Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage-

—■ o —

(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

No. 119 Samstag Äsn 23. Mai 1874.

UeberdLick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frautfurt, 23. Mai. Die «Provmz'al-Correspvndenz- schreibt: „In Frankreich sind von Neuem große innere Verwickelungen eingetretr«: die Regierung, welche im Mat 'yriaen JryreS unter dem Marschall Mae Mahon ringe- worden ist, und welche im Nsvrmber nach dem Scheitern -s^bourbonischen RestaurationSversuch- durch die Verlänge­rung der Gewalten Mac MahonS auf sieben Jahre inner­lich gestärkt und befestigt werden sollte, erscheint jetzt in ihrer wesentlichen Grundlage erschüttert. Die Einigung aller konservativen (oder vielmehr aller monarchischen) Par­teien war das Banner, unter welchem der Herzog von Broglie am 24. Mai v. I. mit einer Mehrheit von 360 oeges 344 Stimme« den Präsidenten Thiers stürzte, — e Ei«igusg aller conservativen Parteien 'de im November vo« Neuem verkündet, als das Septennat L' -chigeu Präsidenten mit 378 gegen 310 Stimmen beschlos- ^ Lurde. Aber schon damals war zu erkenne», daß diese ne^F äußerliche Einigung nur ein Notybehelf und eine augen­blickliche Auskunft war, daß die anscheinend so große Mehr­heit in sich zwiespältig und zerfahren war und daß der Zwie- spalt offen der vortreten mußte, sobald man dazu schreite« würde, die Bedeutung und das Wesen der neuen Regierung sestzustelle«. Dies hat sich jetzt bei dem ersten Versuche zur wirkliches Organisation der Regie-unzsgrwalt bestätigt.

Schon bei der ersten vorläufigen Berathung über den Gang, welcher zur Feststellurg der Berfassuvgsverhâltnisfe einzuschlagen sei. hat das 'Ministerium des Herzogs v. Bro- alte eine eu.scheidende Niederlage erlitten. Der Antrag der Regierung, vor Alle« ein Gesetz über die künftige Organisa­tion der Volksvertretung (in zwei Kammern) in Berathung zu nehmen, ist mit 381 gegen 317 Stimmen abgelehut worden, unb das Bezeichnende ist dabei, daß nicht etwa die Linke über die Rechte gesiegt hat, nicht die Republikaner über die verei­nigten monarchischen Parteien, sonder« unter der Mehrheit von 381 befinden sich 51 Legitimisten und 17 Bonapartisten. Es ergiebt sich daraus, daß eben die Einigung der konservativen Parteien, auf welcher die an­scheinende Kraft der jetzigen Regierung be­ruh ete, zersplittert ist. Hieraus ergiebt sich die Größe der Schwierigkeiten der inneren Lage Frankreichs. ’ Dre Nationalversammlung bietet in ihrer Zu- i sammenfetzung und Parteigestaltung über-

Haupt keinen Boden und keine Stütze mehr für irgend eine feste Regierungs gewalt, und man darf daher einer Reihe weiterer Berwiâeluu- gen entgegn fei) eit. Glücklicherweise haben dieselben für jetzt und vermuthlich auf l-ange Zeit hinaus nur eine innere Bedeutung für Frankreich allein/

Aus der Nähe.

* Mainz, 22. Mai. Dieser Tage starb dahier der Se­nior der hiesige« Geistlichkeit, Herr Pfarrer Merz, zu St. Stephan. Derselbe erreichte ein Alter von 84 Jahre«, war 68 Jahre lang an der obigen Pfarrei angestellt und genoß allgemeinste Liebe und Verehrung in allen Kreisen der biestae« Bevölkerung. Dieselbe hatte sich glänzend bewährt, als der Verstorbene im Jahre 1866 sein fünfzigjährige- Jubiläa« feierte. Wie wir hören, hatte man sich betreffenden Orte« nach Darmstadt gewendet, um die Erlaubniß zu erhalten, daß der Berblich'ne in der StrphauSkirche beerb gt werde und ist die­selbe singetroffm. Vorgestern früh 8 Uhr fand die Beisetzung

* Bom Tauuus, 19. Mai. Die Anwendung deS kal­ten Wasser- als Heilmittel gewinnt immer mehr an Auf­schwung. «a« wir so recht an der von Jahr zu Jahr wach, sèndeu Frequenz Königstein- bemerken. Im Jahre der Eröffnung der Kur an diesem Badeort —1854 — zählte man 64 Gäste; in de« letzten Jahren bezifferte sich der Personenstand auf viele-Hunderte. Für den nächsten Mouat, als den wirksamsten zum Begi-m der uervenstärkeades Kure«. steht zahlreicher Be­such in Aussicht. Seit dem 10. Mai ist die Frau Herzogin von Nassau mit Gefolge i« ihrem Schlosse eingetroffen.

"Aschaffenburg, den 80. Mai. Heute feierte Herr Rechtsanwalt Dr. Mayrrsoh« den 25 Jahrestag seiner Er­nennung zum Anwälte. Bor dem Beginn der öffentlichen Sitzung begaben sich seine College» in sein Arbeitszimmer, um ihm de« Glückwunsch zu diesem Jubelfeste auszudrücken und widmete« ihm einen silbernen Tafelaufsatz mit einem Lorbeer­kranze.

* Marburg, 82. Mai. Bor einigen Tage« verurtheilte das Kreisgericht den Studiosus der Pharmacie, Arnold aus Eschwege, zu einer 2jährigen Zuchthausstrafe und Sjahrigem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, weil derselbe am 25. März eine t Comilitonen 180 Thaler gestohlen hatte.