Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt

der Stadt Frankfurt a. M.,

verbunden mit den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expeditton am h. Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

No. 2 Samttag den 3. Januar 1874.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 3. Januar. Ueber die gänzlich neue Organisation des Belagern» gsparkS erhalten wir folgende ver- lässige Mittheilung: Die beiden Belagerungètrains â 400 Ge­schütze werden, der eine ungethrilt in Spandau, der andere halb in Codlenz, halb in Posen ausgestellt. Jeder Train zählt 40 9.Sw. Bronze-, 120 12.C«. Bronze-, 120 kurze 15»6m. Gußstahl-, 40 lange 15« 6m. Riugkauooen, 40 21- Cm. bronzene gezogene Mörser und 40 15-Cm. glatte Mörser, endlich ein Pauschquantum von 150 Wallbüchsen, welche i«tzt nach dem System Mauser aptirt werden. Alle vorgenannten Geschütze mit sämmtlichem Zubehör und einer Cb«rgirung von 500 Schuß find vollständig bereit und ibre Uedusührung in die obigen drei Depots bereits im Gange. Kurze 21-Cm. Belagerurms-Ringkanonen sind ebenfalls in der Eonstructio» und »erden, «och ihrer Ferkgstkllung die TrainS «och um je ca. 20 Stück vermehren. Das eigentliche Bresche- und zu­gleich wirksamste Demolitions-Geschütz bleibt die lange 15-Cm. Ringkauone, die eine Schußweite von 10,000 Schritt besitzt. Wenn diese 15-Cm. Ringkanone z. B. nur in vierzig Exem­plaren in jedem Train vertreten ist, kg liegt der Grund darin, daß bei allen der Defension überwiesenen Geschützen dieser CaliberS ausdrücklich der Vermerk ausgesprochen ist, sie bei etwaiger Formirung des Belagerungsparks sofort dielem zur Verfügung zu stellen. So verfügen Straßburg und Metz küver je 50, Mainz über 40, Königsberg und Posen vorerst nur über je 7 derselben. Doch werden nach und nach alle Landfestungen damit ausgerüstet werden, während die Kâsteu- pläge ein anderes Modell, das besonders gegen Schiffspanzer geeignete 16» 6w. MarineRingrohr erhalte«. Die letzteren Geschütze werden gerade gegenwärtig von Essen versendet. Die Organisation des Belagerungsparks wiro aber noch eine weite» Verbesserung in de? Aufstellung von Munilions- Trans- port-Colonuen erhalten. Während des letzten BelagerungSkriegs war man genöthigt, diese Colanneu aus französischen Bauer­fuhrwerken, denen meist nar einige wenige Landwehr-Cavalle- riften als Begleit-Cowmaudo beigegeben waren, zu bilden. Die Unzuträglichkeit dieser primitiven Einrichtung hatte sich wiederholt auf daS empfindlichste sichtbar gemacht. Häufig ward die Munition sowohl aus Nachlässigkeit wie aus BoS« j heit tuinirt oder ging verloren und ebenso oft brachte die Ur-; sicherheit ihres richtigen Eintreffens die belagernde Artillerie i in die größte Verlegenheit. Vor Verdun Mißrieth du ganze

. Beschießung gänzlich , weil auf rilligen Munitionkersatz kein j Bedacht genommen war, und vor Paris wurde sie erst dann - möglich, als die Feld-MunitiouSeolonne der Armeecorps unter den Befehl einer energischen Artillerie-Offiziers, des Oberst von Ovprl-BronikowSki, gestellt und die BelaqerungS-Arttllerie zum Transport jener mit Munition gefüllten Banerwagen commandirt wurde, welche i« Lagity ohne Bespannung aufge­stapelt waren. 68 sollen sofort mit dem Befehl zur Mobili- strung der Belagerungs-Artillerie 32 solcher MuuittonS-Trans­port-Colonnen, also 16 für jeden Trais, formirt werden. Jede Colonne besteht aus 36 MunitionSwagen (auS dem fran* zSsischen Beute-Material entnommen mA entsprechend in der inneren Einrichtung aptirt), 6 Leiterwagen, 1 Feldschmiede und einigen Bagage- und Fourage-Wagen. Alle Fahrzeuge erhalten eine B sparmuvg von 4 Milnärpferden mit Train­fahrern, sowie außerdem die nöthigen Geschirre für ein wei- tereS-^aar Vorderpferde, um im Nothfall durch Requifitiouea sich sofort auf 6 Pferde setzen zu können. DaS Commando jeder Coloane erhält ein Premier-Lieutenant oder Hauptmann der Landwehr-Artillerie oder bei Landwehrtrains, außerdem werden jeder 1 Feuerwerker und 30 Artilleristen zur Beauf­sichtigung und Instandhaltung der Munition zugetheilt.

Atts der Nâhs.

* Wiesbaden, 31. Derst Am Samstag Abend hielten die Vertrauensmänner der liberalen Partei im Saale der Re­stauration Hahn eine sehr zahlreich besuchte Versammlung. Nachdem dieselbe das Andenken des verstorbenen Parteigenossen Georg Hahn durch Erheben von den Sitzen geehrt, berieth dieselbe über die Organisation der liberalen Partei hiesiger Stadt für die bevorstehende ReichStagSwahl. Am 2. Januar wird eine öffentliche Versammlung stattfinden.

* Fürth, 31. Dec. Nach langen und schweren Leiden starb dahier dieser Tage der Oberrabiner Dr. Isaak Levi, ein Mann von großem Wissen, ein gewandter Prediger und ein wegen seiner Freisinnigkeit und milden Auffassung von alle« seinen Mitbürgern ohne Unterschied der Konfession ge­achteter und geschätzter Geistlicher.

* Stuttgart, 1. Januar. General von iStülpnagel ist heute von dem König in Abschiedsaudienz empfangen und ' seines Commando'» in Württemberg enthoben worden.