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Verhältnissen, ist bekannt und geachtet. Man müßte ihm i Vollmacht ertheilen, etwa wie folgt, zu unterhandeln: Der Stadt Frankfurt ist eine Contribution auserlegt worden, sie will bezahlen, verlangt aber, wie die Herzöge von Parma und Modena behandelt zu werden, weil sie sich gerade in dem Fall dieser Mächte befindet. Frankreich schließe Friede mit der Stadt, erkenne das Gebiet derselben für neutral, und verbürge die Unabhängigkeit seiner Verfassung. Dagegen verpflichtet sich Frankfurt — doch das sind Gegenstände, der näheren Entwickelung bedürftig.""

Die daraufhin ausgearbeitete Instruction, auch voll der interessantesten Blicke auf Frankfurts inneres Leben und aus die Art wie der einmal ins Rollen gebrachte Stein immer stärkere Macht annahm, ist gleichfalls gestrichen, sie ist jedoch zur Mittheilung selbst an dieser Stelle zu lang und derNcu- gewinn an Gedanken gegen das Expose Basse's zu gering. Interessant für uns ist der durch das ganze Document hin- durchgehende Zug der offenen Ehrlichkeit, mit der man die Bezahlung der Kontributionen behandelt, wie man sogar selber Reste unbezahlter Kontributionen von 1 Million Gulden von 1792 anregen möchte, natürlich unter Gegenrechnung etwa eben so großer Schulden Frankreichs aus demselben Kriege und aus dem siebenjährigen, welche letztere völlig genau abgerechnet sind auf 974,178 Livres. Ich betone dieses absichtlich, weil der ganze Abschluß des Neu­tralitätsvertrags nur möglich war durch das zähe Fest­halten Frankfurts an dem sehr ehrenwerthen Principe, auch dem Feinde die zwangsweise gemachten Schulden zu bezah­len, wenn einmal die Ehre der Stadt durch Verpfändung und Unterschrift seitens der Bürgermeister engagirt war.

Als dann später die geheimen Gesandten Frankfurts Basse und Oelsner in Paris angekommen waren, spricht der Ver­fasser von zwei Brochüren die von ihnen veröffentlicht wor­den seien um die allgemeine Meinung der Assemblee nationale günstig für Frankfurt zu stimmen. Nach dem gedruckten Texte werden beide Brochüren, mit den kurzen Worten abgemacht: „Ihr Plan gipfelte in der Schöpfung eines ohnmächtigen deutschen Föderativstaates zu Gunsten Frankreichs."

Hierzu aber machen sich, abgesehen von ihrem Inhalt die darauf folgenden Entrüstungsausbrüche sehr unvermittelt: „Es ergreift uns heute noch ein Gefühl tiefer Trauer bei dem Lesen dieser schmachvollen Beweise des Verfalls nationa­ler Würde, dieser Ausgeburten des engherzigsten Particularis- mus, wenn auch die Schuld weniger den Einzelnen als das große Ganze treffen mag."

In dem handschriftlichen Aufsatze nehmen sich diese Par­tien völlig anders aus. Der Verfasser hat es für nöthig gehalten, um den authentischsten Beweis für seine Behaup­tungen zu führen, die beiden Brochüren, die eine in voller Uebersetzung, die andere auszugsweise mitzutheilen. Nach diesen beinahe 7 Quartseiten langen Reproductionen, die aber ganz, auch in den Aeußerlichkeiten, den Ton der bei derartigen diplomatischen Gelegenheiten massenhaft üblichen Brochüren der Zeit einhalten, gibt der Verfasser dann seine Ansicht über die Brochüren kund, wobei sich auch ein Passus ein- fchiebt der mit den Worten beginnt: Es ergreift uns heute noch ein Gefühl tiefer Trauer rc. Doch find diese Eingangs­worte die einzigen von dem Verfasser herrührenden Worte in dem oben aus dem gedruckten Aussatze wörtlich citirten Ab­sätze. Den gesammten Schluß mit seinen kräftig klingen­sollenden Phrasen sind „Ausgeburten" der Redaction des Neuen Reichs, statt deren wir in der Handschrift des Ver­fassers nur ruhige Darstellung und Objectivität finden. Doch hören wir diese selbst:

