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der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage -— ■— o —■

(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

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Ns. 90 Samstag den 18. April 1874.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der

: . politischen und materiellen Interessen.

* Frankfurt, ben 18. April. Am 13 April vollendete in Berlin der Geuers!- Feldmars chall Graf von Wrangel, oer Nestor der preußischen Armee, sein neunzigstes LebeuS- jahr. Die Geschichte seines Lebens ist vielfach mit der @e< schichte unseres Vaterlandes auf das Engste verbunden. Graf ». Wrangel wurde in Stettin am 13. April 1784 geboren, wo sein später als Commandant «ach Kolberg versetzter Vater in Garnison stand. Er trat bereits 1796 als Junker in das Dragoner-Regiment damals „von Werther" genannt, wurde 1798 Lieutenant, und 18'1 wirklicher Rittmeister. Seit der Schlacht bei Heimberg, am 10. Juni 1807, zierte ihn der höchste Orden für kriegerisches B-rdienst, wozu wegen teiltet Tapferkeit in dem Treffen bei Heinau am 26 Mai 1813, das eiserne Kreuz sich gesellte. Zum Major ernannt war er den 14 Oetobrr 1813 mit seiner nunmehr in dar „Ostpreutzische Kürassierregiment" umzewaudelten Schaar bei Libertwolkwitz und half fünf feindliche Dragonerregimeuter über den Haufen werfen. Den Tapferen schmückte bald dafür das eiserne Kreuz erster Klasse, sowie der russische Aunenorden. Im Jahre 1819 wurde Wrangel Oberst und 1823 General und Führer der Cavalleriebrigade in Posen, wobei er be­sonders 1831 an der polnischen Grenze sich auSzuzeichnen Gelegenheit fand; ebenso war dies der Fall in Münster 1837, wo er zum Generallieutenant emporstiez. Im Jahre 1839 wurde ihm der Oberbefehl bei erste« und 1842 der bei zweiten Ärmerem PS übertragen, in welcher Eigenschaft er 1843 die Rriterüdungen in Berlin leitete. Sein Jubiläum nach fünfzigjähriger Dienstzeit feierte Wrangel 1816. Im Jahre 1848 führte er als General der Kavallerie dea Krieg gegen Dänemark, wurde im November zum Gouverneur von Berlin und Oberbefehlshaber in bett Marken ernannt, erhielt beim sechszigjährigen Jubiläum 1856 dm Titel als General- Feldmarschall, kämpfte darauf 1864 auf's Neue gegen die Dänen, biS er, nachdem Pünz Friedrich Karl die weitere Leitung des Krieges übernommen, nach Berlin zum Genusse der wohlverdiente« Ruhe zrrââkehrte. Der König ehrte ihn durch Verleihung des Grafentitels. Den spätere« kriegerischen «reignifftn blieb der greise Krieger, obwohl mit dem wärmsten Herzen sie begleitend, fern. Er hatte daS Seinige redlich zu seiner Zeit gethan.

Nus der Nâhr.

* Usingen, 15. April. Die alle Lea zu Cleeberg, deren Alter auf 107 Jahre geschätzt wird, ist zur Stunde noch wohlauf. Sie hat voriges Achr zum erste» Male in ihrem langen Leben einen Arzt gebraucht und war auch nach ein paar Tage» wieder »unter. Sie hält «och ihre« „langes Tag", besucht die Synagoge, ja geht selbst zeitweise allein nach dem V« Stunde von Cleeberg entfernten Oberkleen. Ihr Gehör hat zwar nachgelaffen, ihr Gesicht aber ist gut und ihre Fas- sangSgabe für ihr Alter erstaunlich' Wer sie sich vsrsteilen will, denke sich eine zu der Größe eines 14jährtkien Kindes znsammengeschrumpfte, vertrocknete, jedoch nicht gerade absto­ßende Mumie. Seitdem sie „durch Gott und gute Leut" ih« rer früher so drückend gewesene« Nahrungssorge» enthoben ward, ist sie zusehends wieder anfaelebt. Nunmehr ist der von Herrn Pfarrer Weygandt in Eschbach, früher in Cleeberg, verwaltete Uuterstützungsfouds, so weit er auf der Creditkafle in Oberkleen deponirt war, erschöpft.

* Hanau, den 16. April. Den (vom 1. Mai ab) zum Stadtgerichts-Präsidenten in Frankfurt am Main ernannte» KreiSgerichtS-Director Lana sieht man hier sehr ungern scheiden. In seinem laugjährige» Dienst hierselbst hat er sich durch seine GrschäftSgewaudtheit nnd freundliche Humanität in alle« Kreisen beliebt und geachtet gemacht. Bor Jahren war er Justizbeamter in Bsckrnhei«, von wo er damals als verfassungstreuer, renitenter Richter zur Strafe versetzt wurde. Von Geburt ist derselbe ein Schaumburger (aus Rinteln).

* Bom südliche« Taunus, 15. April. HoffnungS« reicher als in diesem Frühjahre habe« die Obstbäame lange nicht d »gestanden. Kommt nicht wieder ein Mißgeschick darüber her, so werden unsre Haine dann, „wenn alle Knospen springen", Millionen von Blüthen entfalten und, wie damals in 1817, einen wahrhaft feensrtigen Anblick darbieten. Heute sagen uns die Bäume: „Auf manchen Fehler der letzte» Jahre bringen wir heuer einen vollen Treffer". Möchte sich's bestätigen! — Die Idee der Anzucht von Höhlenbrütern ist in Neuenhain, besonders auf fruchtbaren Boden gefallen. Auf Koste» der Gemeindekasse wurden mehrere hundert Nist­kästen für die verschiedenste« Arte« von Bogelgattungeu hergerichtet; auch die Bürger haben AnkennungSwertheS ge­leistet. Sind die künstlichen Brutstätten im Allgemeinen eine Sache von hoher Wichtigkeit, so sind sie insonderheit eine Lebensfrage für eine Gegend mit so reichem Obstbau, wie die unsere.