Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. - > --- o ---- - â

(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

No. 102 Samstag den 8 Mai 1874.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfnrt, 2. Mai. Die Rebe, mit welcher A rifer Wilhelm das deutsche Parlament geschloffn, beze-chaet der Daily Telegroph" iw Hinblick auf seine jüngste» poetischen Siege als höchst gen äßigt und besonnen.Er weist" sagt das Blattmit natürlicher, obwohl ruhiger Genugthuung aus da« Arweeaesetz hin, aber erwähnt des noch immer fort- dauernden ConflicS mit der römischen Kirche mit keiner Silbe. Ohne Zweifel lag daS siebenjährige Budget feinem Herz n am nächsten und eS ist sicherlich ein großer Triumph syr die königliche Idee von einem permanenten ReichSheere über den Parlamentarismen oder, wie wir sagen bärsten, eng­lischen Begriffen von einer von jährlichen Boten eines Hauses der Gemeinen abhängeuden Militärmacht. Die besondere Zeit wurde aus mehr als einem Grunde weise gewählt Nach sieben Jghre« mag in Frankreich ein klarer Merkmal der zmänstigen Politik des Volker, was l eimische Regierung wie auswärtige Angelegenheit be^ vorhaadrn sein. Für die Deutschen selber sind sieben Jahre ein Zeitroum, in wel­chem ein sehr vortrrfficheS System bet National- Vertheidigung

einschließlich neuer Festungen wie organisirter Maunschaf« te« mit Urberlegung und Muße an#gearbeitet werden kann. Bon einem ökonomischen Gesichtspunkte aus müssen wir frei­lich bedauern, daß nicht allein daS große Friedens-Etablisse- ment Deutschlands, sondern auch daS der russischen, öster­reichischen, französischen und anderer Lorcurrenz - Armeen nützenbringender Judustrie entzogen wird; doch sind wir in Anbetracht der kritischen Zustandes von Europa und deS Nationalgelühls Fravkeeichs überzeugt, daß ein sehr starke» Deutschland unS die Bürgschaft liefert, daß ein neuer Krieg selbst nicht ton den rücksichtslosen Politiker« in Paris leicht­sinnig begonnen werden wird, während wir kein Motiv sehen tonnen, das stark genug ist, um die D-utschen selber zu Feindseligkeiten zu provocire«. Gegner stehender Heere pfle­gen auf Frankreich unter den zwei Bonaparte» als Beweise, daß große militärische Vorkehrungen unvermeidlich zum Kriege führe«, hivzudeuteu und diesen Einwand zu Gunsten der Ent­waffnung zu gebrauchen. Aber die wirkliche Versuchung für Frankreich war früher nicht so sehr seine eigene Einigkeit und Stiftungen, als dir getheilte Politik und die urtoraanifirten Streitkräfte seiner deutschen und italienischen Nachbar«; wären Deutschland und Italien zum Beginne dieses Jahr­hunderts jedes unter einem Scepter gewesen, so würde die

Laufbahn des erste« Napoleon wahrscheinlich in einem sehr frühen Stadum gehemmt worden sei«."

Castelar bat an zwei ibm besonder» «abe stehende B'ät« ter, dieDiScussiou" undet Orden" einen Brief gerichtet, aus welchem her vorgeht, daß er wenigsten» so weit a« kommen ist, die föderalistische Republik über Bord zu werfe» Daß seine Ausführungen aber zugleich wenig für die Vortrefflichkert der Republik für Spanten überhaupt beweisen, scheint hm zu entgehen; was er selbst in den vier Monate« seiner Regierung gut gemacht hat, verdankt er nickt der Republik, sondern der Dietatur, also so zu sagen dem Absolutismus.

Aus der Skâhs.

* Hsnau, 39. Spr l. Dieser Tage Nachts gegen 2 Uhr wurde in der Nürnberserstrsße der Cigarrenmacher Ssödel, 27 Sahre alt usd Vater von 3 Kindern, erstochen. Tief in der Recht sollen mehrere Verhaftungen vorgenommeu fein und hofft man den Thäter mitergriffe« zu haben.

Vom Unter-TaunuS, 30. April. I» dem Dorfs Oberem« hat die einzige Tochter einer MühlenbefitzerS durch Ertränken in dem ««»backe am letzte« Freitagabend ihrem Leben ein Ende gemacht. Ein Verhältniß, das von Seiten ihrer Eltern mißbilligt wurde, dürste zu der schreckliche« That wohl de Veranlassung gegeben haben.

* Fulda, 1. Mai. Wie derK Z." aus Pose« ge­meldet wird, ist der wegen Unterzeichnung der Staats-Katbo- liken-Adresse vom Grafen LeöoÄowski mit der großen Ex- communicätio» bedrohte Hülfsgeistliche Schröter zum Birte tot deS hiesigen königliche« Sebrerfeminars ernannt worden.

* Biedenkopf, 1. Mai. Durch Verfügung deS Mini« lerS der geistlichen rc. Augelegeuheiten vom 15. April d. J. ist die hiesige höhere Bürgerschule als eine zu Entlaffungz- jrfifnngen und demnach zur AuSlaffurg vo«Zmgmff-n, welche »en Anspruch auf einjährigen Dienst geben, berechtigt aner­kannt worden.

* Kassel, 1. Mai. Die schon lange projeetirte Pferde- sisenbah« nach Wilhelmshöhe m'tb, nachdem vor wenigen Tag?« vs« Seiten des HandelSministerS die Genehmigung be- uglich des Bahnüberganges bei Station Wilhelms tzöhe erfolgt t, schon in nächster Zeit zur Ausführung gelangen, so daß sie Bahn voraussichtlich noch im Lauf des Sommers dem Verkehr übergebe« werden tarnt.