(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
No^ 54
Donnerstag den 5 Mârz
1874.
UebrrblilK der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 5. März. Man schreibt über die hevor- Menbe Ersetzung deS Gesandten in Paris Vrase» Arnim u. a. aus Berlin: „Der zum Nachfolger ernannte ist kein geringerer Maun, als Fürst Llodwig von Hoheelohe-Schillingsfürst, ehemaliger bayerischer Mcher-Präsidew, erster Vice-Präsident des Reichstages. Ler Fürst hat sich bei einer gewissen Gelegenheit als ein Mitnißer, vocansschauender Politiker gezeigt, als er vor tw vaticmische» Concil im Namen BaynnS die Mächte srfforderte, bei Zeiten Maßregeln gegen die beabsichtigte UnschlbmkeiiSerklärung zu treffen. Die Entscheidung war aus dem Concil lange zweifelhaft, und wenn der W derstand der Bischöfe g'gen die J-surten von den europäischen Mächten rechtjeiäg unterstützt worden wäre, so möchten uns viele Wirren erspart sein. D e Abberufung deS Grafen Arnim Bat fâ die Wissenden nur eine Frage der Zeit. Fürst Bismar! HM die Vorgänge in seinem Ressort gern in das tiefste Geheimniß. So viel aber ist kein Geheimniß, daß er Mi de« Verfahren seines pariser Botschafters nicht immer eirüerSanben wir. Der Fürst vrrlangt von seinen Gesandten, M sie seine Weisungen auss strengste beolgen und sich im Eigen nur als Berichterstatter beirachten. Es bringt ihn Air mehr aal, als wenn sie Politik auf eigene Faust miven wollen, was das feiner Zeit ;. B. vom Grafen v. d. W in Paris geschah. Dies.r suchte den Krieg mit Oester« lisch zu hintertreiben, den Bismark inc nothwendig hielt, und « hat ihm dieser nie verziehen. Aus was für Gründen der âlchSkauzler mit der Wirksamkeit se ars pariser Botschafters "M ganz eiaverstanden war, lassen wir dahingestellt. Um Wirr Zerwürfnisse kann eS sich nicht handeln, da Graf Mw, wie man hört, für einen neuen Bo schasterposten be- At lst' der in Konstantinopel errichtet werde a soll; doch Meduse,Ernennung noch nicht als ganz abgemacht zu Miqien sein. Die Ernennung des Fürsten Hohenlohe wird »«wie ehemals die deS Grafen Münster, erst nach dem N^» ^fchlusse erfolgen, damit seine Thätigkeit im Mchètsge nicht unterbrochen werde."
J» «lsaß tauchen hier und da einige Adressen auf. die den
" â ß deSavouiren sollen, welche aber der Thatsache ^.Eer, daß die Mehrzahl der elsaß-lothringischen Avgrord- W in der That im Reichstag geblieben ist, ziemlich beben*
tungSloS sind. Sie könnten höchstens auf Beachtung Anspruch machen, wenn sie mehr wären als die Kundgebung einer Hand voll enraaoirter Deutschfeinde und Franzosenanbeter. Die Logik der Thatsache« ist doch stärker, wie eine Demonstration mit großen Worten.
Ein neues Mißgeschick hat die Armee der spanischen Regierung unter MorioneS betroffen. Sie ist von den C ar listen, deren Linien sie zum Zwecke der Entsetzung von Bilbao durchbrechen wollte, geschlagen worden. Der Telegraph hat heute Morgen darüber Eiuz'lnes berichtet. Die Carlisten werden jetzt noch mehr, als seither, die Meister im Felde spielen. Ob sich Bilbao, dessen Bombardement sie mittlerweile eröffnet haben, so lange halten kann, bis MorioneS die gewünschten Verstärkungen erhalte« und eine neue Schlacht gewonnen hat, steht sehr dahin. Die bisherige Kriegführung der Regierungsgenerale zeigt nicht allein von Schwäche, sondern auch von wenig Geschick. , : ?
AUS vet Nähe.
* Homburg, 4. März. In dem jüngstea LicitationS-Ter- mine hat die Stadt Homburg v d. H. sämmtliche der früheren Spielpacht-Gesellschaft noch gehö igen I nmoöilien (mit Ausnahme ves , sogenannten Dreciociai-Gebäudes), also das große Kaffee« n«d Äatze-Haus mit allem darin hesindliche« Mobiliar, das Theater nebst Deeorativne«, Aarderobe, Requisiten und Mobilien, endlich die GuSfabük für 271.00) fl. käuflich erworben und sofort 20 pEt. des Krufgelaes Harr hinterlegt. Außer dem vom Bürgermeister im Namen der Stadt Homburg abgegebenen Gebote war ein anderes nicht erfolgt.
* Kassel, 3, Mirz. Ji der RecnrSsache des Herausgebers der „Hessische» Blätter", Hopf, und des Redacteurs dieser Organs, Ellenberger, welche vom Kriegsgericht Rotenburg wegen Majestät-beleidigung, freien gen in einem ,DaS alte und das neue Recht" betitelten Artikel, zu einer FestungS- stcafe von 4 Monaten, resp, zu 20 Tylr. Geldbuße verurtheilt worden waren, ist das erstinstanzliche Urtheil einfach heute bestätigt worden.
* Halle, r. März. Dieser Tage starb der Student jur. Gundlach in Folge von Wunden, die er auf einer in voriger Woche in der Haide stattgehabten Mensur empfangen hatte. Die Trauer der armen, tiefgebeugten Mutter, einer Wittwe, über den herbe» Verlust des hoffnungsvollen Sohnes, ist un- beschreidlich.