Einzelbild herunterladen
 

JnrelltgenzBlatt der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den FrankfUVter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedètton am H. Geistpsörtchen, Schlachthausgasse 21.)

No. 6 D-mrerstag den 8. Äaauar 1874.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 8. Januar. Der „TauloiS" kann über die Beförderung des Marschalls Baza ine nach seinem Haft- orte und Wer seinen Aufenthalt daselbst folgendes Weitere berichten: „Während der Eisenbahnfahrt war der Marschall, wenn auch als Gefangener, doch wie eine hochstehende Persön­lichkeit behandelt worden. Ec saß bequem in einem Salon­wagen und hatte die hohe Genugthuung, seinen Knaben und seinen treuen Ex-Adjutanten und Freund, den Obersten Billete, an seiner Seite zu haben. Gegen 12 Uhr Nachts in Antibes angekomme», wurden die Reisenden von einem bereitstehenden Boot ausgenommen, welches sie an Bord des Aviso-Dampfers „Le Rebuste" brachte, und dieses legte «ach eis er Fahrt von anderthalb Stunden auf der St. Margarethen-Insel vor Anker. Der Marscholl war fürchterlich müde; namentlich klagte er über die Stöße, welche er während des letzten Theils der Tisenbahnfahrt empfunden hätte. Der kleine Palo hatte sich etwas ängstlich gezeigt, als er das Boot besteigen sollte; die Schmähruse, mit welchen die Reisenden von den Dema­gogen von Antibes empfange« wurden, ließen sie vollkomme« ruhig: „Wie es scheint," sagte der Marschall gelassen, „ken­nen diese Leute mich nicht sehr gut; denn sie bilden sich ein, ich wäre hierbei geschafft worden, weil ich Menschen um's Leben gebracht hätte." Da der für den Marschall bestimmte Pavillon nichts weniger als fertig ist, so wurde der Gefangene Mit seinem Sohne in dem einzigen Zimmer untergebracht, das von der Wohnung des ehemaligen Commandanten des Forts roch disponibel war. Die Stelle dieses Platzcommandanten war nämlich gleichzeitig mit der Aufhebung der Festung»gene- salstäle abgeschafft worden; die übrigen Räumlichkeiten hatten sich aber die neuen Gesävgnißbeamten asgeeiguet, ohne Weisel, um ihren Schutzbefohlenen besser überwachen zu lvavr«, den sie denn auch jeden Abend um neun Uhr gewissenhaft unter Schloß und Riegel nehmen. Wenn wir recht gelesen haben, so sprachen gewisse Blätter von Orangen- md Myrthen-Wâldern, in welchen der ehemalige Marschall iw Frankreich auf einem Kiessande emherwandel» sollte, der dem Fuße einer Herzogin schmeichel» wurde. Diese Schilde- nmgr» machen der Einbildungskraft eines Reporters alle Ehre; die Wahrheit ist aber, daß der Marschall keine andere Histpromenade hat, als die Terrasse des Forts Gt. Marga- «the, welche mit grausam holprigen Ziegeln gepflastert ist." Wem der Gefangene bei Tage den Wunsch äußert, einen

j Gang auf dieser Terrasse zu machen, von der man unleugbar # eine herrliche Aussicht genießt, steht er sich sogleich von zwei s Beamte» oder Agenten »mürben, die erheiternd stad, wie das i Institut, welchem ste angehören. Seine Mahlzeiten bezieht der Marschall und sein Sohn aus der Cautine, womit genügend gesagt ist, daß ste die frugalsten von der Welt sind. Der Marschall erträgt alles das mit stoischer Geduld; aber seinem Freunde Billete) wurde es zu viel und er ist, wie wir vernehmen, soeben in Paris einaetroffen, um den Herren de Broglie und Baragnon vorzustellen, wie es in dem Fort St. Margarethe zugeht. Die Marschallin Bazairre hat Paris noch nicht verlassen und bewohnt noch immer ihr kleines Hotel tu der Avenue d'Zena. Es besteht kein Dampfs chiffoerkehr zwischen Cauues und der St. Margarethen-Insel; Frau Ba- zaine würde sich auf einige Fischerbarke» angewiesen sehe», die bei dem in der jetzige« Jahreszeit herrschenden Mistral auch nur selten die Ueberfahrt unternehmen könnten. Sie wartet also refignirt, bis ihr Gemahl eine größere Räumlich­keit angewiesen erhält, als die gegenwärtige, in der er »icht einmal seine Bücher mrterbriagen kann."

Aus der Nähe.

* Darmstadt, 6. Januar. Nach einer Mittheilung der „Hess. BolkSbl." hat in Gernsheim ein toller Hund fünf Personen gebissen, ehe er getödtet werden konnte. Ein Kind ist bereits unter Zeichen der HundSwuth mit Tod abgegangen.

* Wiesbaden, 7. Januar. Der freisinnige protestan­tische Pfarrer Schröder in Freirachdorf, der vom Wiesbadener Consistorium abgesetzt worden war, ist vom CultuS-Minister freigesprochen und in sein Amt wieder eingesetzt worden.

*Brandau, 6. Januar. Letzte« Sonntag wurde in der Kirche zu Neunkirchen die Gedenktafel eiagewetht, welche der Patriotismus der Kirchspielsbewohner ihren drei Söhnen, die im letzten Krieg« ihren Tod für« Vaterland fände», m dank­barer Erinnerung widmete. Pie Tafel. ist einfach, aber sinnig aus der Meisterha»d des Herr« Philipp Heist zu Reichelsheim hervorgegangen und in goldenen Buchstaben prangen die Name« der Helden und verkünde« der Nachwelt, was sie dereinst gethan. Erhaben und schön war die Feier und wird gewiß de« vielen Hunderten, die aus Nah und Fern herbeigeeilt waren, derselben beizuwohue«, in steter Er­innerung bleiben.