; Intelligenz-Blatt
L der Stadt Frankfurt a. M.,
^ verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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I i (Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
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No. 72 Donnerstag den > 6. März 1874.
; Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen «nd materiellen Interessen.
Frankfurt, 26. März. Unter den Mosificaiioue«. welche der Religionidieuer-Gesetz-Entwurf in den beiden Bundes- rathSsttznugen erfuhr, befindet sich eine von wesentlicher Be- dmtnng, die principiell zu, billigen ist, praetisch ledoch dar ganze Gesetz allein für Preußen nutzbar macht. 3m preußischen Entwürfe befand fich in Beziehung auf die Renitenz der entlassenen Geistlichen die Bestimmung, daß diese Tut- lassung „durch richterliches Urtheil" erfolgt sei. 3« Rücksicht . auf die hohe Bedeatnua, welche die Entlassung eines Bischofs aus seine« Ktrchenamte hat, ist es unbedingt zu billigen, daß die Behörde, welche darüber zu entscheiden hat, selbstständig nach feststehenden Normen verfährt, und eine solche Behörde ist allein die richterliche. Der JustizauSschuß jedoch setzte bei seiner Berathung über den Gesetz-Entwurf an Stelle der »orte: „durch richterliches Urtheil", die Worte: „durch Entscheidung der zuständigen Staatsbehörde", weil in den meisten deutschen Staaten «ach den bestehenden Gesetzen über die Entlastung von Bischöfen allein das Staatsministerium im Wege der Verwaltung entscheiden kann und uur in Preuße» ei» Gerichtshof besteht, der gesetzlich die AmtS-Sutsetzung über die Bischöfe zu verhängen hat. Gegen diese Ausführung der Justiz-SuSschusteS wurden in der Plenarberathung des BuudeSrathS Bedenken laut. Man dürfe nicht durch em Reichrgefetz ben einzelnen Regierungen die Hand dazu bieten, durch willkürliche, sog. Touseränitäts-Acte Würdenträger der Kirche ihrer Stellung zu entsetze« und sodann aus de« Lande und dem ganzen Reiche zu verweisen. Würden r« Zukunft die übrigen Bundesstaaten, gleich Preußen, gezwungen, gegen die Geistlichkeit fich so einschneidender Mittel wie der AmtS-Entsetzung zu bedienen, so liege er in der Natur der Sache und der modernen konstitutionellen Verhältnisse. einem solchen Schritte die Sanetiomrung eines beâliche« Landes'- aesetzeS voran gehen zu lasten und einen Gerichtshof zur Wahrung dieser Gesetze, einzufitzen. Thatsächlich habe das ' Reichsgesetz, betr. die entlassenen und renitenten ReligionS- diener, nur für Preußè« eine practische Bedeutung, aber das Bedürfniß der Herstellung diese« Gesetzes ging de facto ebenfalls nur von Preußen auS. — Diese Bedenken bewogen schließlich ben BundeSrath, die ursprüngliche, preußische Fassung („durch richterliche» Urtheil") wieder Herzichelleu.
Bo» dem Dock der Herre« Samuda Brothers in Poplar, sief der „Kaiser", das erste der zwei Panzersahr zeuge, die
nun in England für die deutsche Regierung gebaut werden, in Gegenwart der Deutschen London'- erfolgreich vom Stapel.
Die Taufe des neuen Fahrzeuge» wurde auf besonderen Befehl des deutschen Kaiser- von der Comtesse Marie Münster, Tochter bei deutschen Botschafters, vollzogen. Der „Kaiser, der »ach dem Entwurfs des Herrn E. I. Reed, früheren Oberingenieur« der britischen Marine, gebaut wurde und in seiner Form viel Aehnlichkett mit der englische« Panzerfregatte „Herkules" hat, ist eine Fregatte von 280 Fuß Länge, 62 Fuß 8 Zoll Breite nab 41 Fuß 4 Zoll Tiefe, und 5063 Tonne gehalt. Die Maschinen von 1150 Pferd ekraft lassen 44 Knoten in der Stunde erwarte«, und da der „Kaiser" Schiffs- Tackklage erhält, wird er unter Segel eine beträchtliche Fahrgeschwindigkeit selbst ohne Dampshâlfe erzielen. Die Armatur der Fregatte wird aus einer Batterie von 8 Stahlkanone« im Gewicht von 22 Tonnen und einem 18 Tonnen schweren Geschütze bestehe». Außerdem ist das Fahrzeug durch einen Panzergürtel von 8 bis 10 Zoll Dicke geschützt. Für dk« Angriff wie für die Vertheidigung wird der „Kaiser" ohne 3® eifel eines der furchtbarste« Schiffe der deutschen Marine sein. Dem Stapellauf schloß sich ein Dejeuner bei Herr« Samuda, dem Erbauer bei Schiffes, an, bei welchem außer dem deutsche« Botschafter und seiner Tochter,Z Osficiere fast sämmtlicher Mari«eu Europa', zugezen waren. In der Beantwortung des Toastes auf die Gesundheit de« deutsche« Kaisers sprach Gras Münster von England und Deutschland als deu zwei großen civilistrenden Mächten der Erde und drückte die Ueberzeugung aus, daß, wen« je die Kanonen des „Kaiser" in feindlichem Sinne abgefeuert würden, die« an der Seite der Kanonen Englands geschehe» würde.
Aus der Rühr.
* Mainz, 23. März. Die Musterung der im Jahre 1874 Militärpflichtige« tm Stadt- uud Landkreise Mainz Mrd am 8. April beginnen und am 18. April endige» und im ehemaligen Carmelitenkloster vorgenommen werde». Die Loosziehung aber findet am 21. April statt.
* Castel, 23. März. Der dieser Tage hier todt aufgs- funbene Mann heißt, ausweislich der polizeilichen Erhebung, Caspar Lomb und ist au- Marbach.
* Münnerstadt, 23. März. Dieser Tage wnrde der Bahnarbeiter Georg Wedel von Poppe«lauer am Tunnel bei RotterShausen durch eine Herabstürze ade Erbmasse getödtet.
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