Intelligenz-Blatt
der Stadt Franffurt a. M., -
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. " v
(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
No. 88 Donnerstag den 16. April 1874.
' -erblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 16 April. Wie er heißt, soll die Rote des Grafen Andrassy, welche der österreichische Reichskanzler aus Veranlassung der päpstlichen Evcyclika vom 7/ März an die Kurie gerichtet hat, erst dann veröffentlicht werde», wenn die Rückantwort der Kurie et flossen sein wird. Ueber den Inhalt der Note hört man, daß dieselbe eineFort- fetzung jener Kundgebungen sei, zu denen sich das österreichische auswärtige Amt in den letzte« Jahren Angesichts der Wandlung der kirchliche« Verhältnisse wiederholt veranlaßt gesehen hat. Unter diesen Kuudgebuuaen fei eS inrbesoudere eine Depesche vom W. Februar 1870, welSe den N rchweiS liefere, daß die Neurruvgm im Schosß- der Kirche eine UmgeSaltuva der bisherige« Verhältnisses zwischen Staat und Kirche zur Folge haben müssen. «uck die neueste Note deS Grafen Aadraffy lasse eè an dem Nachweise nicht fehlen, wie gerade jetzt Lie Regelung der Rechtsgränzen zwischen Staat und Kirche zu einer im Interesse beider Theile begründeten Noth- Wendigkeit geworden sei. Damit sei zugleich die Berechtigung des Staate» zam Erlasse konfessioneller Gesetze über allen Zweifel erhöbe», und sie werde von dem Minister deS Auswärtige« in ausführlicher Weise motivirt. Selbstverständlich unterlasse es Gros Andrassy nickt, sehr nachdrücklich hervorzuheben, daß mit den konfessionellen Gesetzen ein Eingriff in die religiöse Sphäre gar nicht beabsichtigt sei; die Rote entwerfe vielmehr ein deutliches Bild von der Be- staltung, welche in Zukunft das Verhältniß zwischen Staat und Suche apvehmm wird. Dabei aber versäumte sie es nicht, die letzte Manifestation des Papstes als einen Eingriff in die inneren Angelegenheiten des Staates energisch zurückzuweise«, zumal dieselbe zum Widerstände gegen legal zu Stande kommende Gesetze aufs arbeite. Der Verkehr zwischen der tturie und dem Episkopate sei durch die Evcyclika vom 7. März in bedauerlicher ^Weise gegen das Interesse des Staates ausgebeutet worden, und er würde einer rigorosen Aufsicht Seitens des Letzteren unterzogen -werben müssen, fall» er noch weiter in ähnlicher Weise mißbraucht würde. Schließlich betont die Note die Solibaribit der Regierungen Wstchtlich des Inhaltes der konfessionellen Gesetze. Die Karte wird sicherlich ihre Antwort auf diese Ausführungen deS Grafen Andraffy nicht schuldig bleiben. Wir hegen indeß die Zurersicht, daß die Replik bei Vatikans wirkungslos ver
hallen wird. Die in ihrer RechtSailtigkeit von dem heilige« Stuhl» aufgefochteueu Gesetze werden hoffentlich der kaiserlichen Sauktiouirung theilhaftig geworden sein, ehe die römische Antwort in Wien eintrifft, und das Archiv des Wiener Auswärtigen Amtes wird nur einen Zuwachs seines schätzbare« Materials z« registrire« habe«.
Aus der Nähe.
* Hanau, 14. April. Zum Ankauf von Remonten im Alter vorzugsweise drei und ausnahmsweise vier und fünf Jahren ist ia Hanau de« 16. Juli, Morgens um 8 Uhr be- ginnend, Markt auberaumt worden.
* Darmstadt, 13. April. Wie wir vernehmen, ist an die Staatskasse die Weisung ergangen. 8200 Gulden au die katholische« Pfarrer bei Landes anszuzahles, um den Gehalt der gerinabesoldeten auf 1000 Gulden für das ö er floss ene Jahr 1873 zu erhöhen.
* Mainz, 14. April. Heute Morgen gegen 4-Uhr verunglückte beim Rangiren im Bahnhof ein Heizer. Demselben mußte der linke Arm amputirt werden.
* Mainz, 13. April. Herr Pfarrer Sickiuger von Oppenheim, welcher am 6. v. M. vom Großherz. Bezirksgerichte wegen Verletzung bei § 130 a (Kaszelparagraph) zu drei Wochen Festung verurtheilt worden war, wurde gestern in der Appellinstanz v»» Großh. Obergerichte freigesprochen.
"Oberlah «stein, 14. April. Sicherem Vernehme« «ach sind die königl. Landräthe durch den Herrn Cultusminister beauftragt worde«, die Leistungsfähigkeit der einzelnen Gemeinden behufs der Aufbesserung der Lehrergehälter zu ermitteln und soll noch in diesem Jahre letztere allgemein durchgeführt werden.
* Kaiserslautern, 14. April. Bei einer hier vor- genommenen Wurstvisitation wurden mehrere hiesige Metzger, welche ihre« Fabrikat cireo 20 p'Lt. Stärkemehl deigemischt hatte«, zu je 10 Thaler Strafe verurtheilt.
* Mü « che«, 14. April. Bon den hiesigen Geschrfts- leuten haben sich 776 für das Offenhalten und 623 für daS Schließen der BerkaufSläse« au Soun- und Feiertagen ausgesprochen. Ja dèr gestrigen Sitzung des Handels-Vereins wurde beschlossen, künftighin an Sona- und Feiertagen die Läden spätestens um 2 Uhr zu schließen. Die Zeit des Aufmache»« der Läden ist freigesteüt.