist um so mehr erfreulicher, als es bekannt geworden, daß der berühmte Pandektist einer vorauS- gegangenen Berufung an bie Universität Berlin nicht Folge geleistet hat.
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