Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz.Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage

6 ----- ■— o —-■.

(Expedition am H. Geistpförtchm, Schlachthausgaffe 21.)

1 — " ■■■TT«»^^B«utS^^ Li . ■"L .«Mgmwo»»^ No. 78 Donnerstag den 2 April 1874.

UeberdUck der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den2. April. Das deutsche Reick besitzt in ander Summe 6),001 Volksschulen, in denen 6 Mil­lionen Schü'er unt reichtet werden Gymnasien gibt es in Deutschland 850, Progymasien 214, R ealgym- Italien 14, Real- und höhere Bürgerschulen 483. Die Gesammtrahl der Schüler auf diesen Anstalten beläuft sich auf 18Q.C00.

In Prevßen Wa en 1873 «ul den Gymnasie« rc. ci. 120,000 Schüler. Davon waren:

Evangelische 87,000 oder 72,5 pCt.

Katholische 22 G00 oder i«,8 „ Juden 10 000 oder 8 7 „

Auf 10,000 Evangelische kommen wei er van Schülern höhe­rer Anstalten 63 (31 Eymnasilsten und 22 Realschüler); auf 10,000 Katholiken so? m^n 28 Schüler (21 Gy «nast fft », , 7 RealsHülers; auf 10.000 Juden komme« 315 Schüler (191 Gymnasiasten und 121 Realschüler).

Demnach stellen die Juden das größte Contingent an Schülern in höheren Anstalten.

Ueber das Ergebniß des BolksschulunterrichteS hât sich bei den R?k uten f^lgendet Resultat ergeben:

In Preußen waren 3.7 pSL obne alle Schulbildung, d. h. körnten weder lesen noch schreiben. Unter 221 Rekruten ohne Schulbildung waren 193 Katholische, 2 - Evangelische und 1 Jude.

Aehulich stellen sich die Be bältmsse im übrigen Deutsch­land ; eirzelns Kreise in Bayern stehen jedoch bedeutend zurück hinter Franken und der Pfa'z.

In Oesterreich ist die Schnlbildnng in dem vorwiegend deutschen CiSleithamm am besten.

In Frankreich waren nach der letzten bekannten Zäh­lung 24,33 pEt. der Rek-ute« ohne Schulbildung.

In Italien können etwa 70 pEr. der Bevölkerung we­der lesen noch schreiben, was nicht Wunder nehmen kann, da hier nur 37 pEt. der schulpfl-chtigen Kinder vie Schule be­suchen.

Ji England, wo kein Schulzwang ist, weil man bie freie Selbstbestimmung der Eltern nicht avtâ« will, steht es ebenfalls traurig. Dort könn n nur 25 pCt, der Herraths - lustigen ihren Namen ins Protokoll schreiben (20 pEt. Män­ner, 30 pLt. Frauen). „ , _,

In Spanien firib' 75 pCt. ohne Schulbildung.

I« Rußlaud können nur 10 pEt, der Rekrute« lesen und schreibe»; 90 pCt. fi«d also ohne Schulbildaug.

Der preußische Landtag ist bekanntlich bis zum 13. April vertagt worden ; an diesem Tage wird zunächst das Abgeordnetenhaus zu einer lediglich formale« Sitzung zu­sammentrete n und er wird bann »an Präsidenten die nächste Sitzung auf einen späteren Tag, bis zu welchem der Reichs­tag mit seinen Arbeite« zu Sude gelangt sei« kann, anbe- ranmt werden Vorläufig ist dafür der 23. April in Aus­sicht gekommen, als spätester Termin der 27. April. In wie weit die Kommissionen des Abgeordnetenhauses in der Luge sein werden, die Ze t bis dahin für ihre Arbeiten zu verwerthen, hängt devan ab, wie ihre Mitglieder selber im Reichstag beschäftigt sind. Die Sommissts« für die Kirche r- gesetze wird, wie man aunimm , die Barbeeathnog derselbe« in bit Zwischenzeit erledige«; ob dasselbe milder Commission für die P-ovinz'ül Ordnung der Fall sein wird, ist noch Mr zweifelhaft, we l zuvor «och ein Gesetzentwurf über die Pro- vinzislfondL erwartet wird. Bei dem Mangel an Zeit wird der Landtag in der Auswahl der Arbeiten, welche mit Sicher­heit erledigt teeren sollen, bezeichnet man das Expropriations- Gesetz und die beiden Kirchen-Gesetze; zweifelhaft verhält es sitz mit der Provi»zia!ord«u«g und zwar um deSwille», weil in derselben an das Herrenhaus ein «euer, noch nicht vor- berathener Stoff heranteitt und das Zustandekommen der Previnzislordnung also wesentlich davon abhâsgt, wie weit daS Herrenhaus dabei thätig sein wird. Eelbstoerständlich werden die Eisenbohnvorlage» zur Erledigung gelangen. Wok die geschäft­liche Behandlung deS SisenbahuconcisfionSgesetzes und deS Be­richtes der Epecial-UntersuchungS-Eommissim betrifft, so wird eS darauf -«kommen, wie weit das Abzeordnetsuhrus de» Wunsch haben wird. Über das Stincip des ersteren Ge­setzes sich auSz»sprechm und auf bie Ergebnisse der Commission einLUgehe«. Die daraus erwachsende Arbeit ist eine ziemlich bedeutende und vielfach ist die Meinung verbreitet, daß es an der Zeit zur Vorbereitung für eine gründliche Behandlung dieser wichtige« Angelegenheit gebricht, weil die de« Reichstag angehör-ge« Mitglieder des Abgeordnetenhauses während der Vertagung d s letzter« ihre ganze Kraft auf die Erledigung der Reichrtagsgeschäfte verwende« müssen. Endlich aber wäre auch die, mit der SinbernfMgSzeit für die parlamruta- rifche« Kö perschaften im Reiche nnb in Preußen zusammen hänzeude wichtige Frage der Verlegung deS Etats-Jahrs zu er­örtern; falls nämlich schon für daS Jahr 1875 damit der Anfang gemacht werden sollte, so würden noch in der laufenden Session des preußischen Landtages die Vorkehruugen dazu zu treffen sei«