Intelligenz Blatt der Stadt Frankfurt a. M., verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition am H. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
No. 13 Donnerstag den 18. Januar 1874.
Uederblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Die Mitglied, für bas Landi
Frankfurt, den 15. Januar. Nach Artikel 8 der deutschen Reichs»erfassuug hat der Bundesrath alljährlich die Zusammensetzung seiner Ausschüsse zn erneuern, wobei allerdings die aus scheidenden Mitglieder wieder wählbar sind. Die Mitglieder der beiden ersten Ausschüsse, des Ausschusses für das Landheer und die Festungen und der Ausschusses für das Seewesen, werden vom Bundesrath gewählt werden In der Sitzung, mit welcher die diesjährige Session eröffnet wor- brachte der Vorsitzende, Staatsminister Delbrück, einen kaiserlichen Erlaß vom 6. ds zur Mittheilung, durch welchen zu Mitgliedern deS Ausschusses für das Landheer und die Festungen, in welchem Preußen und Boyern auf Grund der Verfassung vertreten sein müsse», noch das Königreich Sachsen, Lvürtemberg, Baden, Mecklenbng-Schwerin und Sachsen- Coburg, und za Mitgliedern des Ausschusses für das Seewesen, in welchem Preußen von vornherein vertreten sein muß, Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg, Lübeck und Hamburg be»
rasen werden. t _
Zr Gemäßheit deS Gesetzes über die Gründung und Ber- Weitung des Reichs-Invaliden fouds sind vom Buu- deèrath drei Mitglieder für die Verwaltung des Fonds zu ernennen. Bisher waren nur zwei Wahlen von Seiten des BundeSratheS erfolgt. Der Vorsitzende des BundeSrathS hat nun als drittes Mitglied den Ministerialrath Heß vorge- schlagen. m „
Die Nachricht, daß die Entwürfe zur Ergänzung der Maigesetze bereits in das Cabiuet des Königs gelangt seien, wird von fast sämmtlichen Berliner Zeitungen wiederholt. ES ist daher angemessen, nochmals zu cosstatiren, daß diese co» plemeutaren Entwürfe noch nicht in dieses Stadium getreten find, sondern zuvor noch commissarischen Berathungen unterliegen.
Das Manifest der Regierung ^errano'« läßt über die pelitische Stellung desselben keinen Zweifel mehr übrig. Als die Grundlage der neuen Ordnung betont es die Revolution von 1868 — also Abweisung aller vourbonischen Prätendenten, sodann die Verfassung von 1869, unter Entfernung des Paragraphen, welcher durch die Abdankung des Königs und die Proelamation der Republik hinfällig geworden — also Wahrung der republikanischen Staatsform. Daß sie die letztere nicht als eine blos vorläufige betrachtet, geht aus dem Um* Pande hervor, daß sie in dem Beeret, welches die formelle
Auflösung der bisherigen Kammer ausspricht, die spätere Einberufung von „regelmäßigen CorteS" ankündigt. Stellte sie die Republik noch als ein Provisorium hin,.so würde sie keine regelmäßige, sondern constituirende CorteS einzuberufeu haben. Sie ick übrigens durch die üblen Erfahrungen der früheren Ministerien gewitzigt worden und wird die Kammer erst bamt
ÄH! ernteten lassen, wenn die Ordnung überall hergestellt
d daS allgemeine Stimmrecht frei auSgeübt werden kann. Und diese schöne Zeit dürfte noch eine gute Weile auf sich warten lassen.
Aus der Nähe.
* Hanau, 14. Januar. Dieser Tage gab MiSka Hauser, der berühmte Geiger, von einem gewählte« und zahlreichen Publikum ei« Concert. Bei meisterhafter Technik ist es ein eigenthümlicher Tonzauber, der aus seiner Geige sp icht, und der auch den verwöhnteste« Zuhörer ergreifen muß. Wundersam und reizvoll erklang dieser weiche, anschmiegende, stngeude Ton in den beiden Stücke» „Einsam", „Märchen". und namentlich in der ungarischen Rhapsodie. Neben Frau B a r n a y. die mit schöner, gebildeter Stimme und künstlerischem Ausdruck eine Arie von Mozart und Lieder von Schumann sang, glänzte Herr Anton Urspruch. In To« und Technik schon vor Jahren bedeutend, errang dieser junge Künstler nun auch jene feinfühlige Wärme und Weichheit der Tongebung, die eben so fesselt als entzückt. Auch sein Vortrag hat an Ausdruck und ruhiger Klarheit bedeutend gewonnen.
* Bin gen, 13. Januar. Za Bingerbrück stieße« dieser Tage Abends zwei Bahnzüge gegen einander. Einem Bahnwärter wurde das Kinn abgefahren und der Lokomotivführer des einen Zuges gerietst zwischen die Lokomotive und! einen Wagen, so daß er erdrückt wurde.
* Bad Weilbach, 13. Januar. Die Vergebung der Arbeiten behufs Erbauung eines neuen Badehausès (die seit 1840 errichteten Bäder entsprechen nicht mehr den Anforderungen unserer Zeit an Comfort) wird demnächst durch Hrn. Bauinspector Bertram zu Wiesbaden auf dem Submisstonsweg« statt haben. Zu dem Etat für den großen Prachtbau sind 40,000 Thaler vorgesehen. Mit der Erbauung von zwei Glaspavillons, welche zur Inhalation des Schwefelgases für Curfremde bestimmt sind, wird ebenfalls mit Frühjahr begonnen werden.