^„Während diese letzte Betrachtungen (es sind die Basse's)

immerhin noch ein gewisses Maß und Ziel halten, eine ge­wisse Würde für den Begriff Deutschlands, wenn auch eines ganz eigenartigen, zur Schau tragen, indem sie nur eine Föderation derjenigen Staaten, welche außerhalb Oesterreich und Preußen liegen, als Deutschland bezeichnen, die beiden Großstaaten aber aus Deutschland excludircn, verläßt der Verfasser der Dissertation den Standpunkt eines Deutschen vollständig, er wirst sein Deutschthum als werthlos von sich, bittet demüthig um Aufrechterhaltung der Zersplitterung der deutschen Kräfte, damit Deutschland, ja nicht einmal, in dem Gefühl der Einigkeit, zum Bewußtsein seiner Kraft und damit zum Ausdruck des Wunsches gelangen könnte, die ihm von Frankreich geraubten Landestheile wieder zurückzufordern; er wirft Deutschland, als einen, seinen Zwecken nicht förderlichen, politischen Begriff, bei Seite, nur um Frankfurter bleiben zu können, er facht innerhalb Deutschland alle Partikular- Jntercssen an, er schmeichelt füglich allen Fürsten, denen er bereitwillig fremdes, d. h. auch deutsches Gut zur Beruhigung zuweist, damit dieselben nur zufrieden sind, ihn in Ruhe lassen, und sonst baut er im Uebrigen auf die Uneinigkeit all' dieser neugeschaffenen Staaten, aus die daraus nach Außen hin entstehende politische Trägheit, um nur ja in Frieden, wenn auch als französischer Knecht und Speichellecker, seinem Handel nachleben, seinen Geldsack vollpropfen zu können."

„Es ergreift uns heut noch ein Gefühl tiefer Trauer bei dem Lesen solcher authentischer Beweise des Verfalls nationa­ler Würde, jedes nationalen Bewußtseins, und es drängt sich unwillkürlich die Frage auf, ob wir es hier nur mit der Veröffentlichung der politischen Anschauungen eines einzelnen, einen speciellen Zweck verfolgenden Mannes zu thun haben, ob wir diesen Mann allein mit Schuld belasten müssen, oder ob derselbe ein Kind seiner Zeit, nur das geäußert hat, was weitaus in dem Theile Deutschlands, aus welchem er stammte, die öffentliche Meinung war."

„Wir müssen den Einzelnen der auf ihn geworfenen Schuld entlasten, und müssen dieselbe auf ganz Deutsch­land werfen, welches in allen seinen Theilen daran Schuld hatte, daß solche politischen Anschauungen überhaupt in ihm, und aus seinen inneren Verhältnissen, erwachsen konnten. Kein einziger organischer Theil des deutschen Reiches war ohne Schuld, und der gesammte Organismus, in seinen Grundprincipien, trug die schwerste Schuld. Dieser schwer­fällige Organismus, übernommen aus dem grauen Mittel- alter, war in sich selbst starr stehen geblieben, während die Glieder, welche ihre Wurzelnahrung von Innen aus ihm saugen sollten, durch die Blatt- und Luftnahrung von Außen sich mehr oder weniger vollständig verändert hatten. Die principielle Vernachlässigung der für die Lebensbedingungen der einzelnen Glieder nothwendigen und berechtigten Interessen, zu Gunsten der einseitigen dynastischen Interessen des / jeweilig führenden Hauptes des Gcsammt-Organs, und bte" innere Unhaltbarkeit des Reichs-Herrschafts-Princips, welches im System einer monarchis ch en Wahl-Republik, also einer politischen Unmöglichkeit aufgebaut war — diese beiden Principienfehler trieben unaufhaltsam das Deutsche Reich seiner Auflösung entgegen, und in den Fluchen der­selben, welche Fäulniß in sich trugen und zumeist noch in verborgenen Canälen dahinschlichen, erstickte allmählich der Be­griff der Deutschen Nation, der Begriff sogar des Deutschen Volkes u. s. w."

„Die Interessen des Particularismus beherrschten unum­schränkt die Politik der Staaten des Deutschen Reichs, und durch sie wurde ein ganzer Theil derselben rücksichtslos unter die Flügel des gallischen Hahns getrieben, der diese Flügel großmüthig ein wenig hob, um ihnen den erbettelten Unter-