Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.) /K ?
Ro. 117 Donnerstag den 21 Mai 1874/
Uederblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, des 21. Mai. Wir bemerk e« neulich, daß Serrano Spanien wohl eine starke Regierung geben werde. Serrano hat mittlerweile in der That die Bildung eines corservativen Ministeriums versucht. Auch die Ernennung Sagasta'S beweist keine Neigung Serrauo's zu einem entschiede« republikanische« Ministerium. Sagrsta dürfte dem neuen Cabinet allerdings feinen Charakter verleihen, der hauptsächliche Sinn seiner Ernennung zum Minister des Innern aber einfach der sein, daß er in Gemäßheit der in feinem Rundschreiben au die Vertreter Spaniens im Au-Lande vom 25. Januar entwickelten Principien mit seiner oft bewährten Thatkraft und Gewandtheit die Wahlen zu neuen Cortes leiten solle, die, unter Vermeidung ein4 Plebiscits und ohne geradezu coastituirende za sein, die Lücke ausfülle« sollen, welche durch die Abwesenheit einer Monarchen in der demokratische» Verfassung von 1869 entstanden ist. Offenbar hat Sagasta den Willen, in Gerrauo'S Geiste die Staatsgeschäfte zu führe«. Bereits ist allm Staatsbeamten die Sarlaffang bewilligt worden, die sie, um die Regierung eiszuschüchteru, sehr eilig ekigereicht habe». Und man darf vorauSsetzen, daß Sagasta heute «och derselbe ist, wie 1869, da er die Reoublikaner und die Carliste» mederhielt. Eine mächtige Stütze findet er in dem neuen Minister.PrLsid-ute», dem Kriegsminister Zabala, welcher mit unerhörten Anstrengungen das von den Republikanern im vorigen Jahre in feine Atome aufgelöst« Heer wieder hergestellt hat und den Serrano neulich bei seinem Trtumpheinzuge in Madrid den wahren Befreier Bilbaos genannt hat. Zabala wird zunächst fein Augenmerk darauf haben, daß die Erfolge Serrano'» und Concha'S nicht wieder in Richt- zerrinne« und daß die Carltsten völlig aus den baskischen Provinzen ausgeräuchert werden: er wird aber auch auf die Dauer besorgt sein, daß die Manneszucht des HeereS nicht mehr durch politische Umtriebe gestört und erschüttert, daß vielmehr daS Heer, waS ja in Spanien allein seine Aufgabe fein kann, die feste Stütze der inneren Ordnung und Ruhe verble be. Hierzu erinnern wir noch an die Namen von Augusto Ulloa, des uenen Ministers des Auswärtigen, von Romers Ortiz, dem neuen Co« lonial'Minister. Zur Charakteristik des Ersteren genügt die Ansührung, daß er neben Zortlla die Hauptperson unter jene« Abgesandte« gewesen war, Die einst den Herzog ton Aosta aW König Spaniens von Florenz nach Madrid abholten. Romero *
Ortiz hatte als Justizminister in der provisorischen Regierung durch feine tiefconservativen Grundsätze bei den wenigen Gelegenheiten, in denen er daS Wort ergriff, selbst feine College» von der liberale« Union in Erstaune» und Verlegenheit gesetzt.
Bon großer Bedeutung find die Worte, welche Kaiser Alexander von Rußland a» die Londoner Botschafter gerichtet hat, Der Telegraph hat darüber schon berichtet; ebenso über den Artikel der „Timet", welcher der erneuten Friedensversicherung den größten Wèrth Wals
- Kürzlich ist da- pom. MpedischeA Generalstabe ausgearbeitete und vom König gebilligte neue Militârgeletz an die Mitglieder des Reichstages verthellt worden. Nach demselben wird daS schwedische HeereSwesm so ziemlich vollständig nach dem preußische« umgebildet. Die allgemeine Wehrpfliht soll vom vollendete« 18. bis »um vollendeten 40. Lebensjahre gelten. Schweben wird in 49 Landwehr.BrztrkScommand't getheilt Die Präsenz der Linie ist auf resp. 17 Monate (sät die Kavallerie), 12 (für die Garde« Artillerie re.) «ud 101« (für die Infanterie) ^gestellt worden.
Im deutsche« Reich bat jetzt eine reiche TSätigket der einzelnen Landtage begoun n. Der Schluß deS Reichstags hat thuen daS Feld wieder eröffnet. Noch vor jenem Zeitpunkt «ar der weimar'sche Landtag am 14. April uns der gotha'she Speeial-Lindtsg am 23. April zusammvagetrete». Der Preu- zische Landtag, dessen Vertagung am 13. April zu Ende ge* langen war, fing unmittelbar nach Schluß der ReichttazS- leffion am 27. April mit voller Kraft wieder zu arbeiten un, so daß er, wie nun zu übersehen ist, am 22. d. M. die Ge- chäfte erledigt haben wird; am 27. April nahm ferner auch der sächsische Landtag feine Thätigkeit wieder auf. Seit dem 4. Mai ist der Landtag von Reuß j. L., seit dem 7. Mai der koburgische Spkciallandtag, seit dem 8. Mai der badsch-, seit dem 12. Mai der bayerische Landtag wieder zusammen, für >en 18. Mai steht der Zusammentritt der würtembergischen Landtags bevor.
AM der Skâhe.
»Lohr, 19. Mai. Gestern Abend wurde ein OrtS- uachbar von Rechtenbach in der dortigen Gemarkung beim Kleeholr« vermuthlich von einem Wilderer, der denselben in feinet gebückte« Stellung wahrscheinlich für ei« Reh hielt, erschossen. Da die Kugel demselben durch den Kopf drang, so erfolgte der Tod augenblicklich. W
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