ZntelligenzBIatt
der SM FrMkfmt a. M.,
verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expeditton am h. Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)
No. 14 SamStag den 17. Januar 1874.
Uebrrblick der Ereignisse im Gebiete der pMischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 17. Januar. Die Nachrichten über das Ergebniß der Reichstag-Wahle« vom 10. Januar find immer noch sehr unvollständige. Doch läßt sich bereit- übersehen, daß, was übrigens nie bezweifelt werden konnte, die lieberale Mehrheit gesichert ist. Die klerikale Partei wird einige Verstärkung erhalte«: dafür sorgten Baürn, die Rheinlande und voraussichtlich Schlesien; Würtemberg sendet nur einen klerikalen Vertreter mehr als bisher, jetzt im Ganzen 3, früher 2; Baden hat nach wie vor nur 2 Ultramontave gewählt Die Volkspartei hat eine enger« Wahl in Frankfurt und einen Abgeordneten in Würtemberg erreicht, der im Reichstage sich voraussichtlich zur Fortschrittspartei halten wird, schon deßhalb, weil es dort auch nach den Wahlen von 1874 eine Fraktion der Volkspartei überhaupt nicht geben wird. Im Uebrige» senden Wârtemberg und Baden so ziemlich den alten Bestand nationalgesinnter Männer, wenu auch mit einigen neuen Namen, nachBe'lin; unter den frischen Kräften sind solche, die als hocherfreulicher Zuwachs im Reichstage werden begrüßt werde». — Die bedenklichste Seite der diesjährigen Wahlen bilden die Erfolge der Sozialdemokraten
Nicht nur, daß sie ihre Hauptwortführer in den Reichstag bringe», sie haben auch ansehnliche, Minoritäten an manchen Orten erreicht, wo sie nicht siegen konnten; in bieser oder jener Stadt bildeten sie, wenn auch im Ganzen unterliegend, eine lokale Mehrheit, und in Landorten, wo vielleicht zum ersten Male Name und Begriff der Sozialdemokratie gehört wurde, haben sie Wähler gefunden. Das allgemeine Stimmrecht wird in Folge davon härter al- je angeklagt werde«, die Diäteulosigkut dagegen in etwas günstigerem, Licht erscheine». Beide ÄerfassungkbestlWmuugrn erfordern aber wohl noch eine längere Probe; bezüglich deS allgemeinen Stimmrechts ist es »vch fraglich, ob nicht der Druck der Mosse« vo« unten ein stärkerer und gefährlicherer wäre ohne Stimmrecht al» mit demselben.
Aus der Nähe.
* Offenbach, 14. Januar. Die Offenbacher Schiffbrücke ist am 14. dS., Morgens 8 Uhr, nach Ablauf deS Treibeise» im Mai« bei einem Wasserstand von 0,12 M., Offenbacher Pegel, aufgeführt worden.
- * Darmstadt, 15. Januar. Wie wir soebe» ver- , nehmen, hat sich in der Strohpapierfabrik zu Eberstadt gestern -ei» fürchterlicher Unglücksfall zugetragen. Einer bet dort benutzten Papin'sche» Töpfe (zur Bereitung der Masse, beziehuugvweise zum Erweichen der Faser dienend) sprang und blieb ein Arbeiter sofort todt, ein auderer befindet sich i» Folge der Verbrühung der Haut mit stedeader Flüssigkeit im Hospital.
* Darmftadt, 16. Januar. Ueber die „Firma Huber und Söhne" dahier, ist am 12. d. gerichtliche» Schuldenwesen ring, leitet und da» Geschäft sofort geschloffen worden.
* WieSbaden, 16. Januar. Ein kiesiger Kaufmann in der Marktstraße, Herr M., gab einem Lehrling am Sonntag Abend einen Geldbrief mit 527 Thsler« an ei t Kölner Haus, um denselben auf die Post zu bringen. Der Lehrling kam auch bald wieder und brachte deu Postschei -. Am Montag Morgen Tam er aber nicht iuS Geschäft, der Kaufmann ahnte dabei nicht» Böses und dachte, derselbe möge unwohl sein. Seget Abend bekam er aber eine Depesche von dem Kölner Hause mit der Meldung, daß ein Brief mit der Wertbangabe von 527 Thaler augekommen, daß aber kein Geld darin gewesen sei. Der Kaufmann begab sich daher sogleich nach Biebrich, wo der Lehrling zu Hause ist, dieser war aber nicht dort, sondern ist verschwunden und wird daher von der Polizei verfolgt.
* Würzburg, 16. Jguuar. In einer der jüngsie«Nächte ereignete sich im Eafb Windischwunn dahier ein schreckliches Unglück. Der BahnamtSgehâlfe B. zeigte dem »eben ihm sitzenden BahnamtLoffizial Brunuer seinen Revolver. Bei dieser Gelegenheit ging durch Unvorsichtigkeit ein Schuß lot und die Kugel dem Letztgenannten, einem Familienvater mit 4 nn< versorgten Kindern, durch'» Herz. Er war auf der Stelle todt und seine Leiche wurde sofort ins Leiche.Haus transportilt. Welch' ein Schrecken für Frau und Kinder! Der BahuamtS- Assistent B. wurde bald darauf verhaftet.'' . i
* K ö l u, 15. Januar. Herr Johann Fellner, aus Großlinden bei Gießen hatte, nachdem er im Dienste der Köln-Mindener Eisenbahn verunglückte und'zu fernerem Dienste untüchtig gemacht worden war, nach vierjährigem Harren • auf Entschädigung die Gerichte unberufen Die Bahngesellschaft wurde verurtheilt, Fellner eine jährliche Reme von 400 Thaler« bis zu seinem Tode auszuzahlen. Das das Urtheil rückwirkende Kraft hat, so erhirft der glückliche Unglückliche 16 JO Thaler nachbezahlt.