Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichte« als Extrabeilage
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(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
No. 124 Samstag den 30. Mai 1874.
Urberdlick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 30. Mai. Au» Straßburg ist an den deutsche« Reichskanzler Fürsten von Bismarck eine Adresse von 80 der ang-s-henste« altstraßburger Bür- u-r und Handelshäuser gerichtet worden, um d msel- I 4 die Interessen der Stadt, namentlich in Bezug auf die E Weiterung derselben, ans Herz zu legen.
Das bemerkenSwerthe Schrittst. 'ck beginnt mit den Worte«: „Da wir einer Vertretung im Reichstage in Folge der von de« Abgeordneten für Straß mrg eingenommene« Haltung entbehren, legen wir unterzeichnete Smwadner dieser Stadt vertrauensvoll die Wahrnehmung unserer Interessen unmittelbar in die Hände Euer Durchlaucht.
Wir haben keinen Augenblick angestande«, uns a« Euer Durchlaucht zu wenden, da wir wissen, daß wir in Ihnen de» * edtesten und unermüdlichsten Vertreter unserer Wünsche a Beschwerden staden würden.*
Im Verlaufe der Adresse heißt es unter Anderem:
„Mit der lebhaftesten Befriedigung sehen wir die kräftige - utwickeluug unserer Universität, und unsere Stadt wird bald .yre« alte« Rang unter den Universitätsstädten wieder ein- nehmen. Wir machen e» uns zur Pflicht, da- Bute, da» man un» bietet, rück-alt-lo» anzuerkeunrn.
Aber die Blüthe der literarischen Studien ist nicht Alles, war wir von Seite derjenigen zu erwarten berechtigt sind, welch« unsere Beschicke in Händen haben Wir sind überzeugt, daß Straßburg, wenn es die neue politisch-geographische Lage verwerthet, wieder werden käsn, was es schon einmal war, — eine bedeutende Handelsstadt und ei« Emporium für ganz Süddeutschland.*
Die Adresse ist ei« erfreuliches Anzeichen für den Geist praktischer Würdigung der thatsächlichen Verhältnisse im Gegensatze zu unfruchtbarer politischer Agitation.
Der «eueraaunte Botschafter der Deutsche« Reiche- in Paris, Fürst Hohenlohe, ist am 23. ds. vom Marschall Mae Mahon feierlich empfangen worden. Er sprach dabei aus, daß der Deutsche Kaiser ihm die hohe Sendung mit der avgelegeutltche« Weisung «»vertraut habe, nicht- außer Acht zu lasse«, war die guten Beziehungen Mische« de« beide« Länder« befestigen und entwickeln könne. Der Präsident Mae Mahon versicherte, daß er sich glücklich schätze, diese« erneuten Wunsch deS Kaiser- zu vernehmen; er theile diese Gesta«»«* gen und schätze sich glücklich, daß der Kaiser den Fürste« Hohenlohe zur Erfüllung dieser Aufgabe ausersehen habe.
Der Kaiser hat am Freitag (22.) vo« Wiesbaden au» eine Fahrt nach dem Niederwald gemacht, um die Stelle in Allgenschenschei« zu nehmen, a» welcher das große Ratio- «aldeukmal zum Gedächtniß der Erhebung des deutsche» Volks und der Wiederaufricht««g de» Deutschen Reiches errichtet werde« soll. Dey Monarch wurde auf der Fahrt durch den Rheingau überall mit den lebhafteste» Freudeube« zeugungea begrüßt. Der Kaiser verlängerte seine« Aufenthalt in Wiesbaden big zum zweiten Pfingsttage und begab sich dann «ach E«r, wo er vo» Sr. Majestät dem Kaiser vo« Rnßlmd und von der Bevölkerung aus's Herzlichste empfange« wurde und bis zum Dienstag (25 ) Abends im innigen Verkehr mit bem Kaiser verweilte. Alida«« erfolgte die Rückkehr nich Berlin, wo der Kaiser am Mittwoch (27.) früh im besten Wohlsein eingetroffen ist.
Der Reichskanzler Fürst Bismarck bat die Abreise «ach Varzin vornehmlich mit Rücksicht auf die bisherige rauhe Witterung um einige Lage verschoben. Dieselbe wird »ermuthlich in dies » Lagen stattfinde« könne». Ueber Zeck und Ort eines spätere« Badeaufenthalte» de» Fürste« find die Bestimmungen noch nicht getroffen.
Hui der dtâys.
* Ueberliuge«, L8. Mai. Der entwichene Sparkaffen- rechuer Stärk, der in Lindau im Gefängnisse seinem Leben durch Selbstmord ein Ende »achte, hatte der ihm anvertraute» Kasse im Ganzen 31,000 fl. entwendet, tonen 2 2,000 fl, die er «itnah«, wieder zurückkame«, so daß big Deficit nur noch 9000 fl. beträgt. Zur Deckung desselben wird voraussichtlich das ansehnliche liegeuschaftliche Anwese« deS Stärk versteigert werde«.
* München, 29. Mai. Die im Bezirksgerichtt-Gefäug- «isse an der Badstraße zu München inhafttrte Adele Spitz- eder befindet sich zur Zeit in einem sehr leidende« Zustande. Dieselbe ist stets bettlägerig, weshalb von einer Ablieferung an einen anderen Strafort «och lange keine Rede fein kam.
* Dresden, 29. Mai. Der Ausschuß der Journaltstea- tages beschloß in Folge einer Einladung de» Magistrats von Baden-Baden, den 9. Journalistentag in Baden-Baden vom 25. bis 28. Juli b. J abzuhalte».