Intelligenz-Blatt
der Stadt Frankfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. -- ■— o —'
(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
...... ...... "^7!^V'Wâ».Wm«>».,E«m» .............■l■■m^1l^■w■MMWlw^ll>u>l■m^ i-iii..... i ■— — i>—»w No. 96 Samstag den 25. April »874.
Ueberblick der Errignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Hrm»kf«rt, 25. April. Der Reichstag hat im Laufe dieser Woche zunächst dar Reichsmilitärgesetz in der zweite« und dritten Lesung in wesentlicher Uebereinstimmung m t den B schlüsse« der Eowmsssto« erledigt. Ja einigen Paukten jedoch gng dar Haus auf die Vorschläge der Regierung zurück
Der Reichstag hat ferner den Gesetzentwurf in Betreff der Ausgaben von Reichskassenscheinen in zwei- M Lesung genehmigt, nach welchem alle bisherigen Kafleu- scheine der einzelnen Staaten im künftigen Jadre eingezogen werden und statt derselben zunächst für 59 Millionen Thaler Reichèkassenscheiue, und zwar i« Stücken von 5 Mark (1 Thlr. 2 ) Sgr.) ab auSgegeben werden sollen. Der Betrag von 59 Millionen soll allwälig auf 40 Millionen vermindert werde«. Die auèzuzebeuden Reichrk^sseUscheine »er# den^auf die einzelnen Staaten nach der BevölterungSzahl ver«
A« Dienstag (21.) hat der Reichstag endlich den Gesetzentwurf wegen Verhinderung der unbefugte» Ausübung von Kirtdenämtern in erster Lesung berathen. Die Redner der Partheien der Mehrheit erklärte« sich mit d n Absichten veè Entwurfs wesentlich einverstanden; derselbe wird (vermuthlich uuter Zagrundelegung der Anträge einer freien Eommisston) demnächst im Hause selbst weiter berathen werde».
In de« nächsten Tagen werden die Gesetzentwürfe Der das Reichspapiergeld und über die Presse zur drit« ten L sang gelangen. Auch in Bezug auf das Preßgesetz wird die Hoffnung aufrecht erhalten, daß die Vereinbarung, welche uSher weiter gediehe« ist, als bei irgend einem früheren Versuche, auch an devj nigen noch übrig bleibenden Punkten nicht scheitern werde, auf welche die BundrSregirruugen mit Rücksicht auf ihre Pflichten für das Staatswohl einen ent» scheidende« Werth legen zu müssen glauben.
Der Schluß der ReichrtagSsession wird voraussichtlich etwa um die Hütte der nächsten Woche eintrete«.
Das preußische Abgeordnetenhaus, dessen Com- mtnionen in der vorigen Woche bereits eine lebhaftere Tüa- «sk-t entwickelt haben, wird in der nächsten Woche feine Ar- bette« im Plenum wieder aufaehme».
Die »Provincial-CorresponSeaz" bespricht die Absetzung L edochowSkr » und hebt hervor, daß eS vor Allem darauf
ankomme, der unbefugten Fortsetzung der AmtStbäigkeit Seitens abgesetzter Bischöfe wirksam entgegenzutreten. Der Artikel schließt: ,@8 kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Reichsvertretung und die preußische LandeSvertretung bereitwilligst die Mittel in die Hand geben werden, um den Kampf gegen geistliche Verächter der StaatSgefetz; durchzuführen, irren revolutionären Widerstand erfolgreich zu brechen. Je früher die Regierung in den Stand gesetzt wird, mit bestimmtes Maßregeln vorzu^ehen, desto mehr wird sie der äußern Verwirrung und Zerrüttung einiger Maße« Vorbeugen könne», welche durch das Auftreten der Bischöfe immer eutsch edener in die gesammtm Verhältnisse der katholischen Kirche gebracht wird."
Die „Provincial-Eorrespondenz schreit ferner: „Der Kaiser erfreut sich stetig fortschreitender Stärkung des Ge- sammtbefiadenS. Er konnte Sonntag dem Dom-Goiteèdieuste wieder beiwohnen. Derselbe wird jedenfalls bis gegen Mitte Mai in Berlin und Babelsberg verweilen. Das B-siude« der Reichskanzlers hat sich im L >ufe der letzten Woche sichtlich gebessert; doch ist die Betheiligung an laufenden Geschäften auch jetzt noch airsgeschlossen."
Mu» der Nähe.
* Mainz, 24. April. Zwischen Osthofen und Metten- heim legte sich heute in der Frühe kurz vor dem vm beifahrenden Baseler Sourierzug ein Mans, angeblich aus Bechtheim, auf die Schienen und wurde todtgefahren.
* Neustadt, 22. April. Bor einigen Tagen versammelte sich im gelben Saale des Saalbaues eine Anzahl von etwa 30 Herre» und beschloß, für die i« den größeren Städten immer mehr Anklang findende Idee der L-ichenverbren- nung auch hier zu wirke«, und sobald sie hier Anklang findet, mit der Grundlegung zu einem Verein vorzugehen.
* Ober-Olm, 28. April. Hier hat ein Knabe von 13 —14 Jahren mit Kindern von 4—5 Jahren auf dem Speicher eines Hauses .Hängen" grspielt. Einer derselben hing bereits am Stricke, und als der Junge im Begriff war, dem zweiten ein gleiches „Vergnügen" zu bereiten, kam zum Glück die Mutter hinzu und verhinderte das grausame Spiel. Das .gehâugte" Kind war schon ganz blau und konnte noch rechtzeitig bor einem schlimmeren Schicksal bewahrt werden.