Znielligenz-Blatt
der Stadt FrMkfurt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
No. 20
SamStag den 24. Januar
1874.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
wird, daß die Cholera aufS innigste an das sociale Elend . gebunden ist und all« hygienische« uud aesundheitspolizeilichen < Maßregeln, welche gegen die Berbreitung der Cholera getroffen werden, gerade diesen Gesichtspunkt ganz besonders ins Auge zu fassen haben. Der zweite Hauptabschnitt beschäftigt sich mit dem prophylaktischen Verfahren gegen die Cholera und kommt zu dem Ergebniß, daß, wenn eL selbst der vollkommenster» Sorge auch nicht überall gelingen wird, große Volkskrankheiten zu verhüten, er doch überzeugt ist, daß die bestehenden Schäden und Mängel in der öffentlichen Gesund- beitspfleSe zur Verbreitung derselbe» und namentlich der Cholera sehr wesentlich beigetragen haben und eS keineswegs außer der Möglichkeit liegt, mit der Beseitigung dieser eine wesentliche Beschränkung der Epidemie zu bewirke«.
Frankfurt, den 24. Januar. Das Reichskanzler- Amt hat den jetzt umfassenden Bericht des ordentlichen Pro- stssgrs der mcdicimsche» Facultät der Berliner Universität, Dr.
Hirsch, welcher auch Mitglied der Cd lera- Commission der Deutschen Reiche- war, über „das Auftreten und den Verlauf der Cholera in den preußischen Provinzen Posen and Preußen während der Monate Mai bis September 1873" veröffentlichen lasse«. Dem gelehrten Forscher war M13. August vor. Js. der Auftrag geworden, sich nach ge« nannten beiden Provinzen zu begeben, um nähere Ermittelungen über Auftreten und Verlauf der Cholera daselbst anzustellen und sich über die Resultate der dort gegen die Seuche ge» troffeueu propbylaktische« Maßregeln an Ort und Stelle zu unterrichte«. Der erste Abschnitt enthält die allgemeine Geschichte der Epidemie, deren Ausbruch, wie Hirsch sagt, kei«
«verwartetes Ereigniß war. Die in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen hätten gelehrt, daß von Pole« nc ch Preußen die Krankheit auf dem Wasserwege fast regelmäßig durch Weichselkähne, Holz- und Getreide- Trafteu eingeschleppt worden sei. Dann wendet er sich zum Ausbruche der Krankheit, geht den Regierungsbezirk Bromberg durch, dann Danzig uod Marienwerder, und kommt hierauf zur Verbreituugsweise der Cholera, wobei er fagh „Wenn über die lediglich aus dem Wege der Uebertragung deS Krankheitsgiftes vermittelst der Verbreitung der Cholera noch irgend ein Zweifel besteht, so muß derselbe bei der aufmerksamen Beobachtung des GaugeS, welche die diesjährige Epidemie in den Weichselgegenden und den o-nstlben benachbarten Distrikten genommen hat, schwinde», wo die Forschung nicht nur ein sehr reiches, sondern auch durchaus durchsichtiges BeobgchtUAgsmaterial vor sich hat und die gerade M ine kleinen Krynkheitskreise hin gerichtete Untersuchung die Masten und unzweideutigsten Resultate gibt* Der Unler* aöfc^nttt bespricht die Verbreitung durch den menschlichen Ver- W worin eS als „eine allerorts constatirte Thatsache be* ^wnet werden kann, „daß die Einschleppung der Krankheit W den Provinzen Posen und Preußen durch die vo r Ga- Wen emgetroffenen Flößer erfolgt und die Seuche längs deS WeqeS fortgeschritten ist, den vife genommen haben." Der B Unterabschnitt bespricht die Verbreitung durch Leiche«, âsche, Kleidungsstücke und Stroh, der dritte die Verblei- ' rath in Aussicht genommen ist. M durch Trinkwasser, der vierte durch Bodeneinflüsse, der ■ .
hen „Einfluß der socialen Misere", wobei angeführt
Skt» der Skâhe.
* Mainz, 21. Januar. Am 18. d.MtS. war zur Feier der Errichtung des deutschen Reiches, welches vor 3 Jahren in Versailles proclamirt wurde, großes offizielles Fest bei unserem Herrn Gouverneur, v. Boye». Anwesend waren sämmtliche Spitzen der Civil- und Militärbehörde», sowie Bürgermeister und Adjunet unserer Stadt. Auch das 80. Regiment, dessen Inhaber bekanntlich General v. Boye« ist, war durch seinen Commandeur dort vertreten. Der Herr Gouverneur childerte die historische Bedeutung des Tage» und constatirte die glückliche Entwickelung des jungen RerchS trotz mannich- facher Hindernisse, welche immer neuen politischen Gestaltungen sich kutgegenstemmten. D-S Gedeihen des Reiches und das Wohl des Kaisers wäre» Gegenstand des stürmisch aufge- nommeue« Toastes.
* Darmstadt, 22. Januar. Die vergangenen Samstag den 17. d. MtS. im hiesigen Saalbau abgehaltene Frauenversammluug war von Theilnehmermne« ans allen Stände« überaus lebhaft besucht. Dieselbe wurde durch Hrn. Dr. HallwachS geleitet und schloß sich nach Vorlesung des Frankfurter Berichts im wesentlichen der dortigen Organisation an. In die für Gründung de» FrauenvereinS zur . Beschaffung guter und billiger Verbrauchiartikel aufgelegte Liste zeichnete sich ein sehr großer Theil der anwesenden Frauen ein. Demnächst soll eine förmliche Constrtuirung stattfinden, wobei ein, aus drei Herren bestehender Aufsichts-