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Intelligenz. Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. --------- II O »'N --

(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21,)

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No. 92 Dienstag den 21. April ; 1874.

UederdlicK der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

gtftnlfuYi, den 21. April. Eine Auseinandersetzung der »N. A. Zig." über die Grundsätze der ReichSserfassung in Betreff der Stellung des Bunde^rathS und Les Reichrkanzlers zum Rstchstage trat nicht bloß ehe theoretische Bedeutung, soadern dient wesentlich zur Berichtimng und Widerlegung gewisser Behauptungeu, welche in längster Zeit sowohl in der Presse wie im Reichstage zum Ausdruck gelangt sind. Bo« Sitten der Opposition wurde erklärt, daß der Reichstag gar nicht in der Lage sei, über wichtige Fragen zu verhandeln, wenn der Reichskanzler, als alleiniger Träger der ReichSge» walt, verhindert sei die Vorlagen der Reichsregièruug zu ver­treten. Diese Behauptung findet nun in der „N. A. Ztg " ihre Widerlegung.

In der answertiecu Politik hat die Suez?rage seit einiger Zeit ei»e gewisse lebhafte Polemik herbeigeführt. @6 schien eine Zeit lang, daß Herr Lessch; sich de« gegen sein System gerichteten Au^dnuugeu der Pforte nicht fügen wolle; neuerdings wird gemeldet, daß von Seiten Frankreichs ihm dringend gerathen worden sei, es nicht zum Bruch kommen zu l»ffen, sondern sich den Entscheidungen zu unterwerfe». Mau darf annehmen, daß Herr L-sseps sich auch früher von Fraak- reich hat inspiriren lassen. Es hat allen Anschein, als ob die frarzöstsche Politik von Zeit zu Zeit den Versuch macht, im Orient einen maßgebmdm Einfluß zu gewinnen. Das ist n. Ä. auch bei der Hassunistischen Asgelegenheit zu Tage getre- trm Die jüngste Meldung über die Suezfrage scheint aber dcksur zu zeugen, daß die französischen Staatsmänner es nicht sâr^. aagemessen erachten, diese Versuche einer vorgehenden W«i! zu weiteren Consequenzen zu führe», wobei sie auch ?^L6$ entschiedenen Widerstand sowohl bei England, wie bei Rußland gestoßen wären.

_ . ât! die gemeldete Veränderung im Münchener Cabinet üetriffb von der man übrigens schon lange vorher wußte, so wird man darin wohl nichts weiter als einen Personenwechsel, kemlSwegs aber einen Ey temwechsel erkennen dürfen, der in Ar Depesche als künftiger Cabinetschef genannte Herr von Reuher fit deutsch-freundlich-baprisch gesinnt, ohn; aber ge- radezu entschiede« national oder particularistisch zu fein. An einen Sypemwechsel kann, so lange dar gegenwärtige Mini« ^ ^"^^^r.?^ Sedacht werden. Da die Vorstände de» bayerische» Cabtnetr nach längerer Thätigkeit zu hohen Ber- waltungspost«« berufen zu werden pflegen, so darf Ma« an­

nehme», daß eine ähnliche Absicht hinsichtlich des H?rr« Ey« seuhardt die Ursache seines Rücktritts ist —.fall; eS mit der Meldung überhaupt seine Richtigkeit bat.

In den kirchliche« Sirren, welche durch die vatikani­schen Beschlüsse und daS Verhalte« des preuß scheu SpiScopat» herbeigeführt worden, bildet das Urtheil deS kirch­lichen Gerichtshofes ein entscheidendes Moment. Es wird üch jetzt darum handeln, daß die Regierung in den Stand gesetzt werde, diesem Ausspruch der Gerichts die nöthige Folge zu geben. Zunächst ist es von Wichtigkeit, daß der de« Landtag vorgelezte Gesetzen tmarf über die V:rwaltung erledigter Bis- thümer rechtskräftig werde, da sonst leicht Zustände ein treten könnten, deren Remedur große Schwierigkeiten finden möchten.

ES ist daher zu erwarte«, daß der Gesetzentwurf unmittelbar nach Wiederaufnahme der LandtagSarbeiten auf die Tagesord­nung gesetzt und so schnell al» möglich seiner Erledi uug ent* aegengeführt werde» wird. Aber schon vorher wird der Reichstag das eben so wichtige Kirchendienergesetz zu berathe« und zu erledigen habe«. Was freilich LedochowSki betrifft, so wird das letztere Gesetz gegen denselben vorläufig nicht zur Anwendung zu bringen sei», da er hinter Schloß und Riegel sitzt und daher nicht im Stande ist, die ihm dnrch richter­liche« Beschluß abgenommenen Functionen weiter fortzuführen

Aus -sr Nâhs.

* Darmstadt, 19. Vorgestern erhängte sich ein Dienst­mädchen in der Wieserstraße. Dieselbe hatte sich, wie wir böten, einer Keinen Vergehen» gegen ihre Dienstherrschaft schuldig gemacht und war dadurch in den Zustand äußerster Verzweiflung gerathen, daß ihr Dienstherr ihren Eltern Mit­theilung von dem Borgefallenru gemacht hatte.

* Nassau den 14. April. Die Erbreiterung unserer Emserstraße, die im Sommer am meisten von Emser Wagen befahren, ist auf der einen Seite auf die anetfennenS* wertheste Weise vollendet und darret «och der Fertigstellung auf der anbereu Seite und der Pflasterung. Nach Ausschreiben der letztbezügliche« Arbeiten dürfte die Straße auch in dieser Hinsicht noch vor Beginn der Saison hergestellt sein. Außer­dem ist die theilweise Pflasterung anderer Straßen in Aus­sicht genommen. Durch diese Verbesserungen wird den« aber­mals die Stadt ihren Besucher« gerecht werde«.