Znrelligenz-Blatt
der Stadt FrMkstirt a. M.,
verbunden mit den Franks«vier Nachrichten als Extrabeilage.
(Expeditton am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
No. 10
Dienstag den 13. Januar
1874.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 13. Januar. D!e Belagerung von Cartagena macht, in d?r Nähe besehe», keinen glänzendere« Eindruck auf den Beobachter als im Lichte sehr dürftiger telegraphischer Angabeu. „Bom WeihnachEabend bis zum 28. December — schreibt der Berichterstatter des Londoner „Standard^ — herrschte unter den Truppen ein schweigendes Einverstäudniß darüber, daß Niemand über seine Arbeit schwi-en sollte und nur die Matrosen machten eine ehrenvolle Ausnahme und pfefferten mit vier am Abhänge der Sierra Gord aüfgepflrvzteu Geschützen wacker auf San Julian und Calvario los. Neuerdings sind auch die Laufgräben fertig «èwordeu, und e» find hinsichtlich derselben zwei besondere Umstände zu erwähnen: Einmal sind sie ohne sonderlicher Trompetenschmettern eröffnet worden, und dann ist eS schlechterdings nicht möglich zu begreifen, was man mit demselben bezweckt. SS ist der vollkommenste Uistnn, Geschütze gegen die Stadtmauern in Position zu bringen, denn der Eingang in die Stadt wäre für die Belagerer gar kein nennen-wer- th?r Bortheil. Ja, man kann einfach sagen, so lange die Forts auf den drei Hügeln noch nicht gewonnen sind, werde« die Belagerer eS nicht wagen, die Stadt zu betreten. DaS Erste, was Noth thut, ist die Eroberung von Fort Julias, des» sobald dieser Punkt genommen ist, muß Cartagena Men. Die Haltung der Flotte ist ganz und gar umfaßbar. Man hat in den Zeitungen eine Rechtfertigung versucht und Mn der Unmöglichkeit gesprochen, in Porman Kohlen einzu- »ehmen, weil eS an Lichterschiffeu fehle, indessen diese Sr- ilärung steht auf falscher Grundlage, da in Porman mehr Achterschiffe liegen, als fast an irgend einem Punkte bet Küste. Das wirkliche Geheimniß, weiche« der Unthätigkeit des Admirals zu Grunde liegt, ist in verschwiegenen «h* Mâzeu zu suchen, welche in Madrid geschmiedet werden. Die onsurgeute« haben noch nicht an Uebergabe gedacht, und wenn der Befehlhaber der Flotte glaubte, sie würde« seine gelegentlichen AuSfläge nach Alicante benutzen, um y entrinne», so waren seine Nachrichten sehr wenig werth. Noch fortwährend treffen schwere Geschütze ein. Die letzte Sendung kam vom Alicante und Lopez. Dominguez, der ■ neue Commandant, arbeitet wie ein Galeerensträfling, wenn â ? ihm nicht glücken sollte, große Erfolge zu erzielen, so hat er doch wenigstens Manche- gethan, sie zu verdiene«.' «c ist überall zU finden und erscheint als der rechte Mann
i am rechten Fleck. Was bie Belagerten anbelarlgt, so ist 3 neuerdings ihr Feuer Wender entschieden. Ob ihnen die Munition auSgeht, oder op sie ihre Schüsse für bessere Ge- legeuheit aufsparrn, ist schwer zu sägen. Saez, der verrückte Briefträger, der auf stolzer Höhe Fort Las Galeras beherrscht, weigert sich entschieden, seinen Freunden mit Munition auS- zuhelfe«. Er wünscht möglichst viel zurâckzubeh alten, um das große Feuerwerk am Schluffe, wean er sich mit seinem Fort in die Luft sprengt, möglichst glänzend auSfällen zu lassen. Er hat so unrecht nicht, denn seine Freunde würden doch dir Geschosse nur iu der Mehrzahl ziemlich aufs Ungefähr um sich werfe«. Ein ganzer Haufe« von unexplodirten 10 Ceutimeter-Granate», welche in harmloser Weise von den Belagerten gegen die Linien der Belagerer versandt wurden, liegt im Artilleriepark aufgeschichtet. Der General gibt eine kleine Belohnung, etwa 2*/» d., für jedes Geschoß, das eingeliefert wird, und das Sinfammelu ist ein kleines aber gefährliches Geschäft geworden. Manche Bauern, welche wissen, daß der Metallwerth der Geschosse ein bedeutend größerer ist, als die Belohnung des Generals, machen sich mit dem größten Leichtsinn an die selbst in einem Arsenal gefährliche Operation, den Bolze« abzuschrauben und das Pulver auSzuschütten, und Mancher kommt dabei zu Schade». Ueberhaupt ist aber die Unvorsichtigkeit im Umgang mit Munition und Pulver charakteristisch auch bei den Soloate«, die stet- die Cigarre im Munde habe«.
Aus »er Nâhe.
*D ar m st a d t,9. Januar. Bezüglich der i« Elisa - betheustift untergebrachten Schnepper' schen Kind:», welchem in der Rcujahr-uacht in die Augen geschossen wurde, haben die Aerzte nunmehr Hoffnung, daß demselben das Augenlicht werde erhalten bleibe«.
* Darmstadt, 10. Januar. Gestern wurde Seiten- der Laudes-Comite- für Abschaffung der Weinsteuer Zr. Exc. dem Minister des Großh. Hause- und Auswärtigen und Präsidenten des GksammMinisterium- Hofman«, eine Adresse Übermacht, in welcher der Negierung der Dank dafür ausgesprochen wurde, daß die Aufhebung der Beschränkung des W-tnhaudelS nab die anderweitig festgesetzte Erhebung der Weinsteuer durch ihre Fö deruug zu Staude gekommen seien.