Intelligenz-Blatt
bet Stadt gruttfiirt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
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No. 26 Samstag den 31 Januar 1874.
UeberbUck der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 31. Januar. Die „Prov. - Corr." enthält an der Spitze ihrer heutigen Ramme iolgende« Artikel: .Die ultramontane Partei in Frankreich hatt- schon seit einiger Zeit durch Kundgebungen in bischöflichen Erraffen, sowie in der Presse eine lebhafte und leidenschaftliche Theilnahme für die Bestrebungen ihrer Gesinnungsgenossen in Deutschland zu erkennen gegeben. Neuerdings hat einer der Bischöfe in einem Hirtenbriefe, welcher sich durch Heftigkeit der Sprache vor allen bisherige« Aeußerungen auszeichnete, die Behauptung aufgestellt, daß sich D utschland mit Italien und der Schweiz zur Verfolgung der katholischen Kirche verschworen habe. Um diese Behauptung zu begründen, wurde das Verbältm dèr deutschen Regierung in den fchmähenbftm TuS» drücken geschildert. Durch das gerechte Brfrâen, wttcheè diese herausfordernde Sprache überall und namentlich in Deutschland hervorrief, hat sich die französische Regierung veranlaßt gesehen, dem bedenklichen Verhalten der ultramontaneu Partei im Interesse Frankreichs selbst entgegen zu treten. Der Weiftet der auswärtigen Angelegenheiten, Herzog von DecazeS, vehm jüngst Gelegenheit, in der Ranonal-Ver- sammlung Erklärungen abzugebe», durch welche zunächst die Besorgnisse wegen Störung der Beziehungen zur italienischen Regierung beseitigt werden sollten, und fügte sodann hinzu, die Regierung wolle de« Friedm, weil sie denselben für das Wohl Frankreichs für unerläßlich halte, weil sie wisse, daß die Heche« Wünsche des Landes auf den Frieden gerichtet seien. Um ihn zu sichern, werde die Regierung unablässig bemüht sein, alle Mißverständnisse zu beseitigen, allen Conflicten vorzubeuge»; sie werde den Frieden auch gegenüber ritelen Deklamationen und bedauerlichen Auftzetze- reren, woher sie auch kommen möchten, zu wahren suche«. Die Ehre und die Würde Frankreichs seien be- ^W durch politische Ab.» teurer, deren Gebühre« das Land verhângnißvoller Weise zu einer Schwäche oder zu einer Thorheit treiben würde. Siefen Erklärungen deS Ministers, welche von der Nationalversümmlang mit groß:- Zustimmung ausgenommen wurden, entsprach ei« thatsächlicher Schrrtt der Regierung. Das bedeutendste Blatt der ultramontAnen Partei, der „UniverS", welcher den erwähnten Hirtenbrief veröffentlicht hatte, wurde auf Beschluß des Mtuisterraths auf zwei? Monate verboten und diese Maßregel ausdrücklich darauf be
gründet, daß das Blatt sowohl durch eigene Artikel, wie auch durch Urkunden, die eS veröffentlicht habe, diplomatische Verwickelungen herbeizuführeu drohe. — Indem so die französische Regierung in freier Entschließung und lediglich in Srwäquug der Interessen Frankreichs sich mit Wort und That von der »ltramontanen Partei losgesagt hat, deren Bestrebungen im Laufe der letzten Jahres einen gewissen Einfluß in den herrschenden Kreise» Frankreichs genommen zu haben schienen, hat sie an ihrem Theile einen Beweis der richtigen Würdigung der allgemeinen Lage und der Stellung Frankreichs in derselben gegeben. — Allerdings hat die Maßregel, welche die französische Regierung ergriffen hat, zunächst nur die Presse getroffen, welche die gehässigen Angriffe gegen Deutschland verbreitet hat, nicht die geistlichen Urheber derselbe«. Der weiteren Erwägung der kaiserlich deutschen Regierung bleibt eS Vorbehalte», inwieweit nach Lage der Berhâltsisse und auf Grund der französische« Gesetzgebung »och eine Genugthuung und Sühne in Betreff des Verhaltens der geistliche« Würdenträger selbst ins Auge zu fassen sein wird."
An» der Nkâhe.
* Aus d.em LorSbachthale, 27. Januar. Der Berghau im Taunus gewinnt immer mehr an Bedeutung. Ein frisch aufgeschlossenes Tßonschieferlager in der Gemarkung WürgeL verspricht eine nicht unerhebliche Ausbeute. Der zu Tage geförderte Schiefer steht in qualitativer wie auch in quantitativer Beziehung jene« der rheinischen weltberühmte« Schiefrrgrubèn bei Caub im Rheiugaukreise nicht nach. In diesen Tagen wurde auch in einem Grubeufelde bei Selters, Amts Jdsteiu, ein Gang von Blei- und Silbererzen angehauen. Ueberhaupt ist anzuuehm?», daß, sobald die im Bau begriffene Main-Lahu-Bahn den Transport befördert, mancher stillgestellte Grubenbau wieder in Betrieb gesetzt wird.
*Groß»Zimmer«^28. Januar. Dieser Tage wurde in unserer Gersprenz die Leiche eine» Mädchens aus Groß- Umstadt gefunden, welches sich den Tod gab, weil es eine Liebschaft unterhielt, vou de. feine Angehörigen nichts wissen wollten.
* Wiesbaden, 27. Januar. Leony v. Langsdorf hat statt Zuchthaus 1 Jahr 6 Monate Gefängniß erhalten und wird morgen oder übermorgen zu ihrer Mutter und Schwester nach Coblenz abgeführt werden.